Welcher Schriftsteller, der sich mit der Theorie des Schreibens beschäftigt, hat noch nicht von der Heldenreise gehört? Ich glaube, keiner. Trotzdem möchte ich einen Überblick über diese Art der Plotgestaltug geben.

 

Die 12 Stufen einer Heldenreise

 

Die Heldenreise ist ein spezielles Konzept zur Strukturierung von Romanen, das in sehr vielen erfolgreichen Filmen und Büchern Anwendung findet.

Ich möchte die Heldenreise nur kurz skizzieren, um einen allgemeingültigen Überblick zu geben. Meine Empfehlung für weiterführende Informationen ist dieses PDF: Heldenreise nach Uwe Walter

Der Aufbau der Heldenreise nach dem Beispiel des Films „Troja“ findet ihr hier: Heldenreise in der Schreibwerkstatt

Nicht nur eine Geschichte kann zu einer Heldenreise werden. Jede einzelne Figur in dem Roman kann seine eigene Heldenreise erleben! Es können mehrere kleine Heldenreisen gemacht werden, die unter dem „großen Ganzen“ stehen. Und auch jeder Mensch kann in seinem privaten Leben so etwas wie eine Heldenreise erleben.

Einleitung

 

Die Heldenreise ist ein zwölfstufiges Konzept zur Entwicklung einer spannenden Handlung und einer interessanten Reifung der Figuren.

Ganz grob gesagt behandelt sie die Ausgangssituation, eine plötzliche Änderung, den Anstieg zum Spannungshöhepunkt ( = die schlimmsten Dinge treffen ein) und die endgültige Änderung zum Besseren. In den folgenden 12 Schritten werfen wir einen genaueren Blick darauf und ich verdeutliche es mit einem berühmten Beispiel (Harry Potter und der Stein der WeisenAchtung, ich spoilere dabei nicht nur das Buch, sondern auch die Folgebände!). Man kann die Stufen übrigens auch auf sich selbst übertragen, wie du gleich lesen wirst.

 

Stufe 1: „Die Alte Welt“ oder „Die Gewohnte Welt“

 

Zu Anfang muss der Leser erfahren, wie die Hauptfigur überhaupt lebt, wenn gerade nichts Bedrohliches über sie hereinbricht. Wie sieht der normale Tag im Leben des Helden aus? Nur, wenn man weiß, wie das Leben normalerweise aussieht, weiß man auch, wie schlimm ein Einschnitt ist.

Menschen, die jeden Tag zu neuen Abenteuern aufbrechen, sich vor nichts fürchten und schon eine oder mehrere Weltreisen hinter sich gebracht haben ohne Geld zu haben, werden vor einem Brief von der Bank nicht zittern. Ein hochverschuldeter, von Selbstzweifeln geplagter Mann, dessen einzige Spannung im Leben ist, morgens nicht zu viel Zucker in seinen Kaffee zu tun, wird von einem Brief der Bank vielleicht regelrecht erschüttert – und zwar noch bevor er ihn überhaupt geöffnet hat.

Außerdem muss irgendein Mangel erkennbar werden. In der gewohnten Welt läuft alles ohne Spannung ab, schon allein dadurch entsteht ein Mangel (nämlich der Mangel an Spannung, an Neuem, an Herausforderungen). Aber es können sich auch andere Mängel offenbaren: Mangel an Geld, Liebe, Anerkennung, Nahrung, Sicherheit… Schaut euch zum Beispiel die Maslowsche Bedürfnishierarchie an, um einen Eindruck möglicher Mängel zu bekommen.

 

Die Geschichte muss am allerspätesten Zeitpunkt einsteigen, und quasi den letzten Moment der gewohnten Welt zeigen, bevor etwas passiert. Bei meinem Roman „Auf die Freundschaft!“ bringt Heldin Claudia ihrem Mann Ken wie so oft das Essen auf die Arbeit – das war es. Dann beginnt schon Stufe 2. Stufe 1 kann nur wenige Zeilen oder Seiten lang sein.

 

Stufe 1 Bei Harry Potter:

 

Wir erfahren, dass der junge Harry bei seinen Pateneltern in einem Schrank unter der Treppe wohnt (kleiner Schreibtipp am Rande: Es ist empfehlenswert, anfangs auf Mitleid mit der Hauptfigur zu pochen, das hält den Leser bei der Stange), unbeliebt ist, von seinem Cousin gemobbt wird und ein nicht sehr angenehmes Leben hat. Daraus resultiert ein Mangel an Liebe, Anerkennung, Zuneigung, Eltern, Freunden, kurz: an einem angenehmen Leben.

 

Stufe 2: Ruf zum Abenteuer (Call to Adventure)

 

Jetzt passiert etwas! In Stufe 2 wird der Figur klar, dass sich etwas ändern kann. Meistens fällt irgendetwas vor und der Held wird aus seiner Alltagsroutine gerissen. In Romanen kann der Ruf zum Abenteuer ganz unverschleiert kommen (z. B. der Auftrag des Königs an den jungen Krieger, das Land zu retten), oder etwas versteckt (z. B. beim ersten Aufeinandertreffen der Heldin mit einem Draufgänger, den sie bewundert). Zum ersten Mal macht sich der Held darüber Gedanken, wie sein Leben aussehen könnte, wenn er etwas ändern würde.

 

Stufe 2 Bei Harry Potter

 

Bei Harry fängt es mit den Briefen an. Ein ziemlich offensichtlicher Ruf zum Abenteuer. Ohne zu wissen, was drinsteht – denn Harry kann die Briefe ja nie öffnen, weil sein Onkel sie immer wegnimmt – ahnt Harry, dass diese Briefe etwas Außergewöhnliches sind und seine gewohnte Welt dabei ist, aus den Fugen zu geraten. Der Ruf nach Abenteuer macht ihn neugierig.

 

Stufe 3: Die Verweigerung des Rufes

 

Menschen sind so gemütlich und sicherheitsliebend! Sobald sie das Abenteuer riechen, fallen ihnen hundert Gründe ein, warum sie es nicht eingehen sollten. Das ist völlig natürlich und nachvollziehbar: Der Held spürt, dass das Abenteuer eine große Veränderung mit sich bringen wird. Es wird neue Herausforderungen geben, die viel Energie fressen. Über allem steht meistens die Angst: Was, wenn ich versage? Wenn ich mein altes Leben aufgebe und das neue Abenteuer nicht bestehe, was passiert dann? Diese Unsicherheit lässt den Helden (und jeden normalen Menschen) zuerst zögern.

Ein weiterer Punkt: Auch die Mitmenschen finden Gründe, warum das Abenteuer nicht bestritten werden sollte. Der Held der Geschichte hat sich in seiner gewohnten Welt seiner Rolle angepasst. Man kann ihn einschätzen und er ist somit kalkulierbar. Sollte er sich auf ein Abenteuer einlassen, bricht er mit seiner Rolle und wird auch für seine Mitmenschen unkalkulierbar.

 

Stufe 3 Bei Harry Potter

 

Bei Harry Potter ist es vor allem Onkel Vernon, der den Ruf für Harry verweigert, indem er seine Briefe einbehält und alles tut, um ihnen zu entgehen (der agiert somit auch als Schwellenhüter, später mehr hierzu). Zuerst behält er den ersten Brief ein, anschließend kommen immer mehr Briefe. Er vernagelt den Postschlitz in der Tür, die Briefe kommen daraufhin durchs Fenster und den Kamin. Onkel Vernon nimmt seine Familie und fährt weg, doch die Briefe folgen ihm. Schließlich flüchten sie auf eine einsame kleine Insel, doch auch hier findet der „Ruf zum Abenteuer“ Harry.
Warum will Vernon nicht, dass Harry geht? Weil er Zauberer hasst. Harry wird zu einer Gefahr für ihn und seine Familie, wenn er diesen Zauberquatsch anfängt. Bereits ganz zu Anfang heißt es, Onkel Vernon hasse alles, was sonderbar ist. Außerdem würde sich wer weiß was ändern, wenn Harry darauf eingeht. Vernon fürchtet um sein sicheres Kleinstadtleben.

 

Stufe 4: Begegnung mit dem Mentor

 

Der Held ist in einer Zwickmühle: Er hört den Ruf zum Abenteuer, kann ihm aber nicht folgen, weil ihn gewisse Dinge (oder seine eigene Einstellung) hindern. An dieser Stelle kommt der Mentor, der dem Helden hilft, die richtige Entscheidung zu treffen, mit anderen Worten: das Abenteuer zu bestreiten. Der Mentor ist eine Figur, die die alte (gewohnte) Welt kennt und die neue ebenfalls. Er hat viel Erfahrung und einen großen Wissensschatz. Er handelt niemals eigennützig, sondern unterstützt den Helden selbstlos (beispielsweise Yoda, Gandalf, Dumbledore, Obi Wan Kenobi, …).

Es gibt auch falsche Mentoren. Sie wollen den Helden ebenfalls dazu verleiten, das Abenteuer einzugehen, verfolgen dabei aber eigene Interessen und es ist ihnen egal, was mit dem Helden passiert, solange ihre eigenen Ziele erreicht werden. Leider gibt es diese auch im wahren Leben.

 

Stufe 3 Bei Harry Potter

 

Hagrid der Mentor, zumindest im ersten Buch (betrachtet man Harrys Geschichte über alle sieben Bände, könnte man auch Dumbledore und Sirius als Mentor nennen). Hagrid erscheint Harry auf der einsamen Insel und überbringt ihm die Botschaft, dass er ein Zauberer ist. Er ermutigt Harry, nach Hogwarts zu gehen und ist ein selbstloser Mensch, dem allein Harrys Wohlergehen am Herzen liegt.

 

Stufe 5: Der erste Schritt / Überschreiten der ersten Schwelle

 

Diesen Schritt muss dein Held machen, um die Geschichte überhaupt interessant werden zu lassen, denn erst hier beginnt das Abenteuer. Im echten Leben ist es allerdings so, dass die meisten Menschen sich lieber in ihrer alten Welt mit allen Mängeln aufhalten, als das Risiko einzugehen, Sicherheiten aufzugeben.

In Stufe 5 macht der Held den entscheidenden Schritt und geht das Abenteuer an. In meinem ersten Roman ist das der Moment, in dem Hauptfigur Claudia ihr altes Leben verlässt und nach Deutschland zieht, um ihr neues Leben anzufangen. Vielleicht macht die Figur mit dem Liebhaber Schluss, oder gesteht seiner großen Liebe seine Gefühle. Oder der oben erwähnte junge Krieger sagt zu, die Welt zu retten oder legt einen Schwur ab. Auf jeden Fall ist Stufe 5 der erste Schritt, in dem der Held tatsächlich etwas Unwiderrufliches tut (also aktiv wird), um dem Abenteuer zuzusagen.

 

Stufe 5 Bei Harry Potter

 

Harry stimmt zu, nach Hogwarts zu gehen und verlässt zusammen mit Hagrid die Hütte auf dem Felsen, um in die Zaubererwelt zu ziehen.

Stufe 6: Feinde und Freunde der neuen Welt / Erste Probleme

 

Ab jetzt beginnt das Abenteuer so richtig! Die Entwicklung der Figur schreitet ab sofort in großen Schritten voran. Dein Held hat sich getraut, Risiken einzugehen und muss sich ab jetzt in der „neuen“ Welt zurechtfinden, die so ziemlich das Gegenteil der Gewohnten Welt ist.

Die Hauptfigur muss die neue Welt und ihre Regeln erst kennenlernen. Sie trifft auf neue Leute und schließt Freundschaften. Bei „Auf die Freundschaft!“ trifft Claudia auf Hannah, Karin und Maria (wobei Maria die einzige ist, die wirklich neu für Claudia ist), die sie bei ihrer Entwicklung begleiten. Aber natürlich gibt es auch neue Feinde: Neider, Bösewichte, Ex-Geliebte, und so weiter.

Der Held lernt, Gut und Böse auseinanderzuhalten. Jedoch gibt es auch Fallen: manche Freunde entpuppen sich als Feinde – manche Feinde hingegen als Freunde. Der Held wird mit seiner noch nicht abgelegten Angst konfrontiert. Hier zeigt sich auch, ob (ich korrigiere: dass) er bereit war, das Abenteuer zu bestreiten.

Im echten Leben kann es Rückschläge geben, denen man sich geschlagen gibt und woraufhin man in sein eigenes Leben zurückkehrt. Im Roman gibt es das nicht, denn das wäre sehr unspektakulär. Mit der Angst vor dem Versagen zu spielen, bringt wiederum Spannung, aber der Held sollte stets gerade so die Herausforderung meistern (auch wenn er anfangs keinen Ausweg sieht). Die ersten Probleme tauchen auf und verstärken die Angst, die der Held hat (z.B. Ablehnung, Versagen).

 

Stufe 6 Bei Harry Potter

 

Harry lernt im Zug nach Hogwarts schon die ersten (und wichtigsten) Personen kennen: Ron und Hermine, seine späteren Freunde, und Draco Malfoy, seinen Feind. Außerdem erzählt Ron Harry sehr viele Dinge über die Zaubererwelt, sodass Harry seine neue Welt kennenlernen kann (der Leser überdies natürlich auch).
Draco versucht Harry noch zu überreden, sich ihm anzuschließen, doch Harry erkennt zu diesem Zeitpunkt bereits, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört. Außerdem trifft er im Schloss auf McGonagall (gut) und Snape (keinen Kommentar).

Wie gesagt: Manche Feinde stellen sich auch als Freunde heraus. Irgendwann. Später mal.

 

Stufe 7: Vordringen in die tiefste Höhle / Die Erkenntnis

 

Dies ist schon die Stufe vor dem Höhepunkt. Bis hierher können in einem Roman schon einhundert und mehr Seiten vergangen sein. Der Held kennt die Regeln der neuen Welt schon ganz gut, Konflikte spitzen sich zu, die er löst und irgendwann kommt es zu der Situation, in dem ihm alles klar wird:
Der Mörder ist der Gärtner.
Der Freund hat die Heldin erneut betrogen.
Der Schatz war die ganze Zeit bei ihm.
Der Böse steht vor ihm.

 

Und so weiter. Der Held erkennt seinen Antagonisten, und zwar entweder in persona oder als inneren Konflikt. Der Antagonist ist ein negatives Spiegelbild des Helden: Ist der Held gut, dann ist der Antagonist schlecht. Hat der Held den Wunsch nach Liebe, spürt der Antagonist Lust auf Rache und Hass. Der Antagonist des Helden kann auch die Erkenntnis sein, nicht beziehungsfähig zu sein, oder dass er ein Arschloch ist und niemals richtige Freunde haben wird (oder schlimmer: die einzig wahren Freunde verprellt hat). Es muss also nicht immer eine richtige Figur sein.

Es wird dem Helden klar, dass es von nun an schmutzig wird. Die tiefsten Abgründe werden sich auftun, die größte Angst wird erfüllt werden und es gibt kein Zurück (hier bitte dramatische Musik vorstellen).

 

Stufe 7 bei Harry Potter

 

Bei Harry Potter in Band 1 ist Stufe 7 der Moment, in dem Harry erkennt, dass Voldemort am Hinterkopf von Quirrel klebt (eine überaus deutliche Stufe 7, oder?).

 

Stufe 8: Der Entscheidungskampf

 

Dieser Kampf kann sowohl wörtlich verstanden werden (gerade z. B. bei Fantasyromanen) oder als innerer Kampf gesehen werden. Je verletzter der Held vorher war, desto stärker wird er aus dieser Situation hervorgehen.

Der Entscheidungskampf ist die Situation, die (zum zweiten Mal 😉 ) alles ändern wird, was vorher Bestand hatte. Es kann der Streit mit dem Partner des Helden sein, aber auch ein echter Kampf auf Leben und Tod. Es spitzen sich alle vorherigen Konflikte zu und kommt zum Showdown.

 

Stufe 9 bei Harry Potter

 

Stufe 9 ist der Kampf mit Voldemort (der ja noch in Quirrel wohnt) – wie in jedem der Bände eigentlich. Gleichzeitig passieren aber natürlich noch viele andere Dinge, die sich zuspitzen, zum Beispiel die Ungewissheit, wie es seinen Freunden geht.

 

Stufe 9: Belohnung nach der Schmach

 

Der Berg der Anfechtungen ist erstmal überwunden! Um es bildlich zu sagen: Der Held hat den Drachen besiegt, der den Schatz bewacht hat und nun darf der Held den Schatz in Empfang nehmen. Er strotzt vor Vitalität, fühlt sich unendlich gut und ist stolz auf seine Leistungen.

Interessant zu wissen: Viele Romane und Filme enden an dieser Stelle!

 

Stufe 9  bei Harry Potter

 

Harry erfährt mehr über seine Eltern, Snapes Vergangenheit und so weiter. Er hat Voldemort (vorerst) besiegt, seinen Freunden geht es gut und er ist stolz auf das, was er geleistet hat.

 

Stufe 10: Rückkehr in die Gewohnte Welt

 

Eine lange Reise liegt hinter dem Helden. Er hat Probleme bewältigt, ist über sich hinausgewachsen, hat sich verändert. Nun kehrt er zurück an den Ort, wo alles begann. Das ist mit neuen Ängsten verbunden („was denkt meine alte Umwelt von mir? Wie reagiere ich auf die alte Gewohnte Welt?“), mit Zweifeln und stellt für die Figur ein neues kleines Abenteuer dar.

Es muss nicht zwingend ein echter Ortswechsel sein. Auch wenn sich zwei Menschen nach einer Trennungsphase wiedersehen und es noch einmal miteinander versuchen, passiert das in Stufe 10: Sie haben eine innere Entwicklung durchgemacht, haben sich verändert und kehren nun als neue Menschen nochmal an den Punkt zurück, an dem sie aus der Alten/Gewohnten Welt ausgebrochen sind.

Es kann auch genau anders herum sein: Zwei Charaktere haben etwas erlebt und stellen nun fest, dass sie nicht mehr zusammen passen.

Entbehrliche Charaktere werden an dieser Stelle auch mal geopfert, gerne sogar die Mentoren. Dies ermöglicht dem Helden, von nun an auf eigenen Füßen zu stehen und alle Abenteuer in der Zukunft siegreich zu bestreiten (also ein großer Symbolcharakter … Dumbledore … *hüstel*)

 

Stufe 10 bei Harry Potter
(Spoiler hoch 3!)

 

Harry kehrt nach einem ersten aufregenden Jahr zu den Dursleys zurück, um dort die Sommerferien zu verbringen. Er lässt sich nicht mehr so unterdrücken wie noch im letzten Jahr, sondern ist gestärkt und erträgt die Gemeinheiten seiner Familie besser.

 

Der Tod von Dumbledore in Band 6 ist im Hinblick auf die Heldenreise über die ganze Serie übrigens genau hier gesetzt: Harry hat bis Band 6 eine große Entwicklung durchgemacht, einige Abenteuer bestritten, wurde aber immer von Dumbledore begleitet (der fungiert damit auch als Mentor – wenngleich diese These auch strittig ist, da Dumbledore nicht uneigennützig gehandelt hat, wie man in Band 7 erfährt). Dadurch, dass Dumbledore stirbt, ist Harry gezwungen, von nun an alleine Entscheidungen zu treffen.

 

Stufe 11: Endgültige Verwandlung

 

Durch die Konfrontation mit der Gewohnten Welt findet eine letzte Reinigung statt. Der Charakter erkennt, dass er nicht mehr in die Gewohnte Welt zurück will. Idealerweise hat sich die Figur so entwickelt, dass alle guten Eigenschaften, die sie schon immer ausgemacht haben, sich nun mit den gelernten Lektionen ergänzen. Die Figur widmet sich ganz der neuen Welt. Die Verwandlung zur „neuen Person“ ist abgeschlossen, alle schlechten Eigenschaften sind vergessen und es kommt zum Happy End.

 

Stufe 11 bei Harry Potter

 

Bei Harry Potter ist diese Stufe schon der Übergang zum Band 2 und vermischt sich mit Stufe 10. Harry kehrt zu den Dursleys zurück und hat seine anfänglichen Schwächen wie mangelndes Selbstbewusstsein abgelegt. Er ist zu einem wahren Zauberer geworden. In Band 2 kann er dann schon ein Stück weit als ein neuer Mensch nach Hogwarts gehen.

 

Stufe 12: Der Kreis schließt sich

 

Hach, das Happy End! In Stufe 12 wird das Ziel erreicht, das sich der Charakter in Stufe 1 so sehr gewünscht hat. Im Original spricht man hier von dem „Elixier“, das die Figur hat: Ein (Wissens-)Schatz, mit dem das Leben leichter wird. Ab jetzt beginnt für die Figur der erste Tag vom Rest seines Happy-End-Lebens. Und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er auch noch heute in vollkommener Freude, Zufriedenheit und Eintracht mit allen Lebenswesen. Amen.

 

Sutfe 12 bei Harry Potter

 

Bei Harry Potter gibt es in Band 1 keine Stufe 12, da der Roman dann keinen Folgeband haben könnte. Wenn man sich aber die Serie ansieht, ist Stufe 12 natürlich dann erreicht, wenn Voldemort für immer von der Bildfläche verschwunden ist und klar ist, dass in Zukunft ein Leben ohne Angst und Schrecken vorherrscht. Gut zu sehen ist dies im Epilog von Band 7. Hier wird klar: Alle Figuren haben ein Leben in Frieden und Glückseligkeit.

Nachwort

 

Gerade für das echte Leben gilt natürlich, dass es niemanden gibt, der ein Mal Stufe 12 erreicht und für immer und ewig glücklich ist. Früher oder später tauchen immer Mängel auf, die man zu beseitigen versucht, und es müssen ein Leben lang Abenteuer bestritten werden. Manchmal stürzt man sich selbst ins Abenteuer, ein anderes Mal wird man gezwungen und nicht immer verläuft ein Abenteuer so, dass man gestärkt aus den Prüfungen hervorgeht. Im Gegenteil.

Für die Gestaltung eines Plots ist es sehr hilfreich, sich an den Stufen zu orientieren, da sie Charakter der Figur und Handlung einander bedingen lassen. Selbstverständlich ist die Heldenreise kein geheimes Patentrezept, nach dem jede Geschichte ein Erfolg wird. Sie ist schlicht und einfach eine Möglichkeit, eine Geschichte aufzubauen.

Ich hoffe, ich konnte alles verständlich erklären. Der Übergang zwischen den Stufen ist meistens fließend. Manche Stufen dauern sehr lange, andere gehen schnell vorbei. Ich hoffe, mein kleiner Exkurs hat dir gefallen!

 

 

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