Wenn ich vom Thema „Ordnung“ schreibe, leide ich in der Regel stark am „Hochstaplersyndrom“. So nennt man es, wenn man das Gefühl hat, jeden Moment enttarnt zu werden, weil man über etwas spricht, von dem man doch eigentlich gar keine Ahnung hat. Jede Person, die unser Zuhause kennt, würde die Augenbrauen skeptisch zusammenziehen, wenn ich behaupte, etwas Wichtiges zum Thema „Ordnung“ zu sagen zu haben.

Früher gehörte ich zu den absoluten Chaos-Fans und mir kamen Sprüche über die Lippen wie das bekannte „Nur das Genie beherrscht das Chaos!“ oder „Ordnung ist das halbe Leben und ich mache keine halben Sachen“. Das hat sich radikal geändert, seit ich mich mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung auf einer tieferen Ebene beschäftige. Ich weiß nun, dass die uralte Annahme „Wie innen, so außen“ sich auch auf etwas Schlichtes wie den Haushalt bezieht.

Wenn mein Leben im Umbruch oder stressig ist, sieht man es unserem Zuhause an.

Zwar kann ich Unordnung lange Zeit gut ausblenden und man gewöhnt sich tatsächlich an herumstehende Kartons oder Papierstapel auf dem Tisch, aber dein Unterbewusstsein nimmt diese Dinge weiterhin wahr. Sie stören deine „innere Balance“, wenn du so willst (außer natürlich, du freust dich ehrlich über Unordnung, was aber nur bei einem verschwindend geringen Prozentsatz der Fall sein wird). Tatsächlich scheint es gemäß einiger Erfahrungsberichte, die ich gelesen habe, bei vielen Menschen so zu sein, dass mit der Ordnung zu Hause auch andere Bereiche geordnet wurden: Beziehungen, Karriere, Finanzen und so weiter. Ein entspannendes Zuhause, in dem du dich wohlfühlst, überträgt sich auf dein Gemüt. Du bist produktiver, wenn es um dich herum gemütlich ist bzw. du nicht von Dingen abgelenkt wirst. Außerdem fällt mir dazu ein Zitat aus der Bibel ein („Gute Nachricht“-Übersetzung):

Du hast dich in kleinen Dingen als zuverlässig erwiesen, darum werde ich dir auch Größeres anvertrauen. (Mt 25,21)

Wenn wir also lernen, in kleinen Dingen wie der Ordnung zu Hause zuverlässig zu sein, dann wirkt sich das auf andere Bereiche aus. Oder würdest du jemandem beispielsweise einen Großauftrag erteilen, von dem du wüsstest, dass er es nicht einmal schafft, morgens sein Bett zu machen oder abends die Socken in eine Wäschetonne zu werfen? Vielleicht hat die eine Sache nichts mit der anderen zu tun. Vielleicht steckt aber auch mangelnde Disziplin oder Motivation dahinter und dann suche ich als Auftraggeberin lieber einen Menschen, der wenigstens versucht, Ordnung zu halten. Du merkst: Es geht mal wieder um die Einstellung.

Schaffst du es
einfach nicht?

Selbstverständlich kannst du dir Dutzende Ratgeber durchlesen, die dir Methoden beibringen, mit denen du Ordnung in deinen Haushalt, deine Finanzen, deine Beziehung oder deine Gedanken bekommst (in den Buchtipps habe ich dir etwas dazu zusammengestellt). Wie bei Diäten ist es aber auch hier so, dass die „Rückfallquote“ sehr hoch ist, weil häufig nur eine Symptombehandlung stattfindet: Du weißt vom Kopf her (weil du es gelesen hast und logisch findest), dass ein gemachtes Bett ein Gefühl von Produktivität erzeugen kann. Wenn es dir aber kein inneres Bedürfnis ist, das Bett zu machen, dann wirst du es über kurz oder lang wieder sein lassen.

Die Frage der Fragen lautet also: Wie erzeuge ich ein inneres Bedürfnis in mir, Ordnung zu schaffen? Und wie setze ich das im zweiten Schritt im Alltag um?

Der Einfachheit halber bleiben wir beim Thema „Haushalt“, du kannst es aber auf jegliche Bereiche übertragen, die eine Art von Ordnung oder Aufräumen vertragen könnten.

Finde (schriftlich) heraus, warum du gerne ordentlicher wärst – also was du dir von mehr Ordnung erhoffst und was dir ein aufgeräumtes, sauberes Zuhause gibt – und frage dich dann, warum es dir so schwer fällt. Für mich hieß das im zweiten Teil zunächst: „Ich bin zu faul, um Dinge an ihren Platz zu bringen. Es ist so viel einfacher, Sachen stehen zu lassen, wo ich gerade bin.“ Gleichzeitig störte es mich aber, dass die Dinge nicht an ihrem Platz waren. Nie werde ich vergessen, wie mein Coach in der „Life Coach School“ von Brooke Castillo mich fragte, was denn das Problem daran sei, beispielsweise meine Gitarre an ihren Platz zu bringen.

Erst sagte ich, ich hätte keine Lust.
Er sagte, dass ich mich damit also aktiv für Unordnung entscheiden würde.
Ich wiederum hatte mich bis dato immer als Opfer meines mangelnden Willens gesehen, dabei kann ich alles schaffen, was ich will. Ich wollte mich nur nie gegen meine Faulheit entscheiden. Dieses Gespräch hat bei mir nicht nur den Groschen, sondern eine ganze Kassette mit Wechselgeld fallen lassen (die ich natürlich gleich wieder aufgehoben und eingeräumt habe).

Faulheit verbot ich mir daher als Grund. „Wo liegt das Problem?“, wiederholte mein Coach.
„Es gibt kein Problem“, sagte ich und war überrascht von der plötzlichen Klarheit in meinem Kopf. Ich hatte mich in dieser Sekunde aktiv dazu entschieden, von nun an ordentlich zu sein.
Der Weg ist noch nicht beendet und es gibt auch bei uns mit zwei Kleinkindern regelmäßig Chaos. Der Unterschied ist, dass ich jetzt keine Dinge mehr gedankenlos liegen lasse, sondern bereits beim Hinlegen ein kleiner Gedanke aufkommt, der  mir sagt „Das gehört da nicht hin und das weißt du. Bring es an seinen Platz.“ Manchmal höre ich darauf, manchmal nicht. Wenn ich es ignoriere, ärgere ich später, weil mich die Unordnung stört. 

Dieses Thema ist so lang, dass ich nicht die Erste wäre, die ganze Bücher darüber schreiben könnte. Ich möchte diesen Artikel aber nicht ohne handfeste Tipps beenden, die dir Soforthilfe verschaffen und dich in deiner Entwicklung unterstützen können.

Ausmisten ist der erste Schritt
Bevor du dir überlegst, welchen Platz etwas bekommen soll, empfehle ich dir, radikal auszumisten. Der Ratschlag „Behalte nur, was dir Freude macht“ von Marie Kondo hilft dabei (und natürlich behältst du alles, was du von Gesetzes wegen aufzubewahren hast).

Klein anfangen
Nimm dir nicht vor, deine ganze Wohnung oder dein Haus samt Grundstück in einem Rutsch zu entrümpeln. Es handelt sich hierbei um einen monate- manchmal jahrelangen Prozess. Beginne mit einer Schublade oder einem Regal. Das genügt. Erfreue dich an dem Ergebnis.

Zuerst das Emotionslose
Wenn du zuerst dein Bücherregal oder Fotoalben ausmisten willst, wirst du schnell an deine Grenzen stoßen und alles behalten wollen. Beginne mit Dingen, an denen du emotional kaum hängst. Das können Küchenutensilien sein oder der Apothekenschrank. Besonders befriedigend ist es, den Kleiderschrank zu entrümpeln.

Feiere dich
Nach getaner Arbeit darfst du dir auf die Schulter klopfen und die neue Ordnung genießen. Es macht nichts, dass noch Arbeit zu tun ist. Du hast viel geschafft!

Sei großzügig und gütig zu dir
Du wirst immer mal wieder im Chaos versinken, das ist völlig normal. Insbesondere mit Kindern, während einer Trennung, bei Verlusten, bei Umzügen oder anderen besonderen Lebensereignissen spiegelt dein Haushalt dein Innenleben stark wider. Verhindere jeglichen negativen Gedanken. Unordnung ist keine Bestätigung deines Scheiterns, sondern lediglich ein Hinweis darauf, dass etwas in deinem Leben aus der Balance geraten ist. So ist das Leben manchmal! Wenn du magst und es machbar ist, feiere eine Art „Reinigungsritual“, indem du besonders gründlich saubermachst. Andernfalls sei gütig zu dir und lebe eine Zeit lang im Chaos. Du weißt ja, dass wieder andere Zeiten kommen.

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