Katelyn Faith gehört zweifellos zu den erfolgreichsten Selfpublishern in Deutschland. Unter diversen Pseudonymen veröffentlicht sie Romane sowohl als Selfpublisherin als auch als Verlagsautorin. Unsichtbare Fesseln ist gerade beim rowohlt-Verlag erschienen und auch sonst kann sich ihre Bücherliste sehen lassen. Uns verrät die sympathische Autorin, wie sie zum Schreiben kam.

 

Katelyn

 

Bitte stelle dich kurz vor. Wer bist du, was machst du, was schreibst du?
Ich bin Alexandra Amber und schreibe unter verschiedenen Pseudonymen hauptsächlich erotische Liebesromane. Mein erfolgreichstes Pseudonym ist Katelyn Faith, deshalb veröffentliche ich seit 2013 auch quasi nur noch unter diesem Namen.

 

Lebst du vom Schreiben?
Im Moment ja. Ich bin zwar auch noch selbstständig (ich führe ein kleines Geschäft), aber der Großteil meiner Zeit geht seit einem Jahr für das Schreiben drauf. Das Geschäft hat eine sehr liebe Freundin übernommen und ich helfe nur noch ab und zu beim Einkauf, Marketing und so weiter.

 

Seit wann lebst du vom Schreiben?
Seit etwa einem Jahr. Anfang 2013 erschien mein Roman Gefährliche Verlockung
und verkaufte sich schon als eBook so gut, dass die Einkünfte vom Schreiben meine Einkünfte aus der Selbstständigkeit rasch überstiegen (na gut, mit einem kleinen Erotikgeschäft wird man nun auch nicht gerade reich, und vom Schreiben auch nicht, aber es würde inzwischen zum Leben reichen).

 
Welche Ängste hattest du vor diesem Schritt?
Eigentlich keine, denn den für mich wichtigsten Schritt in die Selbstständigkeit habe ich schon vor fünf Jahren getan. Damals kündigte ich zugunsten meiner Selbstständigkeit meine Festanstellung in der Marketingabteilung eines großen Mobilfunkunternehmens. Mehr Freiheit, mehr Selbstbestimmung, aber auch mehr Arbeit und mehr Eigenverantwortung. Ich mag das. Ich bin niemand, der sein ganzes Leben durchplant bis zur Rente. In der heutigen Zeit wird wohl kaum jemand sein Leben lang denselben Job machen. Alles ist in stetigem Wandel, man muss sich anpassen, immer weiter lernen, sich verändern … Im Moment lebe ich vom Schreiben, und das ist wirklich toll so. Wie lange ich das kann, wird sich zeigen. Vielleicht muss ich mir in fünf Jahren wieder was ganz Neues überlegen, wer weiß? Ich habe keine Angst davor.

 
Dann hattest du also keine Angst vor diesem Schritt?
Eigentlich nicht, weil ich ja sowieso schon selbstständig war. Selbstständigkeit bringt viele Freiheiten mit sich, aber eben auch größere Risiken. Es gibt kein festes Einkommen, keinen verantwortlichen Chef … Davor darf man keine Angst haben, sonst sollte man diesen Weg nicht wählen. Und natürlich hat mir bei all diesen Entscheidungen mein Mann geholfen, der mich immer unterstützt und darin bestärkt hat. Ob ich mich das alles als Einzelkämpferin so getraut hätte, kann ich nicht sagen.

 
Welche Schwierigkeiten musstest du anfangs überwinden?
Ich überwinde immer noch sehr viele Schwierigkeiten. Mein größtes Problem ist wahrscheinlich mein eigener Anspruch, den ich an mich habe und den ich nach wie vor nicht erfüllen kann. Ich schreibe ja noch nicht so furchtbar lange und habe bei jedem Satz das Gefühl, immer noch nicht gut genug zu sein. Allerdings weiß ich auch, dass man nur durch Übung besser wird, also mache ich genau das: weiter üben. So viel und so oft wie möglich schreiben, schreiben, schreiben. Und natürlich ganz viel lesen. Solange ich das Gefühl habe, mich zu verbessern, ist alles gut. Es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen, wie man so schön sagt.

 
Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei dir aus?
Typischen Alltag habe ich gar nicht, bei mir ist jeder Tag anders. Allerdings muss ich leider in aller Herrgottsfrühe aufstehen, weil meine Tochter noch zur Schule geht. Der Wecker klingelt also um halb sieben, vor acht bin ich aber weder physisch noch psychisch zu irgendwas zu gebrauchen. Deshalb verbringe ich diese Zeit am Morgen mit Kaffee (ganz, ganz viel Kaffee 🙂 ), E-Mails, Facebook und so weiter. Ab acht bin ich dann so langsam startklar, und meistens schreibe ich bis mittags, bis das Kind aus der Schule kommt. Dann gibt es Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und was sonst noch so anfällt (Haushalt zum Beispiel – wobei ich den meistens vor mir herschiebe, bis es nicht mehr geht …). Wenn ich Glück hab, und das habe ich oft, ist das Kind nachmittags verabredet oder hat Besuch. Dann habe ich noch ein paar Stunden Zeit und Ruhe zum Schreiben.

 

Es gibt aber auch Tage, an denen ich keinen einzigen Satz zustande bringe. Da lese ich dann (Schreibratgeber oder Sekundärliteratur, die ich zur Recherche brauche), überarbeite oder plotte schon mal eins meiner nächsten Projekte. Mein Gehirn hat nämlich leider die fatale Angewohnheit, mir ständig dazwischen zu pfuschen, wenn ich gerade an etwas arbeite. Mir fallen dann immer tausend Dinge ein, die leider so gar nicht in das aktuelle Skript passen. Und damit die nicht verloren gehen, nutze ich sie für andere Plots. Mein Ordner mit Ideen und angefangenen Skripten nimmt inzwischen mehr Platz auf meinem Rechner ein als meine Musiksammlung!

 
Lebst du ausschließlich vom Verkauf deiner Bücher oder hast du weitere Einnahmequellen?
Ich bin wie gesagt auch noch selbstständig, und zum Glück verheiratet … Leben könnte ich ja erst seit einem Jahr vom Schreiben, und wie lange das noch gut geht, weiß man ja auch nicht. Von daher beruhigt es mich (ich bin ja ein sicherheitsliebender Stier), dass das Schreiben nicht meine einzige Einnahmequelle ist.

 
Was rätst du Schriftstellern, die vom Schreiben leben möchten?
Neben ganz viel Fantasie, einem gewissen Talent und dem Erlernen des Handwerks benötigt man vor allem eins als Autor – Ehrgeiz, Durchhaltevermögen und Disziplin. Das braucht man vor allem dann dringend, wenn man vorhat, das Schreiben zum Beruf zu machen. Da gibt es dann keine Tage, an denen man Löcher in die Luft starrt und sich grämt, weil „die Muse“ nicht zu einem spricht. Schreiben ist dann harte Arbeit, und man muss schreiben. Täglich. Am besten eine festgelegte Mindestwortzahl. Egal, ob man Kopfweh hat, Sorgen um das Kind, sich mit dem Partner gezankt hat oder sonst was passiert ist. Man lernt es irgendwann, dass man immer schreiben „kann“, aber das hat bei mir ganz schön gedauert. Auf den kreativen Anflug einer Muse sollte man sich jedenfalls tunlichst nicht verlassen. Man muss seine Kreativität immer abrufen können, zu jeder Zeit und in jeder Situation. Erst dann kann man darauf bauen und versuchen, aus dem Hobby einen Beruf zu machen.
Ansonsten empfehle ich, sich nicht vorschnell ins Bockshorn jagen zu lassen. Absagen von Verlagen oder Agenturen sind doof, aber kein Grund, sich und das Schreiben gleich wieder aufzugeben. Sie bedeuten nur, dass man vielleicht noch nicht gut genug ist. Oder dass die Idee zum Buch einfach nicht kommerziell genug war, denn darauf achten Verlage und Agenten natürlich stark. Von Rückschlägen sollte man sich also nicht entmutigen lassen.

 

 
Was möchtest du in Bezug auf das Schreiben in den kommenden 12 Monaten erreichen?
Natürlich möchte ich irgendwann mal einen Booker Prize und den Literaturnobelpreis gewinnen und einen Oscar für das beste Drehbuch meiner Verfilmung bekommen …
Na guuut, okay – falls das alles nicht klappt, bin ich weiterhin glücklich über alle LeserInnen, die mir schreiben, dass ihnen meine Bücher gefallen haben. Dass ich ihnen ein bisschen Schlaf mopsen durfte oder sie womöglich sogar zum Nachdenken angeregt habe. Ihnen den Alltag versüßen konnte und kleine Fluchten ermöglicht habe, ohne die unser aller Leben doch nur halb so schön wäre. Dann bin ich glücklich und zufrieden, denn damit habe ich schon mehr erreicht, als ich mir je erträumt habe!

 

Katelyn im Internet

 

Internetseite: www.katelynfaith.de
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