Plotten: 4 Akte zum Roman

Sobald du über deine Romanidee nachdenkst und beginnst, die Figuren zu entwickeln, stellt sich unwillkürlich auch die Frage, was in deiner Geschichte alles passieren wird. Wo beginnt sie, wo hört sie auf? Dieses Video hilft dir beim Plotten.

 

Ob du nun nach einem bestimmten System plottest, lieber die Heldenreise* als Grundlage nimmst (hier ein Beitrag dazu!) oder einfach drauf losschreibst: Letztlich hat jeder Roman einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Im 4-Akt-Modell (meinem Lieblingsmodell) kannst du relativ genau planen, wann sich Spannung aufbauen wird und wie es zu einem grandiosen Finale kommt.

Es gibt übrigens auch die 3-Akt-Struktur, die 5-Akt-Struktur, die 7-Akt-Struktur und so weiter. Letztlich fußen alle diese Strukturen aber immer mehr oder weniger auf der gleichen Basis.

 

Akt 1: Die Exposition

Der Leser lernt die Figuren und ihre Umstände kennen. Das passiert über gut ein Fünftel des Romans und es ist wichtig, dass es hierbei nicht langweilig werden darf (niemand will wirklich deine Figur in ihrem Alltag sehen, wenn nichts Spannendes passiert!)

Wie man eine Exposition spannend gestaltet, habe ich dir mal hier in einem Video erklärt. Es ist auch eine komplette Lektion im WOW-Kurs, falls du dich dafür interessierst.

Steige hierbei so spät wie möglich in die Geschichte ein. Langes Vorgeplänkel brauchen wir in der Regel nicht. Achte immer darauf, dass jede Szene einen Konflikt beinhalten sollte, damit sie spannend bleibt!

 

Auslösendes Moment

Das auslösende Moment unterbricht den Alltag deiner Hauptfigur. In der Heldenreise ist dies der „Ruf zum Abenteuer“: Etwas passiert, das plötzlich die Routine zerstört. Das kann alles sein, von einer Auslosung für die Hungerspiele (Tribute von Panem) über geheimnisvolle Briefe (Harry Potter) bis hin zu der Entscheidung, dass deine Figur die Welt retten soll oder auserkoren ist, ein bestimmtes Artefakt von A nach B zu bringen. In Liebesromanen ist das auslösende Moment meistens die Begegnung der beiden späteren Liebenden.

 

Plot Point 1: Der Übergang zwischen Akt 1 und Akt 2

In vielen Geschichten ist es so (das lernst du auch in der Heldenreise*), dass der Held dem „Ruf zum Abenteuer“ zunächst nicht folgen kann oder will. Entweder fühlt er sich für ein Abenteuer noch nicht bereit, oder andere hindern ihn daran, das Abenteuer anzugehen. Er läuft weg oder er muss sich plötzlich um andere Dinge kümmern und wird so abgelenkt.

Das ist kein Muss, aber erhöht meistens die Spannung. Je mehr für ihn auf dem Spiel steht, desto eher wird er zögern.

Wenn er sich dann aber mal durchgerungen hat, das Abenteuer anzugehen, dann kommt in der Regel der so genannte „Plot Point 1“, der Übergang ins Abenteuer. Bei Harry Potter ist das beispielsweise die Zugfahrt nach Hogwarts: Er verlässt die bisherige Welt, in der er gelebt hat, und macht sich auf in ein unbekanntes Abenteuer.

 

Akt 2: Die Geschichte nimmt Fahrt auf

Dann kommen wir zum zweiten Akt. Er beginnt meistens ungefähr nach einem Fünftel bis einem Viertel und dauert bis zur Hälfte des Romans an.

Der Protagonist (oder die Protagonistin) muss sich nun mit ihrem Abenteuer herumschlagen. Sie lernt neue Situationen und Regeln kennen und reagiert auf die äußeren Umstände:

  • Katniss (Tribute von Panem) fährt ins Kapitol, lernt ihre Gegner kennen und muss sich eine Überlebensstrategie ausdenken. Alle Kapitel, die im Kapitol spielen (bevor die Spiele starten), gehören zu Akt 2 und ihrer Vorbereitung auf das Abenteuer
  • Harry Potter lernt Hogwarts kennen, trifft auf seine Feinde und Freunde, und deckt kleinere Geheimnisse auf, die später wichtig sind
  • Bella Swan (Twilight) kommt zu ihrem Vater, lernt eine neue Schule kennen und trifft auf einen seltsamen Typen, der sich im Laufe von Akt 2 als Vampir entpuppt

 

Wenn sich die Probleme langsam zuspitzen, laufen wir auf die Hälfte des Romans zu:

 

Midpoint: Übergang zwischen Akt 2 und Akt 3

Wenn möglich, sollte die Geschichte in der Mitte einen Twist haben.

Edward ist doch nicht der nette Junge, sondern ein Vampir.
Katniss ist nicht einfach nur eine Gejagte, sondern das Hauptziel der Gegner – eine Regeländerung macht ihr das Leben schwer
Harry erkennt (Band 1), wo der Stein der Weisen ist und dass er gestohlen werden soll

Je überraschender der Twist, desto besser, aber es ist nicht zwingend notwendig, hier ein Kaninchen aus dem Hut zu zaubern. In Liebesgeschichten ist das meistens der Punkt, an dem die zart aufgezogene Pflanze der Zuneigung durch eine dumme Aktion, ein Missverständnis oder auch durch Mutwilligkeit nahezu zerstört wird und man als Leser denkt: „Okay, das war’s, aus denen wird nichts mehr.“

 

Akt 3: Von Passivität zu Aktivitiät

Auf der Hälfte des Romans ist etwas passiert, das den Helden zwingt, jetzt seine Strategie zu ändern und selbst aktiv zu werden. Zuvor konnte er sich noch leiten lassen, reagierte eher auf die Konflikte von außen, statt aktiv gegen die Gegner anzugehen. Jetzt ist es anders: Dein Held wird aktiv – egal, ob es darum geht, einen Drachen zu erledigen, den Weltuntergang aufzuhalten oder seine große Liebe wiederzusehen.

 

Plot Point 2: Übergang von Akt 3 zu Akt 4

Wenn dein Protagonist sein Schicksal selbst in die Hand genommen hat, erlebt er häufig einen Tiefpunkt. Irgendetwas kommt heraus, das all seine Pläne doch noch zu zerstören scheint. Der Antagonist zieht ein As aus dem Ärmel. Was die Figur anfangs glaubte, ist jetzt doch falsch.

Wir stehen jetzt kurz vor dem Finale.

Bei „Twilight“ beispielsweise ist der Plot Point 2 der Punkt, an dem die Protagonistin die Info erhält, dass ihr Feind bei ihrer Mutter ist und sie sich entscheiden muss, zu ihrer Mutter zu retten oder ihre große Liebe.

In „Die Tribute von Panem“ ist es der Punkt, an dem ein bestimmter Charakter nicht mehr an Katniss‘ Seite ist und sie vollkommene Ungerechtigkeit empfindet, gleichzeitig aber auch zum ersten Mal Mitgefühl zeigt.

 

Akt 4: Finale und Ende

Deine Figur schafft es, den Tiefpunkt zu überwinden. Es tut sich doch noch eine Chance auf oder der Protagonist schafft es, seine inneren Konflikte endlich zu lösen. Zeit für das Finale, auf das die ganze Geschichte hinprogrammiert wurde.

Je nach dem, wie das Finale aussieht, ist deine Figur danach stärker als zuvor und glücklich, oder unglücklicher und hat alles verloren. Oder, wenn du ein offenes Ende hast, es werden Fragen nicht beantwortet. Ein kitschiges Ende ist kein Muss.

 

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Spannend Plotten mit der 4-Akt-Struktur

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