Gibt es Unterschiede in der Herangehensweise zwischen Romanen und Kurzgeschichten? Vielleicht nicht für jeden, für mich aber schon. In diesem Beitrag zeige ich dir, mit welchen drei Schritten ich ziemlich schnell eine Kurzgeschichte ins Leben rufe.

Zu diesem Beitrag gibt es auch ein Video, in dem ich dir die drei Schritte erkläre:

 

Der große Unterschied bei kleinen Geschichten

Was ist überhaupt eine Kurzgeschichte?

Der Name ist etwas irreführend, denn „kurz“ ist ja immer eine Frage der Relation. Ist eine 50 Seiten lange Geschichte eine Kurzgeschichte? Durchaus. Ist eine 5 Seiten lange Geschichte eine Kurzgeschichte? Ja.

Es gibt ein paar Daumenregeln, wie eine Kurzgeschichte sein sollte, damit sie als Kurzgeschichte einkategorisiert werden kann. Ich würde mich bei der Planung allerdings weniger daran aufhängen, ob ich nun 13.00 oder 20.000 Wörter schreibe, sondern dafür sorgen, dass eine gute Geschichte entsteht – ob es nun eine Kurzgeschichte, eine Novelle oder ein Roman wird, um nur drei Formen zu nennen.

Stellen wir aber zum Vergleich mal den Roman und die Kurzgeschichte gegenüber, um eine generellen Überblick zu bekommen:

 ROMAN   KURZGESCHICHTE
Umfang ca. 70.000 Wörter bis zu ca. 15.000 Wörter
Inhalt Meistens Ereignisse mehrerer Tage, Monate oder Jahre Meistens Momentaufnahmen
Ende Oft in sich abgeschlossen Oft offen (da Momentaufnahme)
Beginn Teilweise lange Einleitung Meist direkter Einstieg ins Geschehen
Zeit Zeitsprünge oft vorhanden Zeitsprünge eher selten
Figuren Sehr detailliert ausgearbeitet, Leser lernt sie sehr gut kennen Ausgearbeitet, bleiben aber wegen der Kürze eher an der Oberfläche
Unzählige Figuren möglich Meistens nur sehr kleines Figuren-Ensemble
Hintergrund Der Leser erfährt viel über die Hintergründe Der Leser muss sich die Hintergründe zusammenreimen

 

3 Gründe, eine Kurzgeschichte zu schreiben

 

Ich gebe zu, ich bin kein Kurzgeschichtenleser. Erst seit wenigen Wochen freunde ich mich mit diesem Genre an und merke, dass mir viele tolle Geschichten entgangen sind.

Damit es dir nicht wie mir ergeht, hier ein paar Gründe, warum du als Autor überlegen solltest, Kurzgeschichten zu schreiben:

1. Es hilft dir, die Essenz einer Geschichte zu kristallisieren

Lang kann jeder! Es ist keine Kunst, einen Krimi zu schreiben, der 500 Seiten lang ist, wenn man denn genug Ideen hat, wie man den Leser möglichst lange hinhält. Nur, weil jemand die Ausdauer hat, 500 Seiten zu schreiben, schreibt er deswegen keine bessere Geschichte als jemand, der sich genau so lange an 20 Seiten aufhält.

Mehr noch: Wenn du dafür sorgst, dass deine Kurzgeschichte wirklich spannend ist und es schaffst, eine interessante Idee zu verwirklichen, idealerweise mit einem überraschenden Twist am Ende, dann ist deine Kurzgeschichte womöglich spannender als der 500-Seiten-Roman.

Sich kurz zu halten, ist eine Kunst. Es ist wie beim Filettieren: Stück für Stück schneidest du das überflüssige Fett ab, bis nur noch das Gute übrig bleibt. Um das zu üben, sind Kurzgeschichten ideal, da du dich kurz fassen MUSST.

 

2. Du übst die Kunst der Abstraktion (und der Leser ebenfalls)

Es gibt bekannte Kurzgeschichten, die auf den ersten Blick eigentlich gar nicht spannend erscheinen, beispielsweise, weil eine Alltagssituation beschrieben wird. Wichtig ist hier das, was gerade NICHT aufgeschrieben wurde. Dieses „zwischen den Zeilen lesen“ ist nicht für Autoren schwierig, sondern auch für Leser. Gerade in Kurzgeschichten wird vieles vorausgesetzt, was nicht aufgeschrieben wurde. Indem du überflüssige Informationen weglässt und der Leser sie sich selbst erschließt, wird er zum Mitdenken angeregt. Und dir hilft es, „Subtext“ zu üben.

 

3. Kurzgeschichten lassen sich schneller schreiben

Häufig hast du in einer Kurzgeschichte nur einen oder zwei Konflikte, die ausgetragen werden, wohingegen ein Roman sehr viele verschiedene Konfliktebenen bedient (Ausnahmen bestätigen die Regel). Es kann daher sein, dass es dir leichter fällt, Kurzgeschichten zu schreiben und du darin schneller bist. Ich für meinen Teil schaffe es manchmal, eine komplette Geschichte am Tag zu verfassen (dann halt nur wirklich kurze Geschichten, die 1/2 oder 1 Seite lang sind).

Gleichzeitig steigert das auch deine Motivation, weil du schneller „durch“ bist.

 

Besonderheit: Drabble

Ein Drabble ist eine Geschichte die aus EXAKT 100 Wörtern besteht (nicht 99, nicht 101). Der Titel wird hierbei nicht mitgezählt.

Ich selbst habe noch nicht versucht, ein Drabble zu schreiben, aber es reizt mich sehr, sodass ich es im Juni definitiv ausprobieren will. Marcus Johanus hat vor ein paar Jahren bereits diesen Artikel zum Thema geschrieben und hier gibt es Beispiele, wie ein Drabble aussehen kann.

Eine gute Möglichkeit, um einfach mal das Plotten zu üben. Und ideal für Social Media Postings!

 

In 3 Schritten zur Kurzgeschichte

 

Nun kommen wir aber zum Thema:

Folgende drei Schritte arbeite ich ab, wenn ich eine Kurzgeschichte schreiben will (diese Schritte würde ich beim Drabble versuchen). Beim Romanschreiben gehe ich zwar ähnlich vor, aber die einzelnen Schritte sind viel tiefer ausgearbeitet.

Schritt 1: Die Botschaft/das Thema formulieren

Meine Geschichte soll zwar auch ein netter Zeitvertreib sein, aber es ist natürlich noch schöner, wenn auch eine „Moral der Geschicht'“ mitschwingt. Deshalb überlege ich mir (anders als beim Roman) zuerst das Thema oder die Botschaft, die ich übermitteln will.

Wenn ich überhaupt keine Ahnung habe, worüber ich schreiben könnte, durchforste ich das Internet nach Sinnsprüchen und lasse mich davon inspirieren. Auch WritingPrompts (momentan täglich auf meinem Twitter-Account und meiner Facebookseite zu finden) helfen deine Inspiration auf die Sprünge.

Beispiel: „Wichtig ist letztlich, dass du dir selbst gefällst, egal, was andere sagen“

 

Schritt 2: Das Genre/den Ton festlegen

Ich bin bei meinen Geschichten nicht auf ein bestimmtes Genre festgelegt und probiere auch gerne verschiedene „Tonarten“ aus (dramatisch, lustig, düster, fantasievoll, …). Bevor ich mir Gedanken um die eigentliche Geschichte mache, lege ich daher fest, in welchem Genre sie spielen soll: Wird es eine lustige oder traurige Geschichte? Spannend oder gefühlvoll?

Beispiel: Die Geschichte soll gefühlvoll sein und an das Genre „Liebesroman“/“Entwicklungsroman“ erinnern

 

Schritt 3: Die Geschichte und ihre Figuren plotten

Kann man Figuren plotten? Ich habe die beiden Elemente jetzt mal unter diesem Stichwort zusammengefasst. Im letzten Schritt überlege ich, welche Geschichte geschehen könnte, die die Aussage meiner Geschichte hat. Ob mir zuerst eine Geschichte oder eine Figur einfällt, ist dabei egal. Anhand dieser Idee zu Figur oder Geschichte überlege ich dann den groben Ablauf:

Beispiel: Eine Frau ist darauf fixiert, alles zu tun, um dem Mann ihrer Wahl zu gefallen. Je mehr sie sich anstrengt, ihm zu gefallen, desto hässlicher wird sie: Erst bekommt sie nur Pickel und stumpfe Haare, aber schon bald sieht sie aus wie Quasimodos Schwester. Der Typ verlässt sie, sie ist total unglücklich, aber dann erkennt sie, dass es noch immer Dinge gibt, die sie an sich liebt. Je bewusster ihr das wird, desto schöner wird sie wieder, bis sie schließlich von innen strahlt und das „gewisse Extra“ hat, das man nicht beschreiben kann. Erst als sie beschlossen hat, sich selbst zu liebe (egal, was andere denken), hat sie der inneren und äußeren Schönheit die Tür geöffnet.

 

10 Geschichten in 30 Tagen

Dass ich mich gerade mit kürzeren Geschichten auseinandersetze, hat auch mit der Challenge zu tun, die ich mir stelle: Im Juni möchte ich 10 Geschichten veröffentlichen (wobei ich möglicherweise auch einige nur anfangen und über mehrere Wochen weiterführen werde).

Mehr zur Challenge erfährst du hier.

 

Hinweis: Schreibwoche im November

Ich möchte schon jetzt darauf hinweisen, dass es auch dieses Jahr wieder einen Schreibworkshop geben wird, der sich über eine komplette Woche zieht. Eigentlich wollten wir nach Mallorca, aber das wird wohl leider nicht funktionieren. Alternativen werden derzeit ausgelotet und es bleibt auf jeden Fall ein Ort am Meer. Trage dich in den Newsletter ein, um rechtzeitig über mehr Infos informiert zu werden:

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