aufschieberitis

Ein Fremdwort, das sich mir ins Hirn gebrannt hat und mich nicht mehr loslässt, lautet: Prokrastination.

Pro|kras|ti|na|ti|on, die: Verhalten, unangenehme, jedoch notwendige Arbeiten und Entscheidungen aufzuschieben.

(Wiktionary)

Aufschieberitis, so heißt es umgangssprachlich und jeder von uns war bestimmt schon mindestens ein Mal davon betroffen. Erledigungen aufzuschieben ist einfacher, als sie durchzuführen. Passiv zu sein ist so viel leichter als aktiv zu sein!

Das heißt aber nicht, dass es besser ist.

aufschieberitis

Schiebst du auch häufig etwas vor dir her? Das Exposé vielleicht? Das neue Kapitel? Die Beantwortung einer kritisierenden E-Mail?

Hier ein paar Tipps, wie du der Aufschieberitis den Kampf ansagst!

Übe dich in Selbstbetrug

Oder freundlicher formuliert: Trainiere Autosuggestion. Das heißt nichts anderes als dass du dir selbst sagst: „Ich kann das. Ich schaffe das. Ich mache das jetzt.“ Wenn du dir selbst immer wieder positive Dinge sagst, sickern sie in dein Unterbewusstsein. Der erste Schritt, unliebsame Aufgaben anzugehen, ist also, sich bewusst zu machen, dass du sie schaffen kannst.

Priorisiere!

Es gibt wichtige und unwichtige Aufgaben. Gleichzeitig können die Aufgaben aber auch dringend und nicht dringend sein:

wichtig_dringend

Wenn du überlegst, welche Aufgaben du erledigen möchtest, solltest du zwischen „wichtigen, aber nicht dringenden“ und „wichtigen und dringenden“ Aufgaben unterscheiden. Wenn du nächste Woche deinen Lektoratstermin hast oder in vier Wochen veröffentlichen willst, ist die Aufgabe „Roman beenden“ wichtig und dringend („Kategorie A“-Aufgabe)

Wenn du gerade erst deinen neuen Roman herausgebracht hast und ein paar Zeilen zu deinem neuen schreibst, ist die Aufgabe wichtig, aber nicht dringend, weil du noch ein paar Wochen Zeit hast.

Ich spreche jetzt für Kaffeeliebhaber: Morgens einen Kaffee zu trinken, ist für Menschen wie mich dringend. Es ist in echt aber nicht wichtig. Ich könnte auch darauf verzichten („Kategorie B.1“). Teetrinker finden diesen Punkt unwichtig UND nicht dringend („Kategorie C“)

Wenn gestern die Rechnung deines Lektors ins Postfach geflattert kam, ist das sehr wichtig. Du hast allerdings noch zwei Wochen Zeit, bis du sie bezahlen musst, deshalb ist die Aufgabe heute wichtig, aber nicht dringend („Kategorie B.2“) In 13 Tagen ist diese Aufgabe allerdings wichtig UND dringend („Kategorie A“).

Fernsehen hingegen ist fast immer unwichtig und nicht dringend („Kategorie C“), außer, du schaust zum Beispiel eine Dokumentation aus Recherchegründen.

Ich hoffe, du verstehst, worauf ich hinauswill. Es ist ein guter Schritt, sich aller Aufgaben bewusst zu sein, die du erledigen musst. Besser ist aber noch, diese Aufgaben in sich nach Priorität zu ordnen.

Halte dein Ziel schriftlich fest

Wenn du dir vornimmst, heute 5 Mails zu beantworten, das Kapitel deines neuen Buches zu Ende zu schreiben und joggen zu gehen, weil heute ja gerade zufällig ein schöner Tag ist, ist das zwar ein Anfang. Leichter umsetzbar ist es aber, wenn du dir diese Liste wirklich aufschreibst. Dabei merkst du dann gleich, ob deine Ziele für den Tag realistisch sind. Wenn die Aufgaben schriftlich vor dir liegen, haben sie eine ganz andere Dringlichkeit für dich, als wenn sie nur in deinem Kopf schwirren.

Plane Zeit zum Aufschieben ein

Wenn du aufschreibst, welche Dinge du heute erreichen willst, plane auch Zeit zum Trödeln ein. Versuche, nicht jede freie Minute mit einer Aufgabe zu beladen, sondern gönne dir immer mal ein paar Minuten zum Trödeln. Super geeignet  dafür ist die Pomodoro-Technik, bei der du 25 Minuten lang an einer Aufgabe arbeitest und dann 5 bis 10 Minuten lang trödeln kannst. So hast du das Gefühl, gearbeitet zu haben, und trotzdem bist du nicht total ausgelaugt.

Etabliere eine Routine

Gehörst du zu den Schriftstellern, die immer schreiben, wenn sich gerade ein Zeitfenster auftut? Wenn es jetzt nicht gerade November ist und du im NaNo-Fieber bist, dann würde ich dir vorschlagen, diese Angewohnheit zu ändern. Statt auf eine Gelegenheit zu warten, solltest du dir Gelegenheiten schaffen. Ich habe mir beispielsweise angewöhnt, morgens nicht mehr als erste Aktion bei Facebook nachzusehen, was für Nachrichten oder Benachrichtigungen auf mich warten, sondern stattdessen ein paar Zeilen in meinem Projekt zu schreiben. So ersetze ich eine Kategorie-C-Aufgabe mit einer Kategorie-A-Aufgabe.

Mit WordWars gegen Schreibfrust

Ich gebe es offen zu: Manchmal habe ich einfach keine Lust, zu schreiben. Wenn das mal so ist, zwinge ich mich nicht. Wenn es aber zwei, drei Tage hintereinander so ist und ich die Deadline schon sehen kann, suche ich mir Autorenkollegen und schreibe mit ihnen um die Wette. Wir setzen uns einen Zeitrahmen von 20 Minuten und geloben, in dieser Zeit durchgehend zu schreiben. Wer am Ende mehr Wörter zustande gebracht hat, gewinnt (wobei es natürlich eigentlich nicht um’s Gewinnen geht, sondern darum, sich überhaupt zum Schreiben aufzuraffen). Ich habe hierzu auch eine Facebookgruppe gegründet. Schau doch mal rein: WordWars bei Facebook. Ich bin immer wieder begeistert, welchen Motivationsschub diese Art von kleinen Kämpfen gibt!

Bekämpfe nicht nur die Symptome

Warum schiebst du Aufgabe X überhaupt vor dir her?

Hast du Angst vor ihrer Erledigung? Wieso?

Hast du keine Lust darauf?

Fühlst du dich ihr nicht gewachsen?

Für Prokrastination gibt es Gründe. Nicht immer liegen sie gleich auf der Hand. Warum hast du zum Beispiel keine Lust, dein Buch weiterzuschreiben? Ich kann nur für mich sprechen: Manchmal gibt es Phasen, in denen ich mein Manuskript doch nicht so toll finde. Selbstzweifel überkommen mich. „Ob die Leser die Geschichte mögen werden? Was, wenn es nur negative Kritik hagelt? Vielleicht sollte ich lieber eine andere Geschichte schreiben.“ So katapultiere ich mich in eine Negativspirale, die jegliche Kreativität lähmt und mich unfähig macht, mit Spaß zu schreiben.

Ich weiß nun, dass das bei mir nur eine Phase ist. Wenn ich merke, dass ich absolut keine Lust habe, mache ich eben etwas anderes, allerdings etwas Nützliches. Beispielsweise einen Blogpost schreiben 😉 Ersetze niemals Kategorie-A-Aufgaben durch schwächere B- oder C-Aufgaben.

Selbstbelohnung

Du hast eine doofe Aufgabe erledigt, statt sie aufzuschieben? Belohne dich dafür! Die Belohnung sollte Ansporn genug sein, die Aufgabe zu erledigen, aber trotzdem nicht übertrieben. Nur weil du Kapitel 17 überarbeitet hast, brauchst du nicht gleich einen Urlaub zu buchen. Es sollte aber etwas sein, worauf du dich freust. Du weißt selbst am besten, was dich glücklich macht. Ich beispielsweise belohne mich manchmal mit freier Zeit, einem guten Film oder einem neuen Buch (manchmal auch in Kombination miteinander).

Es hilft übrigens auch, sich die positiven Ergebnisse aufzuschreiben, die du dir von der Erledigung dieser Aufgabe erhoffst. Also zum Beispiel:

Kapitel 25 beenden –> Positive Folge: Neues Manuskript ist fertig, ich fühle mich gut.

Zielsetzungen bei großen Aufgaben

„Den neuen Roman schreiben“ ist eine Aufgabe, die nicht gerade an einem Tag erledigt werden kann. Ich plädiere deshalb dafür, deine Ziele in so kleine Teile zu zerlegen, dass du sie in Tagesziele umwandeln kannst. Statt „Roman weiterschreiben“ als Aufgabe aufzuschreiben, werde konkret: Kapitel 2 schreiben, Figurenentwicklung abschließen, Lektoratsvorschläge einarbeiten. Das Ziel muss so klein sein, dass du die Aufgabe in dem Zeitraum erledigen kannst, den du dir vornimmst! Meistens planen wir zu wenig Zeit ein. Verdopple deshalb die Zeit, die du denkst dafür zu brauchen.

Das Erfolgsjournal

Eine neue Sache, die ich selbst auch gerade bei mir eingeführt habe: Schreibe jeden Tag vor dem Schlafengehen (mindestens) eine Sache auf, die dir gelungen ist oder bei der du Erfolg hattest, beispielsweise also dass du X-tausend Wörter geschrieben hast oder endlich deine Einkommensteuererklärung abgegeben hast. Seine Erfolge schriftlich vor sich zu sehen, motiviert, weitere Erfolge anzustreben!

Fotos Copyright:
Urheber: „John Schulz“
Titel: „5/4/2010: To-Do-List“
Quelle: http://www.flickr.com/photos/29853404@N03/4579520419/

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