Akzeptanz hat viel mit Eigenverantwortung zu tun. Es heißt nicht, dass du die IST-Situation mögen sollst oder dass du hilflos aufgibst, weil „du ja eh nichts ändern kannst“ (das wäre Resignation, nicht Akzeptanz).

Akzeptiere, dass es auf die Frage „Warum ?“ keine Antwort gibt.

Es bedeutet, dass du lieber andere Umstände hättest und du siehst ein, dass wir Menschen nicht in der Lage sind, den Sinn hinter allen Vorgängen des Lebens zu begreifen.

Das Schöne ist: Wenn du eine nicht zu ändernde Situation einmal akzeptiert hast, entsteht in dir Frieden, obwohl sich rein äußerlich betrachtet nichts verändert hat.

Lass uns das an Hand eines Beispiels mit dem UMGANGsprinzip durchspielen:

Marie ist seit 10 Jahren mit Lars verheiratet. Seit der Geburt von Laura vor vier Jahren geht es rapide bergab in ihrer Ehe. Marie hat das Gefühl, dass Lars sie wenig unterstützt und einfach sein altes Leben weiterlebt, während sie ihr Leben komplett umgestellt hat.

Sie will, dass er sich ändert: Er soll erkennen, wenn sie Hilfe braucht, er soll sich um die Kleine kümmern, wie Marie es tut (in ihren Augen macht er es nicht gut genug) und er soll mehr im Haushalt mithelfen.

Eine Situation lässt sich nicht immer ändern. Schauen wir uns an, wie der IST-Zustand in Maries Kopf ist. Wenn wir diese Situation in das UMGANGsprinzip übertragen, könnte Folgendes dabei herauskommen:

Umstand: Lars ist, wie er immer war.

Meinung: Lars muss sich ändern, damit ich glücklicher bin!

Gefühl: Frustriert, wütend

Aktion: Streiten, Rumschreien, Vorwürfe

Nachwirkung: Probleme in der Ehe; ich bin unglücklich

Glücklich? Nein.

Wir sehen dabei, dass Marie den Glaubenssatz (die Meinung) hat, dass es Lars‘ Aufgabe ist, sie glücklich zu machen. Jedes Mal, wenn er etwas tut, das sie sich anders von ihm wünscht, triggert es diesen Gedanken („Wenn er anders wäre, wäre ich glücklicher“).

Maries schwierige Aufgabe ist nun, herauszufinden, was sie BEI SICH SELBST ändern kann, denn ein Grundsatz eines freien und wunderbaren Lebens lautet: Du darfst den anderen nicht ändern, aber du darfst dich selbst ändern.

Hier ist Maries Lösung:

U = Lars ist, wie er immer war.

M = Jeder von uns darf sein, wie er ist. Wir finden Kompromisse.

G = Ruhig

A = Ruhiges, konstruktives Gespräch über Wünsche und Kompromisse

N = Zufriedenere Ehe

G? Ja

In diesem Beispiel hat Marie als wahr angenommen, dass Lars seine eigenen Entscheidungen treffen darf. Er darf selbst bestimmen, wie er sich verhalten will. Sie darf ihre Wünsche äußern (er ebenso! Denn auch Lars ist frustriert, allerdings eher darüber, dass Marie sich so sehr geändert hat …).

Maries Aha-Moment war die Erkenntnis, dass jeder in dieser Ehe er selbst sein soll und dass sie ihre Liebe und Lebenszufriedenheit nicht davon abhängig machen will, ob Lars den Müll rausbringt oder wie er mit Laura umgeht. Gleichwohl möchte sie, dass die zu erledigenden Aufgaben zu mehr oder weniger gleichen Teilen aufgeteilt werden. Damit ist Lars einverstanden, denn auch er will Gleichberechtigung.

Marie sieht ein, dass Lars die Dinge nie so machen wird wie sie und sie weiß, dass sie hart daran arbeiten will, damit sie sich nicht darüber aufregt. Sie findet heraus, wo ihre Grenzen liegen – beispielsweise möchte sie nicht diejenige sein, die Laura jeden Abend ins Bett bringt, sondern sie wünscht sich, dass sie sich mit Lars abwechselt und dass derjenige, der am Abend „frei“ ist, parallel die Wohnung aufräumt, bis beide gemeinsam Feierabend haben.

Wird es weiterhin Konflikte geben? Selbstverständlich. Das Leben ist ein steter Wechsel aus Zufriedenheit und Wachstumspotenzial.

Diese Herangehensweise kannst du problemlos auf dein Leben übertragen. Welche Situation ist für dich ein Problem, das du schwer zu akzeptieren findest? Welcher Glaubenssatz lässt dich die Situation so bewerten (in vier Wochen sprechen wir hier ausführlich über Glaubenssätze)? Welche Gefühle löst das in dir aus und was tust du, wenn du in dieser Gefühlslage bist?

Wer die Sterne sehen will, muss zunächst die Nacht akzeptieren 

– Annika Bühnemann

Im Oktober biete ich für Newsletter-Empfänger*innen die kostenlose Möglichkeit an, ein halbstündiges Coaching hierzu mit mir zu vereinbaren. Wenn das für dich von Interesse ist, nutze den September, um deine Version des UMGANGsprinzips zu erstellen.

Schreibe dazu wie im obigen Beispiel zunächst die IST-Situation ins „U“. Das ist eine Szene in deinem Alltag, die sich nicht ändern lässt, also beispielsweise ein Verhalten eines Mitmenschen. Achte darauf, keine Wertung reinzubringen. „Meine Frau meckert, wenn ich schreiben will“ ist eine Wertung. „Meine Frau sagt, ich solle Zeit mit ihr verbringen, statt zu schreiben“ wäre eine neutrale Aussage ohne Wertung.

Ich bin gespannt, welche Erfahrungen du dabei machst und würde mich freuen, wenn du mir schreibst.

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