Beim Wort „Exposé“ bekommen viele Autoren Angstschweiß auf der Stirn und eine trockene Kehle. Es fällt den meisten schwerer, ihren Roman auf zwei bis drei Seiten zusammenzufassen als einen Wälzer von fünfhundert Seiten zu schreiben. Hier kommt mal eine Übersicht, was in ein Exposé reinkommen sollte und wie man es schreibt.

 

Was ist ein Exposé – und was ist es nicht?

 

Aus den Gesprächen mit anderen Autoren weiß ich, dass viele Schriftsteller „Inhaltsangabe“ und „Exposé“ synonym verwenden. Die Inhaltsangabe ist zwar Teil des Exposés, aber sie steht dort nicht allein.

Folgende Definition gibt Wikipedia:

Ein Exposé oder Exposee ist eine vorausschauende Inhaltsangabe eines literarischen Werks; es soll die Grundidee und den groben Handlungsverlauf vorstellen. Es ist meist nur einige Seiten lang und enthält weder Dialoge noch Einzelheiten. Es skizziert die Hauptfiguren oder gibt die thematische Grundlinie eines Buchs wieder.

 

Das hilft uns doch schon weiter. Das Exposé beschreibt also die Idee (oder die Prämisse) des Romans, die Handlung und die Figuren. Zudem sind dort Informationen verbaut, die die Zielgruppe betreffen und wichtig sind, um den Roman einzuordnen.

Ein Exposé wird zumeist verfasst, wenn man gedenkt, sein Werk einem Verlag vorzustellen. Der Lektor kann dann anhand des Exposés feststellen, ob ihn die Idee überzeugt oder eher nicht oder ob das Werk ins Programm passt. Es ist allerdings empfehlenswert, auch ohne Verlagsambitionen ein Exposé zu schreiben, damit der Überblick gewährleistet ist und man genau sieht, worum das Buch eigentlich geht.

Ich habe auf meiner Facebookseite mal gefragt, ob ihr euren Roman in einem Satz zusammenfassen könnt. Hier ein Ausschnitt der Ergebnisse (klicke auf die Grafik, um sie zu vergrößern):

 

Roman_einsatz

 

Was mir aufgefallen ist: Teilweise sind sehr knackige, tolle Sätze dabei, aber oft trifft der Satz nicht den Kern der Geschichte, sondern ist zu schwammig, zu ungenau. Wenn du genau weißt, worüber du schreibst, fällt es dir leichter, dich auf die Story zu konzentrieren, und du tust dir selbst beim Marketing einen Gefallen, wenn du dein Buch vorstellen willst.

Zurück zum Exposé:

In den meisten Fällen wird bei einer Verlagsbewerbung ein Paket aus drei bis vier Dokumenten gebastelt:

  • Anschreiben
  • Exposé
  • Leseprobe
  • und eventuell die Autorenvita mit bisherigen Veröffentlichungen (wobei bei manchen Verlagen Bücher aus dem Selfpublishing nicht als Veröffentlichungen zählen – allerdings ist diese Einstellung im Wandel und ich würde die Bücher ruhig aufnehmen, wenn sie nicht auf den Verlagsseiten explizit als Nicht-Veröffentlichung deklariert werden).

 

Wenn du denkst, dass dieser Artikel hilfreich für andere ist, teile ihn gerne auf Pinterest:

Wie man ein Exposé schreibt (inkl. gratis Vorlage!)

Bestandteile und Aufbau eines Exposés

Im Zweifelsfall solltest du vor der Erstellung des Exposés auf den Internetseiten der Verlage surfen, um nachzusehen, ob es Kriterien für das Exposé gibt. Generell gibt es kene festen Regeln, wie ein Exposé aussehen muss, wenngleich sich natürlich ein paar Dinge als Empfehlung herauskristallisieren.

Also, hier mal eine Auflistung, was ich in meine Exposés reinpacke (und was mir zumindest schonmal einen Vertrag gebracht hat 😉 ):

  • Dein Name und deine Adresse sowie Kontaktinformationen (wichtig, falls das Exposé mal einsam und verlassen von der Leseprobe getrennt herumliegt, damit es dir zugeordnet werden kann)
  • (Arbeits-)Titel des Romans oder Sachbuches
  • ggf. Pseudonym, unter welchem du veröffentlichen willst, ansonsten Autorenname
  • Genre
  • Umfang (wie viele Normseiten hat dein Manuskript, bzw. wie viele sind geplant?)
  • Zielgruppe (so spezifisch wie möglich)
  • (Bei Belletristik:) Erzählstimme / Atmosphäre des Romans
  • Perspektive (Ich-Erzähler, dritte Person, verschiedene Perspektiven, …)
  • Abstrakt (Ein-Satz-Zusammenfassung oder maximal drei Sätze, die knackig auf den Punkt bringen, worum es geht)
  • Inhaltsangabe (max. eine Normseite lang, also etwa 1500 – 1800 Zeichen)
  • Hauptfiguren und ihre Entwicklung

 

Die harten Fakten

Fangen wir mal oben an. Dass dein Name und deine Kontaktdetails überall vermerkt sein sollten (auch auf jeder Seite der Leseprobe!), sollte klar sein. Es soll schon Fälle gegeben haben, in denen Verlage vielversprechende Manuskripte zugeschickt wurden, auf denen keine Absenderkontakte waren … also beuge dummen Zufällen vor und mache auf jeder Seite klar, dass das Blatt zu dir gehört.

 

Zur Einordnung: Genre, Autor, Umfang, etc.

 

Die ersten Angaben dienen lediglich der Kategorisierung deines Manuskriptes. Stell dir vor, du bist Lektor für die Liebesgeschichten in deinem Verlag. Wie solltest du auf den ersten Blick erkennen, ob das fünfzehnte Manuskript, das heute auf deinem Tisch landet, in deinen Zuständigkeitsbereich passt und überhaupt ins Verlagsprogramm passen könnte? Mache es dem Lektor so einfach wie möglich und gib ihm alle wichtigen Informationen auf einen Blick:

 

Genre. Ganz wichtig! Sei hier so genau wie möglich. Ich höre sehr oft Aussagen wie „Mein Buch kann man eigentlich keinem Genre zuordnen“ oder „Es ist so ein Mix aus gesellschaftskritischem Fantasy-Epos mit Krimi-Elementen, der im 18. Jahrhundert spielt“. Wenn das auf dein Manuskript zutrifft, dann überlege dir bitte nochmal, ob du bei einem klassischen Verlag gut untergebracht bist (ich spreche jetzt von Publikumsverlagen, die sich auf den Mainstream konzentrieren. Wenn du Nischenverlage oder Kleinverlage anschreibst, kannst du mehr Glück haben – mehr dazu übrigens in der Zeitschrift „Federwelt“, Nr. 109).

 

Fakt ist: Der Verlag braucht ein Buch, das er der Masse verkaufen kann (wieder angenommen, dass du Publikumsverlage anschreibst), daher muss dein Manuskript – so außergewöhnlich du es findest – in eine Schublade gepackt werden können. Über den Plot und die Figuren kannst du dein Manuskript dann wieder zu etwas Besonderem machen.

 

Wie soll der Roman heißen? (Sei nicht traurig, wenn der Titel nicht übernommen wird, das wird er in den wenigsten Fällen)

 

Wie viele Seiten hat das Manuskript? Damit kann der Lektor einschätzen, ob er ein sehr umfangreiches Manuskript vor sich hat oder eher eine Lektüre für einen Nachmittag. Außerdem kann er sehen, ob sich eventuell eine Aufteilung auf mehrere Bände lohnen könnte (beispielsweise bei einem Fantasyroman, den du mit 800 Seiten angibst).

 

Zielgruppe. „Für Frauen“ ist keine sehr konkrete Zielgruppe, ebenso wenig wie „Für alle, die gerne gute Bücher lesen“ oder sowas in der Art. Gib eine Altersgruppe an, eine bestimmte Bildungsschicht, eine Berufsgruppe oder andere Details, die die riesige Masse da draußen eingrenzen. Idealerweise hast du das schon getan, als du dich damit beschäftigt hast, wie du dich selbst als Marke positionierst.

 

Abstrakt und Inhaltsangabe

 

Wenn du deinen Roman mit Hilfe der Schneeflockenmethode erstellt hast, ist dieser Punkt für dich ein Kinderspiel: Dein Roman in einem Satz. Es ist auch nicht schlimm, wenn es zwei oder drei Sätze sind, aber dann ist Schluss. Versuche, wirklich die Quintessenz herauszukitzeln. Wie ich oben schon geschrieben habe, ist das nicht gerade einfach, denn man muss sehr konkret werden und alle Nebenhandlungen und Konflikte ausblenden, um den Hauptkonflikt zu sehen.

 

Versuche mal, „Harry Potter“ in einem Satz zusammenzufassen. Beim ersten Nachdenken, denkt man „Wie soll ich denn 7 Bände mit so vielen Informationen in einen einzigen Satz packen?!“, aber das ist ja die Kunst.

 

Ein auserwählter Zauberlehrling kämpft mit der Unterstützung seiner beiden Freunde gegen den mächtigsten Schwarzmagier der Welt und besiegt ihn schlussendlich.

 

Sicherlich keine perfekte Zusammenfassung, aber ich hoffe, du siehst, in welche Richtung es gehen kann. Dieser Satz ist der Aufhänger für die Geschichte, also lasse dir genug Zeit, um ihn knackig zu formulieren.

 

Inhaltsangabe

 

Endlich! Vermutlich bist du mit deinen Kräften schon halb am Ende, wenn du an diesem Punkt ankommst, aber nun darfst du endlich die Inhaltsangabe aufschreiben (vielleicht holst du dir zuerst einen Kaffee oder ein Getränk deiner Wahl, streckst dich kurz und machst dann weiter).

Versuche, nicht mehr als eine Normseite zu schreiben (also zwischen 1500 und 1800 Zeichen, inklusive Leerzeichen – das entspricht mehr oder weniger 250 Wörtern) und konzentriere dich auch hier darauf, den Grundgedanken herauszustellen. Halte dich an den simplen Aufbau „Anfang – Mitte – Ende“, also erkläre, wo der Roman startet (z. B: „Emma und Daniel haben sich verlobt“ – so lautet der Beginn der Inhaltsangabe von Achtung: Braut!*), was der Hauptkonflikt ist und wie die Lösung aussieht.

 

Wichtig: Vermeide Cliffhänger und andere Dinge, die du beim Marketing nutzt. Du willst dein Werk zwar irgendwie „verkaufen“, aber dein Ziel soll sein, den Lektor auf die Gesamtgeschichte neugierig zu machen. Ein Lektor ist in diesem Fall ja kein „normaler Leser“, sondern er bewertet das Buch unter dem Gesichtspunkt, ob die Geschichte x-tausend Mal verkauft werden könnte, ob es sich für den Verlag lohnt, tausende Euros zu investieren, um diese Geschichte zu veröffentlichen und ob sie gut genug ist, um auch noch Gewinn abzuwerfen. Deshalb muss der Lektor wissen, was du geplant hast. Verrate ihm also auf jeden Fall, wie du die Konflikte aufzulösen gedenkst.

 

Hauptfiguren und ihre Entwicklung

 

Wenn du einen Roman schreibst, ist es sinnvoll, auch ein Wort über die Protagonisten zu verlieren. Schließlich tragen sie die Geschichte, die du dir überlegt hast und es sehr wichtig, starke Charaktere zu präsentieren, die glaubwürdig sind. Ich handhabe es deshalb so, dass ich die Hauptfigur(en) skizziere, also ihre Biografie und vor allem ihre Entwicklung.

 

Hier mal ein Beispiel aus besagtem Roman „Achtung: Braut“ (Spoilergefahr!)

 

Emmas Eltern haben sich auf einem Festival kennengelernt und Emma ungewollt bei einem One-Night-Stand gezeugt. Ihre Mutter Sabine wird von Jens kurz nach der Geburt von Emma verlassen. Emma wächst bei ihrer Mutter auf. Sabine wollte stets ihre Freiheit genießen und vernachlässigte ihre Tochter. Daraus entwickelte sich bei Emma mit der Zeit ein übergroßes Bedürfnis nach Ordnung, Planbarkeit, Regeln und Sicherheit.
Entwicklung
Emma steigert sich in die Hochzeitsplanung so sehr hinein, dass sie andere Dinge vernachlässigt. Sie wird fast fanatisch und bemerkt nicht, wie ihre Beziehung darunter leidet. Erst als ihr vor Augen geführt wird, wie ihr Leben sich entwickeln könnte, wenn sie so weitermacht wie bisher, erkennt sie, dass die Liebe zu Daniel größer ist als der Wunsch nach einer perfekten Traumhochzeit. Sie lernt, nicht alles planen zu können und einfach das Leben mit seinen Hochs und Tiefs zu genießen.

 

Pass auf, dass du im Rahmen bleibst und nicht über die 2 bis 3 Seiten Exposé hinausgehst. Wenn der Platz nicht ausreicht und auch Kürzen nicht mehr hilft, kannst du die Charakterentwicklungen auch in einem separaten Dokument anfertigen und zur Bewerbung hinzufügen.

 

Muster zum Download

 

Ich gebe ja gerne von meinem Wissen ab, wie du weißt 😉 Also habe ich mir gedacht, dass du vielleicht gerne mal ein Exposé als Muster haben würdest, an dem du dich orientieren kannst.

Einfach eintragen und du erhältst ein *docx-Dokument, das du in Microsoft Word öffnen kannst:

 

 

Bitte teile den Artikel auf Pinterest, wenn er dir gefällt – oder in einem anderen Netzwerk! (Siehe unten)

Kostenlose Vorlage, wie man ein Exposé schreibt!

 

Kommentare