oliver schoch

Vom Banker zum Autor: Oliver Schoch hat Krawatte und Sakko gegen Kaffee und Stift eingetauscht und lebt seit sechs Jahren als freiberuflicher Webredakteur. Was seine Vorbildung ihm dafür gebracht hat, verrät er in diesem Interview.

interview oliver schoch

Bitte stelle dich kurz vor. Wer bist du, was machst du, was schreibst du?

Mein Name ist Oliver Schoch, ich bin 42 Jahre alt und gelernter Bankkaufmann. Ich schreibe in erster Linie Fachartikel aus dem Finanzbereich, die zum größten Teil auf Webseiten veröffentlicht werden.

 

Seit wann lebst du vom Schreiben? Wie kam es dazu?

Vom Schreiben lebe ich mittlerweile seit rund sechs Jahren. Zuvor hatte ich begonnen, nebenbei über eine Texterplattform einige Artikel pro Woche zu verfassen. Da sich die Nachfrage immer weiter gesteigert hat, habe ich mich letztendlich dazu entschlossen, mich mit dem Erstellen von Texten selbstständig zu machen.

 

Welche Ängste hattest du vor diesem Schritt?

Meine Ängste waren die, die sicherlich fast jeden beschäftigen, der den Schritt in die Selbstständigkeit wagt. Konkret heißt das, dass ich mir in den Anfängen natürlich Sorgen darüber gemacht habe, ob es auch in den kommenden Wochen und Monaten genügend Aufträge geben wird.

 

Wie hast du die Ängste überwunden?

Ganz überwinden kann man diese Ängste glaube ich nie, jedoch habe ich mir nach einiger Zeit angewöhnt, positiv in die Zukunft zu schauen. Glücklicherweise hat sich der Erfolg bis heute gehalten, sodass die Zukunftsängste mit der Zeit nur noch im „Hintergrund“ vorhanden sind.

 

Also hast du keine Angst vor der Zukunft?

Mittlerweile ist es so, dass ich keine größeren Zukunftsängste mehr habe, was den Beruf angeht. Das Internet wird es auch im 20 Jahren noch geben genauso wie Webseiten, die gute Texte benötigen. Autoren/Texter dürften also einen Job mit guten Zukunftsaussichten haben. Inzwischen bin ich sogar der Auffassung, dass eine selbstständige Tätigkeit wie die meine sicherer als viele Angestelltenjob sein können, denn immerhin bin ich von keinem Chef und dessen Wohlwollen abhängig.

 

Wie schaffst du es, an neue Aufträge zu kommen, bzw. wie stellst du sicher, genug Einkommen zu haben?

Ich nutze mehrere Möglichkeiten, um an neue Aufträge zu gelangen. So bin ich beispielsweise nach wie vor auf einer Texterplattform tätig, auf der Auftraggeber und Autoren sich finden können. Darüber hinaus bin ich seit einiger Zeit sehr aktiv auf Facebook und nutzt dort verschiedene Textergruppen, wo Auftraggeber ihre Aufträge veröffentlichen. Auch Initiativbewerbungen bei SEO-Agenturen gehören sicherlich dazu, um sicherzustellen, dass auch zukünftig genügend Einkommen mit dem Schreiben erzielt werden kann.

 

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei dir aus?

Ein typischer Arbeitsalltag sieht bei mir so aus, dass sich meistens schon relativ früh morgens mit dem Schreiben beginne, da ich ohnehin ein Frühaufsteher bin :-). Im Gegensatz zum früheren Bürojob arbeite ich dann allerdings nie acht Stunden am Stück, sondern teile mir die Zeit deutlich „freier“ ein. Das heißt, dass ich zwischendurch viele größere Pausen mache, also in dem Sinne keine festgelegten Arbeitszeiten zu bestimmten Uhrzeiten habe.

 

Hast du weitere Einnahmequellen außer deinen Artikeln?

Nein, das Verfassen der Artikel ist meine einzige Einnahmequelle.

 

Hast du schon mal darüber nachgedacht, auch ein Buch zu veröffentlichen?

Ja, ich habe tatsächlich schon mehrmals darüber nachgedacht, ein gebundenes Buch oder auch ein E-Book zu veröffentlichen. Falls dies einmal konkret werden sollte, würde es sich dabei definitiv um ein Sachbuch aus dem Bereich Wirtschaft / Finanzen handeln. Bisher hat mich davon abgehalten, dass ich natürlich erst einmal sehr viel Zeit aufwenden müsste, ohne dass Einnahmen generiert werden können. Dies finde ich für mich persönlich bisher noch zu unsicher, zumal ich ohnehin mit den Artikeln sehr gut ausgelastet bin und keine ausreichenden, freien Kapazitäten habe, um zusätzlich ein Buch zu schreiben.

 

Was rätst du anderen Schreiberlingen, die vielleicht auch in Richtung Webredakteur gehen möchten?

Mein Rat an neue Texter lautet, sich – soweit es möglich ist – auf ein oder zwei Fachgebiete/Themengebiete zu konzentrieren. Ich zumindest habe festgestellt, dass Auftraggeber solche Texter relativ kritisch sehen, die in ihren Profilen oder anderweitig angeben, zu nahezu jedem Thema etwas schreiben zu können. Dies hat aus meiner Sicht immer etwas von „der kann vieles ein bisschen, aber nichts richtig“. Bei mir war es jedenfalls so, dass mir mein Fachwissen im Bereich Finanzen viele Türen geöffnet hat, was ohne einen Nachweis der Qualifikation (z.B. vorherige Tätigkeit in der Bank) sicherlich in dem Umfang nicht gegeben gewesen wäre.

 

Was möchtest du in Bezug auf das Schreiben in den kommenden 12 Monaten erreichen?

Was die kommenden zwölf Monate angeht, so würde es mir schon ausreichen, im gleichen Umfang und auf demselben Niveau wie es derzeit der Fall ist weiter zu schreiben. Ich denke, man muss sich nicht ständige neue Ziele in Form eines immer höheren Einkommens oder immer mehr Artikel zu schreiben setzen, sondern es ist genauso wichtig, neben der Arbeit auch genügend Ausgleich und Freizeit zu haben. Daher bin ich mit der Situation, wie sie derzeit ist, sehr zufrieden.