Die meisten W-Fragen lassen sich ziemlich leicht beantworten. Die Frage nach dem WARUM ist aber oft eine Herausforderung.

Was ist dein „Warum“?

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Die W-Fragen

 

Nehmen wir mal den Beispielsatz:

 

Ich bin Schriftstellerin.

 

Was bist du?
Schriftstellerin. (Bloggerin. Chief Superhero Recruiter. Inspiration Seeker. Solopreneurin. Und so weiter)

 

Wer ist hier Schriftstellerin?
Na, ich!

 

Seit wann bist du Schriftstellerin?
Ich würde sagen, seit meinem Debütroman im August 2013. Das war für mich der Zeitpunkt, an dem ich gesagt habe: Ich bin (Hobby-)Schriftstellerin.

 

Wie bist du Schriftstellerin geworden?
Ich habe Ratgeber gelesen, meine Geschichte aufgeschrieben, sie hochgeladen und vertrieben.

 

Wo machst du das?
Dort, wo ich bin und meinen Laptop mit habe.

 

Die Sache mit dem „Warum“

 

Die schwierigste W-Frage ist: Warum?!

Warum bist du Schriftstellerin geworden?
Warum stehst du in aller Herrgottsfrühe auf oder gehst mitten in der Nacht schlafen, „nur“ um ein paar Seiten zu schreiben?
Warum verzichtest du auf deine Freizeit?
Warum quälst du dich durch die Überarbeitung, liest Theorien zum Thema und beschäftigst dich freiwillig mit Dingen wie Finanzplanung, Steuererklärungen oder BWL?

 

Gute Frage.

 

Neulich auf dem Blog von Markus Cerenak gab es einen Blogbang zu diesem Thema. Leider habe ich es zeitlich nicht geschafft, mich dem Thema so zu widmen, dass ich rechtzeitig fertigwerde, aber ich möchte meinen „Warum“-Artikel jetzt gerne nachreichen.

 

Stelle dich der Frage nach deinem Warum!

 

Die Frage nach dem „Warum“ zu beantworten, ist deshalb so schwierig, weil man sich mit sich selbst, seinen Wünschen, Bedürfnissen, Stärken und Schwächen auseinandersetzen muss. Bei den anderen Fragen liegt die Antwort klar auf der Hand; beim WARUM ist das nicht der Fall.

 

Ohne die Antwort auf das Warum fehlt etwas in deinem Leben. Deine Beweggründe geben deinem Handeln erst einen Sinn.

 

Ich habe schon oft meine Gesprächspartner gefragt, warum sie z.B. in einem Job arbeiten, der ihnen keinen Spaß macht, oder warum sie sich nicht jetzt hinsetzen und ihren Traum umsetzen. Sehr, sehr oft folgt dann eine Ausrede oder ein Grund, der bei näherem Hinsehen nur für den Betroffenen Sinn macht.

 

Wenn du dich mit dem „Warum“ auseinandersetzt, musst du dich vor dir selbst rechtfertigen. Die Beantwortung dieser Frage ist höchst persönlich, subjektiv und für dich ganz privat.

Wenn du dich mit ihr beschäftigst, könnte es zur Folge haben, dass du dir eingestehen musst, Dinge zu tun, die du eigentlich gar nicht tun willst. Vielleichst weißt du gar nicht, warum du jeden Tag acht und mehr Stunden einer Arbeit nachgehst.
Vielleicht weißt du gar nicht, warum du schreiben willst.
Oder warum du vom Schreiben leben willst.

 

Wenn du für dich ganz persönlich diese wichtigste aller Fragen beantwortet hast, bist du ein großes Stück auf deinem Weg weitergekommen, egal, ob du vom Schreiben leben willst oder nicht. Für jeden Menschen ist die Frage nach dem Warum wichtig.

 

Wie ist das bei mir?

 

Natürlich möchte ich dir mit gutem Beispiel vorangehen.

Also: Warum das alles, verdammt noch mal?

 

Weil es meine Leidenschaft ist.
Ich habe schon immer gerne geschrieben, aber seit ich merke, dass das, was ich da verzapfe, gar nicht mal so schlecht ist, macht es noch viel mehr Spaß. Ich liebe es, mir Geschichten zu überlegen, Welten zu erschaffen, Konflikte zu schüren und wieder zu lösen. Es freut mich, wenn nicht nur die Figuren am Ende der Geschichte etwas gelernt haben, sondern auch ich selbst, und im Idealfall auch die Leserin/der Leser.

 

Weil ich es als meine Berufung sehe.
Beruf kommt von Berufung und ich fühle mich zum Schreiben berufen. Mir war das lange nicht klar, aber je mehr ich mich mit dem Thema „vom Schreiben leben“ beschäftige, umso klarer wird mein Ziel. Dinge, die ich mir vor zwei, drei Jahren noch nicht vorstellen konnte, werden plötzlich selbstverständlich. Ich möchte das tun, was mich erfüllt, und das ist das Schreiben.

 

Weil ich wachsen möchte.
Jedes Buch, das ich schreibe, soll besser werden als das vorhergegangene. Geschmäcker sind natürlich verschieden, weshalb es sicherlich Leserinnen gibt, die Buch A lieber mögen als Buch B oder C. Ich möchte aber für mich das Gefühl haben, in meinem Handwerk immer besser zu werden. Ich möchte morgen ein besserer Mensch sein als heute, und das Schreiben hilft mir bei der Persönlichkeitsentwicklung.

 

Weil ich dabei so wunderbare Menschen kennenlerne.
Ich habe es schon mal gesagt, aber ich möchte es gerne wiederholen: Ich habe durch das Schreiben meiner Bücher und auch durch diesen Blog so wunderbare, inspirierende Menschen kennengelernt! Ehrlich gesagt sogar mehr als in den Jahren, in denen ich bisher „normal“ gearbeitet habe. Ob es Leserinnen sind, andere Autoren oder meine Mitstreiter aus dem Bereich Lifestyle Design – sie alle geben mir so unheimlich viel und ich gebe ihnen gerne so viel ich kann zurück.

 

Weil ich die Welt damit ein kleines bisschen besser machen kann.
Mit einem belletristischen Roman kann ich die Welt kaum ändern. Aber ich schaffe es, wildfremden Menschen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern oder sie sogar zu Tränen zu rühren. Sie haben ein paar vergnügliche Lesestunden, weil ich ihnen diese Geschichte bereitet habe. Alleine dieser Grund würde ausreichen, um den ganzen Tag nichts anderes zu tun als zu schreiben!

 

Weil ich verschiedene Leben lebe und mich entfalten kann.
In jedem meiner Romane steckt meine Persönlichkeit. Wenn ich Geschichten schreibe, kann ich die wildesten Ritte unternehmen. Heute im tiefsten Winter vor dem Kamin in einer Villa, morgen unter wedelnden Palmen bei einer Sommerromanze, und das alles von meinem Wohnzimmer aus.

Durch das Schreiben kann ich vieles verbinden: Ich schreibe Belletristik, aber auch Sachtexte wie hier im Blog. Ich habe bereits für Modeblogs und Newsblogs geschrieben, verfasse Artikel für Jugendzeitschriften, kann mich schriftlich mit meinem Glauben auseinandersetzen und Menschen, die es interessiert, davon erzählen. Das Schreiben öffnet mir also diverse Türen und ich kann dem Interesse nachgehen, das gerade am stärksten bei mir ausgeprägt ist.

 

Weil es mehr Freiheit verspricht.
Frei zu sein und Zeit zu haben, das sind die neuen Zahlungsmittel unserer Gesellschaft. In unseren Berufen sind wir extrem eingeschränkt, und wer kann heute noch behaupten, Zeit zu haben, für Dinge, die ihm Spaß machen?
Ich will schreiben, weil ich mich dabei frei fühle. Ich manage meine Zeit so, dass ich sie mit dem füllen kann, was mich zufrieden macht. Und ich nehme mir die Freiheit, Prioritäten den Umständen anzupassen. Wenn ich also einen Tag lang nicht arbeiten will, weil mir einfach nicht danach ist, kann ich es ohne schlechtes Gewissen sein lassen.

 

Situationen, in denen „Warum?“ dich blockiert

 

Wir haben also festgestellt, dass die Frage nach dem Warum wichtig ist. Es gibt aber Situationen, in denen du deinen Schwerpunkt vom „Warum?“ auf das „Wie?“ verschieben solltest: bei der Problemlösung.

Angenommen, du hast einen Lektoratstermin gebucht, und alles ist zeitlich knapp geplant. Wenn dein Lektor in letzter Sekunde absagt, hast du zwei Möglichkeiten:

  1. du fragst nach dem „Warum“: Warum hat er abgesagt? Was kann so wichtig sein, dass er mich einfach fallen lässt? Warum habe ich mir nicht zur Sicherheit einen Backup-Lektor geholt? Warum immer ich?!
    oder
  2. du fragst nach dem „Wie“: Wie löse ich dieses Problem?

 

Ich brauche wohl nicht erwähnen, dass dich das „Warum“ in dieser Situation nicht weiterbringt. Wenn es darum geht, auftretende Probleme zu beseitigen, frage nach dem WIE und nicht nach dem Warum. Du kannst die Vergangenheit nicht ändern, also sind die Gründe zweitrangig. Wenn du dein Problem gelöst hast – und erst dann!!! – kannst du dich fragen, warum es dazu kommen konnte, um dieses Problem in Zukunft zu vermeiden (oder anders gesagt: Frage dich, WIE du dieses Problem zukünftig verhinderst).

 

Zusammenfassung

 

  • Für deine Motivation ist das WARUM essentiell
  • Das WARUM ist deine persönliche Angelegenheit
  • Beantworte dein WARUM, bevor du den Weg weitergehst
  • Bei Problemen, stelle dir die Frage nach dem WIE (wie löse ich das Problem?), statt nach dem Warum

 

Und? Was ist deine Antwort auf „Warum willst du vom Schreiben leben“, bzw. auf „Warum schreibst du?“ Du musst sie nicht hier beantworten (obwohl mich das sehr freuen würde!), aber du solltest dich ein Mal damit auseinandersetzen.