Wer auf der Suche nach Tipps erfolgreicher Autoren das Internet durchforstet, wird sehr viele Ratschläge erhalten. Manche sind sofort verständlich, für viele muss man aber nachhaken, um wirklich zu wissen, was gemeint ist.

Deshalb habe ich für dich mal 12 Zitate gesammelt, bei denen man als Anfänger auf den ersten Blick vielleicht nicht genau weiß, was damit gemeint sein könnte. Viel Spaß beim Lesen und Umsetzen!

 

„Der erste Entwurf ist immer scheiße.“

Ernest Hemingway

 

Ein sehr deutlicher Satz, der einen beim Schreiben schonmal ermutigen kann. Aber was meint Hemingway damit genau? Ist jeder Entwurf scheiße?

Gemessen an seinem Potenzial für die fertige Geschichte, ist der erste Entwurf immer der schlechteste.

Wenn du deinen Roman geschrieben hast, steht die Überarbeitung an. Der Entwurf ist genau das: Ein Entwurf, der verändert, verbessern, nachgeschliffen und umgeschrieben werden muss. Beim Überarbeiten fallen dir viele Dinge auf, die noch nicht optimal sind. Wenn du am Ende des Überarbeitungsprozesses dann das fertige Buch liest, wirst du erstaunt sein, was auf dem ersten Entwurf noch alles rausgeholt werden konnte.

Deshalb ist der erste Entwurf erst einmal Mist, aber den Mist müssen wir zu Gold verwandeln. Es ermutigt dich auch, beim Schreiben die Zähne zusammenzubeißen: Der erste Entwurf muss nicht gut sein, sondern einfach nur zu Papier gebracht werden. Um die Qualität machst du dir beim Überarbeiten Gedanken (natürlich sehen das nicht alle Autoren so, aber gerade diejenigen unter uns, die sich tage- oder wochenlang an einer Szene festbeißen, kann diese Sichtweise helfen!).

 

Es gibt drei Regeln, um einen Roman zu schreiben. Leider kennt sie niemand.

W. Somerset Maugham

 

Heißt: Jeder hat einen Tipp für dich, wenn du danach fragst. Nicht nur auf das Schreiben bezogen, gerade in anderen Bereichen wirst du manchmal von Ratschlägen überhäuft, die sich häufig sogar widersprechen.

Ratschläge sind nett gemeint und sehr oft auch hilfreich. Dennoch sind es einfach nur Vorschläge, keine Gesetze. Wenn jemand sagt: „Beginne immer mit den Figuren, nicht mit der Geschichte!“, dann wird das für ihn sicherlich der passende Weg sein, aber das ist natürlich nicht pauschal. Vielleicht gehörst du zu den Autoren, denen es viel leichter fällt, ein Buch über die Geschichte zu planen und die Figuren daran anzupassen.

Also: Höre dir Ratschläge, wenn du möchtest, gerne an, aber verlasse dich nicht auf sie, sondern schalte deinen eigenen Kopf ein. Wäge ab, welcher Vorschlag sich am ehesten mit deinen Werten deckt, und probiere ihn aus. Wenn es für dich nicht passt, dann probiere etwas anderes. Schlussendlich muss jeder für sich selbst herausfinden, wie er arbeiten möchte.

 

Wer keine Zeit zum Lesen hat, hat auch keine Zeit zum Schreiben.

Stephen King

 

Ich glaube, vielen Autoren mangelt es an Lesezeit. Gerade wenn man neben Beruf und Familie versucht, sich ein Standbein mit dem Schreiben aufzubauen, knapst man schonmal hier und da die Zeitfenster ab, die man früher zum Lesen hatte.

Aber warum meint Stephen King, dass ich weniger Zeit zum Schreiben habe, wenn ich weniger lese? Ist das nicht paradox?

Ich denke, der Hintergrund ist folgender (schreib mir gerne unten in den Kommentaren, ob du es anders siehst): Wer keine Romane liest, beschäftigt sich automatisch weniger mit dem praktischen Schreibhandwerk. Man kann noch so viele Ratgeber zum Thema lesen, es hilft alles nichts, wenn man die Theorie nicht anwenden kann. In guten Romanen siehst du, wie die Theorie, die du vielleicht kennst, angewendet wird. Du lernst neue Ausdrücke kennen, findest heraus, wie Szenen miteinander verwoben werden, kannst fetzige Dialoge in Aktion sehen und lernst ganz nebenbei, besser zu schreiben und dich gewählter auszudrücken.

Wenn du darauf verzichtest, musst du irgendwie anders lernen, die Theorie anzuwenden, was wiederum Zeit kostet. Idealerweise liest du viel und arbeitest mit Lektoren zusammen, die dir helfen, deinen eigenen Stil zu schärfen.

 

Schreibe das Buch, das du selbst gerne lesen würdest

Martin Amis (u.a.)

 

Bestimmt hast du selbst schonmal ein Buch gelesen und gedacht: Das kann ich auch! Oder sogar: „Das kann ich besser.“ Mir ging es schon oft so. Man ist vielleicht mit dem Ende der aktuellen Bettlektüre unzufrieden oder findet im Allgemeinen nicht das, wonach man eigentlich sucht.

Wenn du das schreibst, was du selbst unheimlich gerne als Leser lesen würdest, versetzt du dich automatisch in die Lage deiner Leser – ein wichtiger Punkt, um das Buch später verkaufen zu können. Wer nur für sich selbst schreibt, vergisst oft, dass nicht nur er selbst das Buch lesen soll.

 

Vergiss Genres. Konzentriere dich lieber darauf, eine eigene Stimme zu kreieren.

Sophie Kinsella

 

Ich habe schon sehr viele Exposés gesehen, in denen kein eindeutiges Genre angegeben war. Die Autoren drucksen dann häufig etwas herum: „Man kann das nicht so richtig in eine Schublade packen“, sagen sie. „Es ist ein Mix aus Genre A und B, ein bisschen C und am Ende etwas D.“

Wenn man nun den Tipp von „Shopaholic„*-Autorin Sophie Kinsella liest, könnte man meinen, Genres seien völlig egal.

Leider ist dem meiner Meinung nach nicht so. Gerade bei der späteren Vermarktung ist es wichtig, dass dein Leser weiß, worauf er sich einlässt, wenn er dein Buch kauft. Ist es eine romantische Komödie, ein klassischer Liebesroman, ein Heftroman oder ein Erotikroman? Alle vier behandeln das Thema Liebe, aber die Erwartungshaltungen unterscheiden sich doch erheblich zwischen den Genres.

Was meint die gute Sophie also?

Lege den Fokus auf deinen eigenen Stil. Es ist völlig in Ordnung, wenn du dich nicht sklavisch an irgendwelche Genre-Vorgaben hältst. Ein Liebesroman darf auch mal kein Happy End haben. Ein Thriller darf auch blutig sein. Ein Erotikroman darf anspruchsvoll geschrieben sein.

Wichtiger als darauf zu achten, welche Vorgaben das Genre macht, ist es tatsächlich, eine eigene Stimme zu entwickeln. Wie du das im Marketing schaffst, habe ich hier einmal aufgezeigt. Deine eigene Stimme als Autor entwickelst du am besten, indem du sehr viel liest, sehr viel schreibst und das Geschriebene mit Lektoren bearbeitest. Sie zeigen dir, was du besser machen kannst und helfen dir, deinen Stil zu formen.

Weitere Tipps folgen noch hier auf dem Blog.

 

Schreibe das Wort „verdammt“ jedes Mal, wenn du dazu neigst, „sehr“ zu schreiben. Dein Lektor wird es streichen und das Geschriebene wird genauso sein, wie es sein soll.

Mark Twain

 

Diesen Tipp habe ich anfangs nicht verstanden, bis mir klar wurde, dass viele Autoren sich nicht die Mühe machen, nach wirklich guten Wörtern zu suchen, wenn sie ihre Texte überarbeiten.

Ein Beispiel:

„Laura ging sehr lang die Treppe hinunter. Ihre Mutter hörte im Wohnzimmer nebenan irgendeinen „Lass mich dein Leben retten“-Podcast und würde sie gar nicht wahrnehmen, wenn Laura sich aus dem Haus stahl. Stufe für Stufe setzte sie sehr vorsichtig ihre Füße auf.“

Das Wort „sehr“ beschreibt ja eine Steigerung des Wortes, auf das es sich bezieht. „Sehr langsam gehen“ lässt sich prima durch „schleichen“ ersetzen (oder durch kriechen, schlurfen, …). Autoren, die zu häufig „sehr“ benutzen, denken meistens nicht darüber nach, wie sie sich besser ausdrücken könnten. Es würde dem Text sofort vom Schreibstil her helfen, wenn das „sehr“ hier durch bessere Wörter ersetzt wird.

Indem Mark Twain vorschlägt, „verdammt“ zu schreiben („Laura ging verdammt langsam die Treppe hinunter“), will er die Autoren darauf aufmerksam machen, wie häufig sie nicht darauf achten, ob das Wort, das sie schreiben, wirklich schon das beste für diesen Satz ist.

 

Die Hauptregel des Schreibens ist, dass, wenn du es mit genügend Sicherheit und Vertrauen tust, kannst du tun, was auch immer du magst.

Neil Gaiman

 

Lass mich dir ein offenes Geheimnis verraten: Jeder Schriftsteller zweifelt an seinem Text während er ihn schreibt. Ich habe noch nie von einem Autor gehört, dass er immer alles toll findet, was er schreibt. Im Gegenteil, es ist Teil des Jobs, weiterzumachen, obwohl man gerade das Gefühl hat, das schlechteste Buch der Welt zu schreiben.

Darauf spielt Neil Gaiman hier an: Vertraue in deine Fähigkeiten als Autor/in. Mit jedem Absatz, den du schreibst, arbeitest du an dir und deinen Fähigkeiten. Mit der Zeit und Erfahrung lernst du auch, gute von schlechten Passagen zu unterscheiden.

Dazu passt auch das beliebte Zitat von Hemingway:

 

Schreiben ist nichts Besonderes. Man setzt sich an die Schreibmaschine und blutet.

Ernest Hemingway

 

(Bei Hemingway muss ich übrigens jetzt immer an „Midnight in Paris„* denken, ich glaube, der läuft auf Netflix. Ein richtig toller Schriftsteller-Film 🙂 ).

Was meint Hemingway, wenn er vom Bluten spricht?

Einerseits heißt es, dass Schreiben wirklich harte Arbeit sein kann.

Klar, ehrlich gesagt muss es nicht immer so sein. Wenn ich vier Wochen Zeit habe, kann ich relativ schnell einen Liebesroman aus dem Ärmel schütteln, der zwar nicht im Feuilleton besprochen wird, aber einige Leserherzen erreichen wird. Natürlich ist das auch Arbeit, aber ich blute nicht dabei.

Anders ist es, wenn du den ernsthaften Vorsatz hast, das beste Buch zu schreiben, das du momentan im Stande zu verfassen bist. Mit diesem Anspruch überdenkst du häufig deine Figuren, den Plot und deinen Stil mehr als wenn du hobbymäßig schreibst oder aus Gewohnheit.

Wenn du beim Schreiben blutest, dann produzierst du wahre, ehrliche Texte, die sehr viel von deinem echten Stil beinhalten, den du gerade zu definieren dabei bist.

 

Du brauchst kein Notizbuch.

Stephen King

 

Einer der häufigsten Tipps, die man so liest, behaupten das Gegenteil: Die meisten empfehlen, immer ein Notizbuch bei sich zu tragen. Ich persönlich nutze dazu mein Handy. Warum sieht King das anders?

In einem Interview sagte Stephen King, dass Notizbücher überflüssig sind, weil die wirklich guten Ideen von selbst im Kopf bleiben.

Wir haben diese Theorie schon des Öfteren auf Twitter besprochen und Folgendes ist mir aufgefallen: Die meisten Autoren stimmen zu, dass gute Ideen im Kopf bleiben. Dennoch schreiben sie häufig Dinge auf, die ihnen plötzlich einfallen und die sie später garantiert vergessen, weil es um Trivia geht oder um komplexe Zusammenhänge, die man sich nicht so einfach merken kann.

Ich glaube, der Tipp, auf das Notizbuch zu verzichten, zielt auf das gleiche Problem ab wie der Tipp von Mark Twain, das Wort „sehr“ durch „verdammt“ zu ersetzen: Es beugt der Faulheit vor.

Wenn du einen neuen Roman plottest und alles aufschreibst, was dir in den Kopf kommt, kann es schwer sein, das wirklich Gute daran herauszufiltern. Man neigt dazu, über eine Idee nicht weiter nachzudenken, wenn sie erst einmal auf Papier gebannt ist.

Ich persönlich baue die Grundgerüste meiner Romane am liebsten im Kopf, während ich spazieren gehe. Zwar mache ich mir manchmal (allerdings wirklich selten) Notizen zu einzelnen Ideen, den Großteil des Romans (oder der Serie) entsteht aber ohne weitere Hilfsmittel. Tatsächlich habe ich dabei festgestellt, dass die guten Ideen automatisch immer präsent sind, wenn ich an den Roman denke. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass dieses System schlechten Ideen vorbeugt, denn sie bleiben tatsächlich nicht im Kopf.

Probier es einfach mal aus und teste für dich aus, ob vielleicht schlechte Ideen automatisch fernbleiben, weil du sie wieder vergisst.

 

9 Tipps erfolgreicher Autoren (und was sie bedeuten)

 

Welchen Tipps findest du am inspirierendsten?

Nicht alle Schreibtipps sind für alle Schriftsteller hilfreich. So verschieden, wie wir Menschen sind, sind auch unsere Bedürfnisse. Die einen brauchen mehr Unterstützung beim Handwerk, die anderen bei der Zeiteinteilung, die Dritten bei der Motivation, und so weiter.

Mich würde interessieren, welchen dieser Tipps du am besten oder inspirierendsten findest und welchen du selbst mal umsetzen möchtest.

Antworte einfach in den Kommentaren!