Ein Gastbeitrag von Casandra Krammer.
Wie muss ein Buchcover aussehen, damit es sich von anderen abhebt? Worauf ist zu achten, wenn man ein Buchcover selbst erstellt? Buchcover-Designerin Casandra Krammer verrät Details in diesem Artikel.

Buchcover

Wie muss ein Cover aufgebaut sein, um sich von anderen abzuheben?

 

Ich denke, der Aufbau ist ein wichtiger Teil der gestalterischen Arbeit, macht aber alleine noch nicht die Einzigartigkeit eines Buchcovers.

 

Der Aufbau

 

Wenn man ein Cover mit dem Bau eines Hauses vergleicht, dann ist der Aufbau das Fundament. Texte, Bilder, Formen und Farben müssen im Einklang sein, um eine interessante oder anregende Wirkung auf den Betrachter zu haben. Jemand, der Buchcover gestalten will, sollte sich als allererstes mit den Grundlagen der Gestaltung auseinandersetzen. Also mit Fragen wie:Er ist wieder da

In welchem Verhältnis setzt man Bilder zur Schrift?

Welche Farben sind gut kombinierbar und welche Bedeutung haben sie gerade im Bereich des Marketings?

 

Das ist Fachwissen, was man sich durch mehrere Wege beibringen kann.

 

Aneignung von Fachwissen

 

Der erste Weg wäre durch Beobachtung. Es geht darum, sich gute Designs anzuschauen und diese zu analysieren. Wie hat der Grafiker die Schrift gesetzt? Was macht es für mich persönlich attraktiv? Gibt es vielleicht erkennbare Muster, die immer wiederkehren?

 

this song will save your life

 

Für jemand, der Buchcover gestaltet, ist hier natürlich das Internet oder eine Buchhandlung die größte Inspirationsquelle. Ich verbringe manchmal Stunden im Thalia oder in der lokalen Buchhandlung, schaue mir Bücher an und hole mir vor Ort Anregungen. Man darf hier aber auch nicht zu engstirnig sein. Nur, weil man seinen Fokus auf Bücher setzt, heißt das noch lange nicht, dass man sich während der Analyse nur auf dieses Medium beschränken sollte. Poster, Banner, Broschüren, Plakate Werbung … als guter Designer muss man empfänglich für die Umwelt sein, um so zu erkennen, was die Bücherwelt gestalterisch im Innersten zusammenhält 😉

 

Der zweite Weg geht durch gezielte Bildung. Jemand, der Mediengestalter lernt oder Kommunikationsdesign studiert, bekommt die Grundlagen der Gestaltung beigebracht. Es ist möglich, sich privat weiterzubilden durch Lernbücher, Workshops, Tutorials usw. Man muss dafür nicht einmal viel Geld ausgeben. Im Internet findet man oft alles, was man braucht. Es gibt viele Online-Ratgeber und Blogs, die sich mit dem Thema befassen. Das Ziel ist ja, dass man sich selber dafür sensibilisiert, gutes Design zu erkennen und zu produzieren. Ich beschäftige mich z. B. momentan viel mit Typographie, die Geschichte dahinter und wie man diese gezielt einsetzt.

Blackbirds

Das Allerwichtigste ist das Interesse am selbstständigen Lernen und eine große Portion Motivation. Ohne Eigeninitiative wird das nichts.

 

Der dritte Weg ist die Nachahmung. Wer lernen will, etwas auf eine gewisse Art zu machen, sollte es in erster Linie ausprobieren. Konkret heißt das, schöne Buchcover auszusuchen und diese nachzugestalten. Bei dieser Aufgabe zwingt man das Gehirn auf eine viel bewusstere Art und Weise, das Design wahrzunehmen. Wir setzen hier das altbekannte learning by doing ein.

 

Kenne dein Werkzeug

 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, sich mit seinen Werkzeugen auszukennen. Buchcoverdesigner werden wahrscheinlich fast immer mit Photoshop und InDesign arbeiten. Diese Programme sollte man im Idealfall im Schlaf beherrschen. Wer kein Ofen benutzen kann, sollte keine Brötchen backen.

 

Was viele vielleicht „schockiert“ ( 😉 ): Man wird das Rad nie neu erfinden. Es hat schon so ziemlich alles in hunderten von Varianten gegeben. Die Kunst an der Sache ist dabei, aus alten Elementen was Individuelles zu schaffen. Das heißt aber auch, dass man nicht immer das abgefahrenste, total ultracoole, Mindfuck-Design auf den Plan rufen muss – im Gegenteil. Oft ist weniger mehr.

 

Die verschiedenen Genres, in denen man sich als Buchgestalter bewegt, haben alle ein relativ ähnliches Muster. Das ist kein Zufall. Ein Liebesroman kann ein sehr originelles Cover haben, weist aber bestimmte Merkmale auf, die es als solches erkennen lassen.

 

Das Cover soll den Leser dort abholen, wo er steht. Wenn das Design auf negative Art für Verwirrung sorgt, wird es die Käufer verunsichern. Klar, man möchte als Autor natürlich, dass jeder das Buch liest, am besten finden es auch noch die ganze Welt supertoll. Das ist aber mehr als unrealistisch.

 

Im Bereich des Marketings bewegt man sich in sogenannten Zielgruppen. Bei einem Buch würde das bedeuten, dass man sich hinsetzt und mit der Hand aufs Herz guckt, wer wirklich Interesse an dem Buch haben wird und wie man genau diese Leute anlocken kann. Ist es vielleicht ein Liebesroman für Hausfrauen? Oder doch eher ein Fachbuch für Informatiker?

 

Mechanica

 

Jetzt stellen wir uns mal eine fiktive Designerin vor, ihr Name ist Anna.

 

Anna hat sich seit Monaten mit dem Thema Design auseinandergesetzt, sie hat Fachliteratur gelesen, Tutorials angeschaut, kennst sich wunderbar mit Photoshop aus, hat viel geübt, sich in Facebook-Gruppen Feedback geholt und dabei eine gute Portion Selbstkritik entwickelt und sie kennt sich mit der Zielgruppe ihres ersten Buchcovers aus. Eigentlich die besten Voraussetzungen um jetzt loszulegen. Was kann also noch fehlen?

 

Kreativität

 

Das hört sich jetzt selbstverständlich an, ist es aber nicht. Viele Designs überzeugen nicht nur dadurch, dass sie nach allen Regeln der Kunst gut gestaltet sind, sondern weil dahinten ein kreativer Gedanke steckt, bei dem der Betrachter sich denkt: Hey, voll clever.

 

Diese Kreativität kann man trainieren. Auch dazu gibt es Übungen und Fachliteratur oder man hat das Talent einfach mit dem Löffel gefressen – egal ob selbst beigebracht oder Naturtalent, wichtig ist, dass man sie richtig einsetzt. Man muss sich trauen, um die Ecke zu denken. Vielleicht ist es notwendig, auch einfach mal einen anderen Blickwinkel auf die Dinge zu werfen. Oft geht es darum, eine Botschaft – in Annas Fall der Inhalt des Buches – auf eine schöne und kreative Art zu verpacken. Ich sage gezielt schön, weil es bei so ziemlich jedem Buchcover um Ästhetik geht oder vielleicht sogar darum, diese zu brechen.

 

Was das Cover aussagt

 

Das Cover kann auf mehrere Wege den Inhalt widerspiegeln.

 

Zum einen kann und sollte man immer ein Gefühl vermitteln. Viele Bücher mit einem dramatischen Inhalt, haben auf der Vorderseite nur ein schlichtes Foto und eine dezente Typografie. Dafür spricht dieses Bild uns aber emotional an.

 

Ob das erzeugte Gefühl negativ oder positiv ist, hängt von der Thematik ab. Man urteilt nicht über das Cover und dessen Qualität, sondern über die Botschaft dahinter.

 

Des Weiteren ist es möglich, direkt und ganz plump den Inhalt des Buches wiedergeben z. B. die Silhouette eines küssenden Paares bei einem Chick-Lit Roman, eine Frau in Gummistiefeln bei einem Liebes-Bauernhof-Hausfrauen-Roman oder ein blutiges Messer bei einem Thriller. Sie erfüllen aber auf jeden Fall ihren Zweck.

 

Wenn wir weiterhin beim Beispiel des Thrillers bleiben, kann man mit Symbolen arbeiten. Sagen wir, dass es in einem Buch um einen Triebtäter geht, der Mädchen entführt und vergewaltigt. Auf der Vorderseite sieht man eine verwelkte Blume. Man kann sich denken, dass die Blume für die Unschuld steht. Dies gilt natürlich für so gut wie jedes Genre.

 

Wer sich gerne mehr mit symbolträchtige Cover auseinandersetzen möchte, sollte sich vorher über das Thema informieren und auch Symbole verwenden, die für die Allgemeinheit gültig sind z.B. Wage = Gerechtigkeit, Taube = Frieden, Esel = dumm etc.

 

Eine gute Inspirationsquelle sind vor alledem Geschichten aus der Mythologie oder sogar das eine oder andere Buch über Esoterik und Traumdeutung.

 

16224484_16224484_xlManchmal sind Covermotive so gewählt, dass sie gar nicht zum Titel passen. Das Buchcover ist aber trotzdem ansprechend, weil gerade diese Gegensätzlichkeit Interesse weckt. Gucken wir uns als Beispiel die deutschen Ausgabe von „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ an. Zum einen macht der Titel für sich Lust auf Mehr und zum anderen fragt man sich: Was macht der Elefant da drauf? Man spielt hier gezielt mit der menschlichen Neugier. Leider ist der Grat zwischen Neugier und Verwirrung sehr schmal uns sollte deswegen sehr gut abgewogen werden. Das kann auch schnell mal in die Hose gehen.

 

Wenn wir jetzt all unsere Qualitäten in ein Köfferchen packen, müssen jetzt drei Sachen dort drin sein: gestalterisches Fachwissen, gute Programmkenntnisse und Kreativität.

 

Und hier noch einige Cover, die ich aus diversen Gründen für besonders gelungen halte:

 

Kommentare