Wir alle kennen Systeme wie die Heldenreise, um eine Geschichte spannend zu gestalten. Pixar, dieses Unternehmen mit den faszinierend tollen Animationsfilmen, weiß, wie man aus einfachen Ideen mitreißende Filme macht. Hier sind 22 Tipps, die Pixar mit uns teilt.

Ich orientiere mich in diesem Artikel an der Präsentation „Pixar’s 22 Rules of Storytelling“.

1. Lasse deine Figur nicht nur nach Erfolg streben

Wir bewundern Menschen (und somit Figuren), die einem höheren Ziel folgen. Superman will nicht die Anerkennung der Stadt, sondern den Frieden. Tatsächlich ist es oft sogar so, dass die Antagonisten in Kinderfilmen auf materiellen Erfolg aus sind und die Helden nicht. Gib deiner Figur also ein höheres Ziel!

 

2. Behalte im Hinterkopf, was deine Leser gerne lesen wollen

Es ist dieser ewige Konflikt zwischen dem, was man gerne schreiben will, und dem, was die Leser haben wollen. Joanne K. Rowling zum Beispiel wollte laut diverser Interviews eigentlich nicht, dass eine Liebesromanze zwischen Hermine und Ron entsteht – und ich kann es verstehen, denn Hermine hätte sich im wahren Leben nicht mit Ron zufrieden gegeben, jedenfalls nicht über eine so lange Zeit. Aber das Verlagslektorat hat darauf bestanden und der Erfolg gibt dem Verlag recht: Die meisten Leser finden es fantastisch, dass die beiden ein Paar werden, also wird es eben so gelassen.

Manchmal kann es gut sein, sich in seine Leser hineinzudenken, solange du dich nicht allzu sehr dabei verbiegst. Übung macht den Meister.

 

3. Du kennst die ganze Geschichte nicht, bis du sie geschrieben hast, also überarbeite sie!

Auch wenn du ein Plotter bist und schon vor dem ersten Buchstaben im Text alle Kapitel im Voraus geplant hast: Oft ist die Geschichte doch etwas anders, wenn du sie geschrieben hast. Hier kommt eine Szene dazu, dort wird eine weggenommen, dann entwickeln die Figuren noch ein Eigenleben und schon passt der Anfang nicht mehr so richtig zum Ende.

Wenn du den ersten Entwurf geschrieben hast, überarbeite die Geschichte, sodass sie eine homogene Masse ist.

 

4. Halte dich an funktionierende Muster

Pixar gibt dafür dieses Beispiel an:

Es war einmal …
Jeden Tag … . Eines Tages … .
Deshalb … . Daher …
Bis schließlich …

So sähe das in der Praxis aus:

Es war einmal ein Junge namens Harry Potter.
Jeden Tag wurde er von seinen Verwandten, bei denen er wohnte, drangsaliert. Eines Tages erhielt er einen Brief, der ihm offenbarte, dass er ein Zauberer sei.
Deshalb wurde er von einem Riesen namens Hagrid abgeholt und in die Zaubererwelt mitgenommen. Daher lernte er zaubern, wuchs über sich hinaus und lernte neue Freunde kennen, bis er schließlich gut genug war, um den mächtigsten Zauberer der Welt zu bekämpfen.

 

5. Vereinfach. Fokussiere. Kombiniere Figuren. Überspringe Umwege.

Du wirst das Gefühl haben, etwas Wichtiges nicht zu erwähnen, oder dem Leser nicht genug Information gegeben zu haben. Das ist die Kunst: Drücke es so aus, dass der Leser alle Informationen hat, die er braucht, um eine Situation einschätzen zu können, aber verschlanke deine Sätze, raffe Szenen und bring nur die Quintessenz ins Buch.

 

6. Was kann deine Figur richtig gut? Konfrontiere sie mit dem Gegenteil

Es ist nicht sehr spannend, jemandem bei etwas zuzusehen, das er beherrscht. Der Konflikt entsteht erst, wenn er sich überwinden muss, etwas zu tun. Ein Fallschirmspringer kann ohne mit der Wimper zu zucken über das frei schwebende Gerüst hüpfen – was aber, wenn dein Held immense Höhenangst hat und der einzige Weg, seine große Liebe zu retten, führt über das wackelige Gerüst in luftigen 50 Metern? Das wird spannend.

 

7. Schreib das Ende, bevor du dir über den Mittelteil Gedanken machst

Ein schwarzer Tag für Discovery Writer, aber Pixar empfiehlt, genau zu plotten, wo deine Geschichte endet. Das Ende ist das Herzstück deiner Story, hier laufen alle Fäden zusammen, hier muss es richtig knallen. Da das harte Arbeit ist, kümmere dich zuerst um dieses wichtige Stück, und danach um den Weg dorthin.

 

8. Bringe deine Arbeit zu Ende, auch wenn sie nicht perfekt ist.

Natürlich solltest du deine Geschichten überarbeiten, aber es gibt einfach Romane, die hat man geschrieben und man ist nicht zu 100 % zufrieden. Pixar ist hier ganz pragmatisch: „Mach weiter und nächstes Mal machst du es besser.“ Ob du einen Roman veröffentlichen willst, hinter dem du nicht komplett stehen kannst, ist eine andere Frage, aber wichtig ist, sich nicht zu lange an einem Projekt aufzuhalten, sondern es auch abzuschließen und gehen zu lassen.

 

9. In einer Blockade, schreibe alles auf, was jetzt NICHT passieren wird.

Ein netter Trick, um wieder Schwung ins Schreiben zu bringen, wenn man gerade feststeckt! Insbesondere, wenn man kein Planer ist, kann es sein, dass man mitten im Schreiben feststeckt, weil man einfach nicht weiter weiß. Statt sich das Hirn darüber zu zermartern, wie es nun weitergehen könnte, schreib mal auf, wie es auf jeden Fall NICHT weitergehen wird. Das lüftet die Zellen durch und du kommst wieder in den Schreibfluss.

 

10. Analysiere Geschichten, die dich fesseln

Egal, ob es sich um Filme, Bücher oder Serien handelt: Finde heraus, was dich so begeistert. Pixar sagt dazu: Wenn eine Geschichte dich fesselt, steckt ein Teil von dir in ihr. Du musst herausfinden, was das für ein Teil ist, bevor du es für deine eigenen Geschichten einsetzen kannst.

Ich finde, das ist ein total schöner Gedanke und definitiv wert, umgesetzt zu werden!

 

11. Bringe deine Ideen zu Papier

Wenn du ein halbwegs normaler Schriftsteller (oder eine halbwegs normale Schriftstellerin) bist, hast du Tausende Ideen für zukünftige Romane im Kopf. Sie schwirren so lange als nebulöse Gerüste in deinen Gedanken herum, bis du sie anzapfst, durchdenkst und materialisierst. Ideen, die immer in deinem Kopf bleiben, werden nie zu Romanen, also schreibe sie auf, wenn sie dir durch den Kopf gehen.

 

12. Ignoriere die erste Lösung, die dir in den Sinn kommt. Und die zweite, dritte, vierte und fünfte.

Es geht hier natürlich um die Wege in Geschichten. Wir alle kennen diese Romane (*hüstel* nicht, dass ich selbst solche geschrieben hätte …), in denen man im Grunde schon im ersten Kapitel erahnen kann, wie der Rest des Romans verlaufen wird. Zwei verlieben sich ineinander, irgendwas entzweit sie, und dann kommen sie doch wieder zusammen.

Du kreierst für deine Figuren ja Konflikte, und diese Konflikte müssen gelöst werden. Und hier kommt Pixar wieder ins Spiel: Nimm nicht die offensichtliche Lösung! Nimm dir ein paar Stunden oder Tage Zeit und brainstorme weitere Lösungsideen aus dem Dilemma.
Dann streiche die ersten fünf Ideen.
Überrasche dich selbst.

 

13. Erfinde Figuren mit Charakter und Meinung

Seltsamerweise mögen wir Menschen sehr gerne Menschen, die nichts auf die Meinung anderer geben (ich habe dazu mal einen Artikel über Casey Neistat geschrieben). Wir mögen starke Menschen mit eigener Meinung. Das sollte auch deine Figuren auszeichnen.
Es heißt NICHT, dass du ausschließlich Figuren kreieren sollst, die ihren eigenen Kopf haben, sondern dass du Figuren brauchst, die eine eigene Meinung haben. Selbst wenn du eine Figur hast, die sich am Anfang von allen unterbuttern lässt und ihre Meinung anderen anpasst, wird sich im Laufe des Romans die Entwicklung durchmachen (müssen!), zu sich selbst zu stehen, sich von den andere abzukapseln und am Ende Herr (Frau) über ihre eigene Meinung zu sein.

 

14. Finde den Grund, warum du diese Geschichte erzählen MUSST

Was bringt in dir alles zum Glühen, wenn du an deine Story denkst? Warum gibt es keinen anderen Weg als sie aufschreiben zu MÜSSEN? Was treibt sich dazu? Kristallisiere diese Wichtigkeit, dieses Drängen heraus, denn es ist das Herzstück des Romans, die Botschaft, die Prämisse.

 

15. Versetze dich in die Lage deiner Figur

Wie würdest du dich fühlen, wenn du deine Figur in dieser Situation wärst? ACHTUNG: Die Frage ist nicht, was du tun würdest, sondern wie sich deine Figur tatsächlich fühlt. Da spielt auch rein, dass deine Figur womöglich ein komplett anderer Charakter ist als du! Versetze dich in die Lage deiner Figur. Schlüpfe in ihre Haut und SPÜRE, was sie spürt. Wenn du ihre Empfindungen, Gedanken und Gefühle glaubhaft machen kannst, werden auch unwahrscheinliche Situationen nachvollziehbar.

 

16. Lass den Leser mitfiebern, weil er das Ziel der Figur kennt

Bei Pixar heißt es: „Was ist der Wetteinsatz? Nenne uns die Gründe, warum wir uns mit der Figur auseinandersetzen sollen. Was passiert, wenn sie keinen Erfolg hat? Setze die Chancen, dass sie scheitern, so hoch wie möglich.“ Jede Figur braucht irgendein Ziel (zusätzlich zur Prämisse, die kein eigentliches Ziel darstellt, sondern eher eine Daseinsberechtigung), das sie unbedingt erreichen will, und als Autor/in ist es dein Job, das Erreichen des Ziels so schwer wie möglich zu machen.

 

17. Du arbeitest niemals umsonst

Es kann passieren, dass eine Geschichte einfach nicht funktioniert. Möglicherweise verlässt dich beim Schreiben die Motivation, oder du lenkst deine Aufmerksamkeit aus anderen Gründen auf ein neues Projekt. Deine bisher getane Arbeit ist aber niemals umsonst gewesen! Auf irgendeinem verrückten Weg wirst du davon profitieren, Energie in ein Projekt gesteckt zu haben, das du nicht zu Ende bringst. Du sammelst Erfahrung, du lernst Wege kennen, wie du keine gute Geschichte schreibst, oder vielleicht kannst du das Geschriebene eines Tages zu einem anderen Zweck verwenden. Who knows …

 

18. Kenne dich selbst und lerne, dich einzuschätzen

Du erfährst die volle Spannbreite zwischen dem Gefühl, unnütz zu sein und dem Gefühl, etwas richtig Gutes geschaffen zu haben. Lerne den Unterschied zwischen „jammern“ und „sein Bestes geben“ kennen – beides liegt oft nah beieinander.

 

19. Zufälle, die deine Figur in Gefahr bringen, sind gut. Zufälle, die sie daraus retten, nicht.

Ich könnte es selbst nicht besser ausdrücken. Zufall ist immer mit großer Skepsis zu betrachten, weil total schnell das Gefühl beim Leser aufkommen kann, dass die ganze Geschichte unglaubwürdig ist. „Ist ja klar, dass jetzt zufällig, …“ – und schon hast du die innere Anbindung des Lesers an deine Geschichte verloren. Es ist gut, wenn sie durch „blöde Umstände“ in äußerste Bedrängnis geraten – aber bitte finde einen vernünftigen Weg aus der Misere (und nicht vergessen: Nimm nicht die erstbeste Lösung, die dir einfällt!)

 

20. Schreibe eine Geschichte, die du nicht magst, in eine um, die du toll findest

Auch hier geht es wieder um Analyse und Umsetzung der Theorie in die Praxis. Nimm die eine Geschichte vor – egal, ob Film, Roman oder etwas anderes – und zerteile sie in Blöcke. Findest du eine Möglichkeit, die Blöcke so umzuordnen, dass eine Geschichte entsteht, die du besser findest? (Versuche es mal, ohne etwas Eigenes einzubringen, also lediglich durch das Umstellen von Szenen oder Kapiteln!)

 

21. Identifiziere dich mit deiner Figur

Es klingt nach Nummer 15, geht aber noch einen Schritt weiter. Statt dich in einer Situation nur in eine Figur gefühlsmäßig hineinzuversetzen, tauche in ihre Persönlichkeit ein! (Wie das geht, erfährst du übrigens bald in einem kostenlosen Webinar von mir, also trag dich unten in den Newsletter ein und halte die Augen offen, wenn es dich interessiert!)

Du kannst nicht einfach schreiben, dass deine Hauptfigur „cool“ ist – was tut er, damit das rüberkommt? Wie verhält er sich? Wie würdest du dich verhalten, wenn du er wärst?

 

22. Was ist die Quintessenz?

Was ist „die Moral von der Geschicht“, die Botschaft, die Quintessenz, die Ein-Satz-Zusammenfassung? Wenn du das weißt, kannst du von da die gesamte Geschichte drumherum bauen.

 

Was ist der beste Schreibtipp, der dir je gegeben wurde?

Das würde mich mal sehr interessieren! Schreib deinen besten Schreibtipp mal unten in die Kommentare!

 

 

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