Wie soll das Kind denn nun heißen? Für manche Autoren stellt sich diese Frage gar nicht, weil sie schon vor dem ersten geschriebenen Wort wissen, wie das Buch später mal heißen soll (oder die Serie/Reihe). Für alle anderen: Hier ein paar Tipps.

Es gibt leider nicht DEN einen ultimativen Tipp, der garantiert einen Titel präsentiert, der im Kopf bleibt. Aber es gibt ein paar theoretische Ansätze, die ich dir heute vorstellen will. Vielleicht findest du so eine Anregung für dein aktuelles Projekt?

Wann ist ein Buchtitel „ideal“?

Bevor wir zu den einzelnen Punkten kommen, sollten wir natürlich erst einmal klären, wann wir denn von einem guten oder sogar idealen Buchtitel sprechen können.

Ein idealer Buchtitel bleibt im Kopf.
Er ist leicht merkbar, aber dennoch prägnant.

Ein idealer Buchtitel fällt auf.
Trotz der Einfachheit des Titels sollte er sich von anderen abheben.

Ein idealer Buchtitel passt zum Genre.
Es gilt, die Balance zwischen „so machen es alle“ und „ich mache was ganz anderes“ zu finden. Ein Drahtseilakt!

Ein idealer Buchtitel (er)weckt Emotionen oder Bilder.
Wenn dein Titel beim Leser ein Bild erzeugt, ist es wahrscheinlicher, dass er sich später an den Titel erinnert.

 

Nicht alle Theorien decken alle diese Punkte ab.

 

Im Folgenden gehen wir fünfzehn Wege durch, über die man an einen Buchtitel kommen kann. Dabei deckt nicht jeder Weg alle obigen Punkte ab – wenn es so wäre, hätte man eine einfache Formel, die man auf alles anwenden könnte. So ist das Leben aber leider nicht 😉 Also gilt es, mehrere Titel auszuprobieren und den zu nehmen, der am ehesten die Kriterien für einen idealen Buchtitel erfüllt.

Tipp:

Denk an den Titelschutz!

 

Bevor du dein Buch mit deinem idealen Titel veröffentlichst, stelle sicher, dass du diesen Titel überhaupt noch benutzen darfst. Bücher (bzw. Publikationen im Allgemeinen), die bereits unter diesem Titel erschienen sind, sind automatisch geschützt und du kannst sie nicht verwenden („Harry Potter und der Stein der Weisen“ wäre also keine sehr gute Wahl).

Wenn du deinen Titel bisher nicht gefunden hast (Amazon-Suche, Google-Suche, Verzeichnis lieferbarer Bücher), dann überprüfe es auch bei den gängigen Titelschutzseiten: Titelschutzanzeiger, Börsenblatt und Buchmarkt sind da die ersten Anlaufstellen.

Wenn dein Titel nirgends zu finden ist, ist er frei. Du kannst ihn bis zu 6 Monate schützen lassen (in dieser Zeit darf dann kein anderes Buch mit deinem angemeldeten Titel veröffentlicht werden). Die Kosten sind unterschiedlich hoch, ich zahle meistens um die 14 Euro.

Alles klar? Dann kann es jetzt ja losgehen.

Ach warte, noch ein Tipp zu Beginn: Ich gebe dir zu jedem der Wege ein paar Beispiele. Dreh den Spieß aber gerne mal um und suche bei Amazon nach Erfolgsautoren/-autorinnen und schaue dir ihre Titel an. Erkennst du ein Muster?

Da sich die meisten Prinzipien auch auf (Film-)Serien und Filme anwenden lassen, habe ich sie in anderer Farbe noch eingefügt.

12 Wege zu deinem neuen Buchtitel

 

1) Ein-Wort-Titel

Besonders prägnant, erfordern aber oft auch viel Nachdenken UND sind oft bereits verwendet worden (Stichwort Titelschutz). Achte darauf, dass der Leser etwas mit dem Wort anfangen kann oder dass es einen direkten Bezug zum Inhalt hat.

Wird häufig bei Thrillern genommen.

Beispiele:

  • „Verwesung“ (Simon Beckett)
  • „Verblendung“ (Stieg Larsson)
  • „Honig“ (Ian McEwan)
  • Outlander
  • NCIS
  • Suits

 

2) Inhaltsbezeichnung: Worum geht es?

Die einfachste Methode ist wohl, einfach zu sagen, wovon das Buch handelt. In der Regel ist das auch der erste Versuch, Neugierde zu wecken. Sehr viele Buchtitel sagen einfach genau das aus, was drin ist, und es funktioniert:

  • „Harry Potter und der Stein der Weisen“ (J. K. Rowling)
  • „Das Paket“ (Sebastian Fitzek)
  • „Meine geniale Freundin“ (Elena Ferrante)
  • „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg, und verschwand“ (Jonas Jonasson)
  • How I Met Your Mother

 

3) Alliterationen und Metaphern

Wenn ein Titel aus mehreren Worten besteht und alle mit dem gleichen Buchstaben beginnen, ist das eine Alliteration. Dieses Stilmittel wird häufig in Werbetexten angewendet (oder auch in Gedichten), um eine höhere Merkbarkeit zu erwirken.

Beispiele:

  • „Wunder wirken Wunder“ (Eckardt von Hirschhausen)
  • The Big Bang Theory (es geht in der Serie ja nicht um die Urknalltheorie, sondern um Nerds).
  • House of Cards

 

4) Eigentümliche Aussagen

Es gibt Bücher, bei denen liest man den Titel zweimal und denkt sich: „Hm?!“. Dieser Effekt hat zur Folge, dass man das Buch häufig in die Hand nimmt (oder anklickt), um zu erfahren, was es mit dem Titel auf sich hat.

Besonders bei Sachbüchern übrigens beliebt, um sie peppiger wirken zu lassen.

Beispiele:

  • „Am Arsch vorbei geht auch ein Weg“ (Alexandra Reinwarth)
  • „Ein ganzes halbes Jahr“ (Jojo Moyes)
  • „Und nebenan warten die Sterne“ (Lori Nelson Spielman)
  • „Die 4-Stunden-Woche“ (Timothy Ferriss)
  • „Traummänner und andere Hirngespinste“ (Annika Bühnemann 😉 )
  • „Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid“ (Fredrik Backman)
  • „Ich bin zu alt für diesen Scheiß“ (Julia MacDonnell)

 

5) Angabe der Orte, in denen das Buch spielt

Wenn du nicht preisgeben willst, was der Inhalt ist, dann könntest du auf den Ort eingehen.

Beispiele:

  • „Nachts an der Seine“ (Jojo Moyes)
  • „Im Schatten der goldenen Akazie“ (Christiane Lind)
  • „Schlaflos in Manhattan“ (Sarah Morgan)
  • „Herzklopfen auf Gansett Island“ (Marie Force)
  • „Im Wald“ (Nele Neuhaus)
  • „Downton Abbey“

6) Der Name der Hauptfigur(en)

Manchmal kann es sinnvoll sein, schlicht und ergreifend die Hauptfigur zum Buchtitel zu machen. Das ist natürlich besonders ratsam, wenn die Hauptfigur einen interessanten Namen hat (aber das ist keine Voraussetzung).

Nachteil: Zunächst bringt der Leser mit dem Namen nichts in Verbindung.
Vorteil: Wenn dein Buch beliebt ist, werden sich viele schnell den Buchtitel merken.

Aktuell (Ende 2016) findet diese Methode zumindest im deutschen Markt keinen riesigen Anklang.

Beispiele:

  • „Anna Karenina“ (Leo Tolstoi)
  • „Romeo und Julia“ (William Shakespeare)
  • „Hamlet“ (William Shakespeare)
  • „Dr. House“
  • Rizzoli & Isles

 

7) Titel mit der Hauptfigur und einer Beschreibung

Wenn der einzelne Figurenname vielleicht nicht genug aussagt, kannst du ihn auch im ganzen Satz verwenden. Eignet sich besonders gut für charaktergetriebene Serien.

Beispiele:

  • „Harry Potter und der Gefangene von Azkaban“ (J. K. Rowling)
  • „Die Abenteuer von Huckleberry Finn“ (Mark Twain)
  • „Eine Studie in Scharlachrot: Der erste Roman mit Sherlock Holmes“ (Arthur Conan Doyle)
  • „Ein Mann namens Ove“ (Fredrik Backman)
  • „Grey’s Anatomy“ (übrigens gleichzeitig ein Wortspiel auf „Gray’s Anatomy“, einen Klassiker in der Medizin)

 

8) Zusammengesetzte Substantive

Sehr häufig bei Liebesromanen und Thrillern sieht man zusammengesetzte Substantive, die ein neues Wort ergeben, das idealerweise genau zum Roman passt.

Sehr beliebte Herangehensweise.

Beispiele:

  • „Friesenklinik“ (Stefan Wollschläger)
  • „Blutkralle“ (Amber Auburn)
  • „Rabengold“ (Ellin Carsta)
  • „Himbeermond“ (Mella Dumont)
  • „Todesmärchen“ (Andreas Gruber)

 

9) Bilder entstehen lassen

Zumindest im Bereich der Liebesromane ist das eine der am häufigsten angewandten Methoden, um einen Titel zu kreieren: Einen Sinn ansprechen, ein Bild erzeugen, Sehnsucht wecken (oder Neugierde oder Angst, je nach Genre). Beliebt sind hier entweder kontrastreiche Begriffe („Stiller Schrei“) oder sehr angenehme, gut zusammenpassende Begriffe („Süße Küsse“).

Beispiele:

  • „Der Duft von Büchern und Kaffee“ (J. Vellguth)
  • „Wenn Liebe nach Pralinen schmeckt“ (Emily Bold)
  • „Der Duft von Nelken“ (Noa C. Walker)
  • „Barfuß im Sand“ (Hannah Siebern)
  • „Schokoküsse unterm Mistelzweig“ (Dana Summer & Loki Miller)
  • „Schmutzige Tränen“ (Ilona Bulazel)
  • The Walking Dead

 

10) Reizworte des Genres nutzen

Im Marketing-Jargon gibt es den Begriff „Trigger“, der sich vielleicht ganz gut mit dem deutschen „Reizwort“ übersetzen lässt, allerdings nicht in einem negativen Sinn.

Einfach gesagt: Wenn du Liebesromane schreibst und Wörter wie „Kuss“ (küssen) oder „Liebe“ integrierst, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass auch Leser, die deine Bücher bisher nicht kennen, alleine wegen dieses Wortes auf dein Buch klicken.

Wenn du diese Methode ausprobieren willst, sammle zunächst Begriffe, die zu deinem Genre passen und gerade „in“ sind. Für Liebesromane wäre das aktuell beispielsweise auch „Millionär“ (Milliardär), „Star“ (Superstar, Rockstar) oder „Bad Boy“ (Bastard, etc.).
Außerdem funktionieren Begriffspaare wie „für immer“, „für die Ewigkeit“, „Du“/“Wir“ und dergleichen gut.

Jetzt weißt du auch, wie der Titel „Küss mich, Superstar!“ entstanden ist.

Beispiele:

  • „Du. Für immer.“ (Emma Wagner)
  • „Immer nur du“ (Vivian Hall)
  • „Du & Ich, für immer“ (Sarah Stankewitz)
  • „Immer wieder du und ich“ (Juliet Ashton)
  • „So bitter die Schuld“ (Melisa Schwermer)
  • „Sehnsüchtig – verfallen“ (D. C. Odesza; weitere Titel der Reihe beginnen alle mit „Sehnsüchtig“)
  • „Außergewöhnlich verliebt“ (Sarah Saxx)
  • „Versehentlich verliebt“ (Adriana Popescu)
  • „Tod zwischen den Zeilen“ (Donna Leon)
  • „Cheerleader küsst man nicht“ (Poppy J. Anderson)
  • „Vom Milliardär gekauft: Dominanz und Unterwerfung“ (Lana Stone)

 

11) Englische Begriffe

Über den Sinn und Unsinn englischer Titel reden wir jetzt mal nicht. Fakt ist, dass sich englische Titel gut verkaufen, insbesondere im Erotik- und Liebesromanbereich (vielleicht, weil wir Leser im Alltag sowieso schon so viel mit englischen Begriffen bombardiert werden und deshalb gleich einen Zugang haben?)

Oft ist es so, dass Autoren einen knackigen englischen Titel voranstellen und dann etwas Deutsches als Untertitel wählen. Auch gern genommen: Eine Reihe oder Serie englisch benennen und die einzelnen Episoden/Teile dann deutsch.

Achte darauf, dass du dabei die korrekten Worte benutzt und sie kein „Fachenglisch“ sind, das der Leser erst nachschlagen muss. Oder, wie man im Marketing so schön lernt: KISS. Keep it simple, stupid.

Beispiele:

  • „Winter Love – Ein Arzt für alle Fälle“ (Lotte Römer; Trigger „Arzt“ ist auch noch drin)
  • „Strange Memories – Verhängnisvolle Entscheidung“ (Mia B. Meyers)
  • „Pulse of Passion – Sehnsucht nach dir“ (Philippa L. Andersson; mit Trigger „Sehnsucht“)
  • „Now and Forever: Ein Winter-Liebesroman“ (Kim Henry)
  • „Holding Tight“ (Lisa Grant)
  • „Love me like you hate me“ (Cassidy Davis)
  • „Blackout – Morgen ist es zu spät“ (Marc Elsberg)
  • „Girl On The Train“ (Paula Hawkins)
  • „Bittersweet Dominance“ (Mia Kingsley)
  • „Crossfire“ (Sylvia Day)

 

12) Adjektive zu Reizwörtern (oder als Reizwort)

Für unsere Krimi- und Thrillerautoren nehme ich diesen Weg zusätzlich zu Nummer 9 hinzu, weil es so häufig vorkommt. Mit Adjektiven werden bei Thrillern und Krimis häufig vorher neutrale Substantive zu Triggern. Nutze also bei dieser Herangehensweise Wörter wie „blutig“, „böse“ und so weiter.

Beispiele:

  • „Kaltblütig“ (Thomas Herzberg)
  • „Blutiges Erbe“ (Daniela Frenken)
  • „Schwarzer Skorpion“ (B. C. Schiller)
  • „Blutiger Schein“ (Ilona Bulazel)
  • „Gefährliche Tugend“ (L. J. Sellers)
  • „Blutige Fesseln“ (Karin Slaughter)
  • „Stille Tode“ (Eva Lirot)

 

Weitere Möglichkeiten für einen Buchtitel

Diese Liste ist natürlich nicht ausgeschöpft. Weitere Ideen wären, dass du eine Metapher verwendest („Club der roten Bänder“), kontrastreiche Bilder erstellst („Stumme Schreie“) oder Andeutungen machst („Das Schicksal ist ein mieser Verräter“). Diese Methoden überlappen jedoch mit den oben genannten, weshalb ich sie nicht extra aufzähle.

Wie findest du deine Titel?

Bist du bereits Autor/in und hast Bücher veröffentlicht? Dann würde ich gerne mal wissen, wie du deine Titel findest. Gehst du strategisch heran oder nach Bauchgefühl? Würdest du einen Titel nehmen, nur weil er gut in den Markt passt?

Ich bin gespannt auf deine Meinung.