Kennst du die „Drei ???“? Ich gehe davon aus. Ivar Leon Menger hat eines der Drehbücher zu den Hörbüchern geschrieben. Ich freue mich sehr, dass er sich für ein Interview bereiterklärt hat.

Anmerkung: Aus Mangel an Zeit konnten leider nur die „Standardfragen“ beantwortet werden.

 

Ivar_Profilbild_SW-335x335Bitte stelle dich kurz vor. Wer bist du, was machst du, was schreibst du?

Hallo, mein Name ist Ivar Leon Menger. Ich bin Hörspielautor, Serienentwickler und Verleger.

 

Seit wann lebst du vom Schreiben? Wie kam es dazu?

Nach meinem Design-Studium in Hildesheim habe ich fünf Jahre lang als Texter in einer Frankfurter Werbeagentur gearbeitet. In dieser Zeit habe ich von meinem Chef, dem Creative Director Andreas Heinzel, gelernt, wie man Dialoge für Funkspots schreibt und Geschichten in 20 Sekunden erzählt.

 

Hattest du Ängste vor dem Schritt in die Selbstständigkeit?

Eigentlich hatte ich vor diesem Schritt gar keine Ängste, ich bin Sternzeichen Skorpion und liebe das Abenteuer. ☺ Der Sprung ins kalte Wasser ist doch immer angenehmer, wenn es dein eigener Pool ist. Also wenn du dich selbst für etwas entscheidest und das nicht jemand anderes für dich tut.

 

Gibt es Ängste, wenn du in die Zukunft blickst? Wenn ja, wie wirst du sie angehen?

Ach, die einzigen Ängste sind, eigentlich wie bei den meisten Autoren, finanzieller Natur. Kommt immer genug Geld rein, damit man weiter seine Geschichten entwickeln kann? Ansonsten sind Angst, Gefahr und Suspense ja schriftstellerisch genau mein Ding. ☺

 

Wie wird man überhaupt Hörspielautor? Ist es ähnlich wie die Verlagssuche bei Romanautoren?

Das kann ich leider nicht beurteilen, denn mein Weg zum Hörspiel war so nicht geplant. Ich hatte damals zuerst Filmdrehbücher geschrieben. Und damit die Filmproduzenten meinen Episoden-Thriller „Der Prinzessin“ nicht lesen mussten, habe ich das Skript damals zusammen mit meinem Freund Jan-David Rönfeldt einfach als Hörspiel produziert. Und Jens Wawrczeck, der Sprecher von Peter Shaw, der in unserem Hörspiel die Rolle eines fiesen Stalkers gespielt hatte, hat mich nach der Aufnahme freundlicherweise direkt bei Sony Music als Autor für „Die drei ???“ empfohlen. So kam ich zum Hörspiel.

 

Die Liste deiner Referenzen ist beeindruckend (Axel Springer Verlag, ProSieben, Bastei Lübbe, Sony/BMG etc). Hast du Tipps, wie man an solche Kontakte kommt?

Erst vor kurzem habe ich erkannt, was das weise Sprichwort „Der Weg ist das Ziel“ wirklich bedeutet. Wichtig ist nur, dass man seinem eigenen Weg treu bleibt und immer weiter geht. Dass man ein großes Ziel vor Augen hat und in kleinen Schritten darauf zu läuft. Und dabei den Weg genießt! Und nicht denkt, „erst wenn ich das Ziel erreicht habe, wird alles gut.“ Und dabei immer wachsam bleiben. Rechts und links schauen, welche Chancen einem das Leben bietet. Dazu gehört Mut und Ausdauer. Und dann kommt auch das Glück.

 

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei dir aus?

Viel Kaffee, viel Internet, viele Telefonate. ☺

 

Lebst du ausschließlich vom Verkauf deiner Hörspielskripte oder hast du weitere Einnahmequellen?

Ich verdiene mein Geld tatsächlich nur mit kreativer Arbeit. Als Autor, Verleger und Designer.

 

Was rätst du Schriftstellern, die sich mal im Bereich Hörspielskript probieren möchten?

Im Gegensatz zu Romanen kannst du bei Hörspielen die Geschichte nur über den Dialog nach vorne treiben. Und deshalb solltest du so schreiben, wie deine Mitmenschen wirklich sprechen. Der Dialog charakterisiert die Figuren. Menschen benutzen zum Beispiel im Gespräch keinen großen Wortschatz und wiederholen sich dabei gerne und benutzen oft die gleichen Wörter. Ein No-Go bei Romanen, ein „Auf-jeden-Fall“ bei Hörspielen.

 

Du wurdest mit tollen Preisen geehrt. Was für Tipps kannst du Schriftstellern geben, die ihren Schreibstil verbessern wollen und ebenfalls erfolgreich vom Schreiben leben möchten?

Es stimmt, ich habe zwar viele Preise gewonnen, aber dafür bekomme ich beim Bäcker leider keine Brötchen. ☺ Es ist verdammt schwer, vom Schreiben leben zu können. Man schätzt, dass in Deutschland nur weniger als 100 Autoren wirklich davon leben können. So geht es leider vielen Künstlern und Musikern. Deshalb sollte Geld verdienen nicht die Motivation fürs Schreiben sein. Sondern die Liebe zum Geschichtenerzählen.

 

Du hast 2009 den Verlag „Psychothriller GmbH“ gegründet. Was waren deine Beweggründe?

Ich hatte damals für Oliver Rohrbecks Hörspiellabel eine neue Thriller-Serie entwickelt, bei der sich die ersten drei Folgen nicht gut verkauft hatten. Das war „Darkside Park“. Oliver wollte die Hörbuchserie deshalb nicht weiter produzieren. Also habe ich das komplette Erbe meiner Großeltern aufs Spiel gesetzt, eine GmbH gegründet und alle 18 Folgen selbst produziert. Das Ergebnis: fünf Wochen Platz 1 in den iTunes-Charts und mehr als 50.000 Downloads. Da wusste ich, dass meine Entscheidung richtig gewesen sein musste … ☺

 

Was möchtest du in Bezug auf das Schreiben in den kommenden 12 Monaten erreichen?

Das ist eine gute Frage, denn so weit im voraus plane ich gar nicht. Da bin ich nicht der Typ für. Bei mir entstehen die Ideen aus dem Bauch heraus. Ich denke eher, was mache ich nächste Woche? Und mein Ziel dabei: immer spannende Geschichten zu erzählen. ☺

 

Danke für das Interview!