Fast immer, wenn ich mit Autorinnen und Autoren über das Thema Marketing spreche, ist mindestens eine Person dabei, die vehement behauptet: „Ich kann mich nicht vermarkten.“ Stimmt das? Woher weiß ich, ob ich mich vermarkten kann?

Das Problem mit der Definition

 

Vielleicht kennst du meine Leier schon, die ich immer wieder wiederhole, wenn es um das Thema Marketing geht:

Sich zu vermarkten heißt NICHT, dass du jedem, dem du begegnest, einen Flyer deines Buches in die Hand drückst, oder dass du in einem selbstgenähten Kostüm durch die Straßen rennst. Es heißt nicht, dass du dich zwingen sollst, jeden Tag 30 Minuten auf Facebook „Werbung zu machen“ und es heißt nicht, dass du dich verbiegen musst.

Marketing heißt schlicht und einfach, dass du deine Chancen erhöhst, von „Fremden“ gesehen zu werden und zwar so, wie du bist, ob online oder offline. Deshalb ist Online-Marketing auch nicht für jeden das passende Tool, denn nicht jeder hat einen guten Draht zum Internet. Wenn du Spaß an Kostümierungen hast, ist das definitiv eine Möglichkeit, aber es ist kein Allheilmittel für jeden.

 

Wie kann ich mich vermarkten?

 

Bevor du beginnst, Marketing zu betreiben (unabhängig davon, ob du einen Verlagsvertrag hast oder nicht), sorge dafür, dass du ein wirklich gutes Buch vorzuweisen hast. Du würdest dich von hier bis zum Mond ärgern, wenn dein Buch beispielsweise im Fernsehen vorgestellt wird (weil du glücklicherweise von einer passenden Redakteurin gesehen wirst) und du nur aus Geldmangel kein Lektorat hattest und dir selbst denkst, dass es nicht das beste Buch ist, das du hättest schreiben können.

Ohne ein wirklich gutes Buch kannst du dennoch erfolgreich sein – Beispiele dafür gibt es unzählige – aber du musst selbst zu 100% hinter dem stehen, was du „verkaufst“, worauf du aufmerksam machst. Je unsicherer du dir mit deinem Buch bist, je mehr Zweifel du hast, desto schlechter kannst du darauf aufmerksam machen, weil du innerlich eigentlich gar nicht willst, dass viele Menschen darauf aufmerksam werden.

Welche verschiedenen Marketingmöglichkeiten es gibt, kannst du an Hand einer Liste sehen, wenn du Newsletter-Empfänger bist. Von deiner eigenen Webseite (ggf. mit Blog), über bezahlte Anzeigen bis hin zu Lesungen, Social Media oder Leserunden ist alles dabei.

 

Um dich zu vermarkten: Sei du selbst.

Neulich habe ich schon darüber geschrieben, wie du dein Alleinstellungsmerkmal findest. Dazu gehört, dass du stets – online und offline – ganz du selbst bist und gerade das, was dich von anderen abhebt, betonst. Das kann ein extravagantes Hobby sein, eine besondere Haarfarbe, ein immerwährendes Accessoire oder auch eine Charaktereigenschaft. Der Alleinstellungsmerkmal-Artikel hilft dir.

 

Harte Arbeit, viel Geduld
– und sei anders.

 

Marketing kann man zum Glück lernen. Je selbstbewusster du bist, desto leichter wird es dir fallen, Leser um dich zu scharen. Das hat schon damit zu tun, wie du auftrittst: Wenn du von dir überzeugt bist, bist du souverän und wirkst sympathisch. Wenn du eher schüchtern bist, ein Mikrofon dir Angst einjagt und du kaum jemanden in die Augen blicken magst, dann kann es schwer sein, sich als Leser für dich zu interessieren. Damit möchte ich niemandem zu nahe treten (ich weiß auch, wie es ist, wenn man schüchtern ist, als Teenager war ich geradezu stumm!), aber es hilft dir auch nicht, die falsche Versprechungen zu machen: Bist du menschenscheu, wirst du länger brauchen, bis dein Marketing fruchtet. Außer, du findest genau die richtige Mischung aus Ansprache und Zurückhaltung, aus Intimität und Distanz, die die Menschen lieben. Die YouTuberin Zoella ist so ein Beispiel. Sie ist eine schüchterne junge Frau, die mehr als 11 Millionen Follower hat, weil sie so bodenständig, schüchtern und „menschlich“ ist. Sie ist 100%ig echt, in guten wie in schlechten Tagen. Diese Authentizität wird ihr hoch angerechnet.

Wie ich sagte: Sei du selbst.

Besser ist natürlich, wenn du dich dabei von anderen unterscheidest. Schüchterne Menschen gibt es überall – WER BIST DU? Wir wollen dich kennenlernen!

 

Nach wie vor: Professionalität!

 

Gleichzeitig möchte ich noch einmal betonen, dass alles Marketing nichts nützt, wenn du ein unzureichendes Produkt hast. Investiere in dein Schreibhandwerk (Schreibratgeber lesen, Workshops oder Onlinekurse machen), leiste dir ein Lektorat und ein Korrektorat, beauftrage einen professionellen Coverdesigner.

Lerne, wie du Marketing machst.

Tausche dich mit anderen Autoren aus und schaue, was die Leute machen, die du bewunderst. Frage dich immer: Wie kann ich das auf mich übertragen, ohne ihn oder sie nachzumachen?

Hab Geduld. Es kann mehrere Bücher dauern, ehe dein Durchbruch kommt.

Gib nicht auf.

Und wenn du nicht weiter weißt: Frage jemanden, der dir hilft. Entweder mich oder aber jemand anderen aus der Branche. Sich alleine durchzuschlagen, kann langfristig sehr frustrieren.

 

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg!