Bei meiner kleinen Serie „Ein Buch veröffentlichen“ gebe ich euch einen Leitfaden an die Hand, wie man ein Buch veröffentlichen kann. Hier geht es zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3. Dieses Mal wird euch ein höchstes Maß an Selbstdisziplin abverlangt: Den ersten Entwurf reifen lassen.

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Du hast die magischen Worte geschrieben

 

Was für ein Wahnsinns-Gefühl, „Ende“ oder etwas Vergleichbares unter einen Text zu schreiben, nicht wahr? Wenn du bis hier her die drei Schritte befolgt hast, liegt tatsächlich dein erster Entwurf deines Buches vor dir. Du bist glücklich, dass du es geschafft hast, und stolz darauf. Und das zu Recht: Die wenigsten Menschen bringen ihre Geschichten tatsächlich zu Ende. Du hast einen sehr wichtigen Schritt hinter dich gebracht.

 

Hochladen und los?

 

Du solltest dein Manuskript jetzt auf keinen Fall verschicken oder irgendwo hochladen! Egal ob du Selfpublisher oder Verlagsautor sein willst.

Ernest Hemingway soll es gewesen sein, der gesagt hat:

 

Der erste Entwurf ist immer scheiße.

 

Wie recht er damit hat! Auch wenn du es jetzt noch nicht glauben willst, weil dein Manuskript wie ein frisch geborenes Baby friedlich in deinem Arm schlummert und doch das süßeste Baby auf der Welt ist – wenn du dir in ein paar Jahren die ersten Seiten durchliest, wirst du dich wundern.

 

Also: Nun ist Selbstdisziplin gefragt! Lege dein Manuskript zur Seite und öffne es mindestens eine Woche lang nicht. Besser wäre es sogar, wenn du es noch länger liegen lassen kannst. Vier Wochen oder acht Wochen wären ideal. Wenn du keinen Veröffentlichungsdruck hast, empfehle ich dir dringend, dir diese Zeit zu nehmen. In den vier (acht) Wochen hast du die Möglichkeit, dich über das Selfpublishing zu informieren, Coverentwürfen anzufertigen, bzw. anfertigen zu lassen oder ein Exposé vorzubereiten, solltest du deine Geschichte einem Verlag anbieten wollen. Du kannst auch mit der Werbung beginnen, dein Netzwerk weiter ausbauen und dich an eine neue Geschichte wagen. Hauptsache, du gewinnst möglichst viel Abstand zum Text.

 

Auf keinen Fall solltest du sofort mit einer Überarbeitung beginnen – du bist einfach noch viel zu tief in der Geschichte drin, als dass du Logikfehler oder seltsame Formulierungen aufspüren könntest. Wenn du einmal den Unterschied erlebt hast, wirst du mir zustimmen, dass man seinem eigenen Text gegenüber blind ist. Diese Blindheit gibt sich erst nach ein paar Wochen (obwohl sie nie ganz verschwindet…).

 

Nach der Reife folgt die Ernte

 

Ich empfehle, dir in der Zwischenzeit schonmal Gedanken zu einem neuen Projekt zu machen. Das lenkt ab, du fokussierst die Gedanken auf eine ganz neue Geschichte und bringst so den Abstand zwischen dich und dein Manuskript, den es zum Überarbeiten braucht.

 

Wenn die Zeit gekommen ist, kannst du dich dann wieder deinem Baby zuwenden. Es beginnt die erste Überarbeitung (Teil 5).