Du hast bis schon sehr viel Energie in dein Buch gesteckt. Du hast es geschrieben, überarbeitet, es (hoffentlich) korrigieren lassen, dich über erste Werbemaßnahmen informiert und bist schon ganz kribbelig, es hochzuladen (oder an Verlage/Agenturen zu schicken) und an Menschen zu verkaufen. Die bittere Wahrheit: 99 % der Menschen interessieren sich (noch) nicht dafür. Ich wünsche dir sehr, dass du schon jetzt ein paar „Fans“ hast, die sich auf dein Buch freuen, aber der Großteil deiner potenziellen Leser muss noch überzeugt werden. Ein Bestandteil dieser Überzeugung ist dein Klappentext.

Beim Kauf von Büchern gibt es aus Lesersicht (hauptsächlich) diese vier Kriterien:

  1. Habe ich bereits Vertrauen in den Autor und weiß, dass mich der Kauf glücklich machen wird?
  2. Spricht mich das Cover in Kombination mit dem Titel an?
  3. Bringt mich der (Klappen- und Verkaufs-)Text dazu, das Buch lesen zu wollen?
  4. Wird es von Dritten empfohlen?

Wenn es dann noch Zweifel gibt, ist die Leseprobe ausschlaggebend.

Dein Ziel ist es, den potenziellen Leser alle Fragen mit „Ja“ beantworten zu lassen (was natürlich bei einem Debüt nicht geht, aber die Fragen solltest du dir  bei jedem Buch stellen). Worauf kommt es also nun bei Klappentexten an?

Es geht immer um Gefühle

Egal, ob wir von Liebesromanen oder Krimis sprechen: Es geht beim Verkaufen immer um Gefühle. Was wir möchten, ist, den Lesenden das Gefühl zu geben, dass sie sich etwas Gutes tun, wenn sie unser Buch kaufen.  Dass sie eine gute Geschichte erwartet. Wichtig ist dabei Folgendes:

Das AIDA-Prinzip für Klappentexte

Diese Abkürzung kommt aus dem klassischen Marketing und steht für folgende Begriffe: 

A = Attention (Aufmerksamkeit erregen) 
= Interest (Interesse wecken) 
= Desire (Verlangen wecken) 
= Action (zu einer Handlung auffordern)

Immer, wenn du einen Verkaufstext erstellen willst – und der Klappentext des Buches gehört dazu – dann nimm dir ein leeres Dokument vor (beispielsweise in Word, Pages, Papyrus, Scrivener oder in einem TextEditor; natürlich geht auch ein leeres Blatt Papier auf deinem Schreibtisch) und schreibe zu jedem der Begriffe das auf, was dir im Zusammenhang mit deinem Buch einfällt, ohne zu kürzen oder wegzustreichen (das kommt später).

Überlege dir zu den folgenden Punkten, was auf dein Buch zutrifft.

A wie Aufmerksamkeit

Beginne deinen Klappentext mit etwas Ungewöhnlichem.

Häufig sind das paradoxe Sätze, Fragen, Hintergrundinformationen, Auszeichnungen des Autors/der Autorin oder Zitate. Manchmal wird auch die Grundidee des Romans skizziert.

Schauen wir uns Beispiele der derzeit aktuellen SPIEGEL-Bestsellerlisten an:

Über den Mut zum Leben und die Macht der Liebe. („Der Klang des Herzens“)

Sie haben den Glauben an ihr Glück verloren – doch gemeinsam lernen sie wieder zu träumen („Dream Again“)

Ein vermisstes Kind – ein verzweifelter Vater – ein Höllentrip von einem Psycho-Thriller! („Der Insasse“)

Täter oder Opfer? Ist der verschwundene YouTube-Star entführt worden, oder hat er zwei Menschen auf dem Gewissen? („Ostfriesenhölle“)

I wie Interesse

Der Inhalt wird in groben Zügen dargestellt. Oft endet er inhaltlich bereits beim ersten Drittel.

Kleine Anmerkung meinerseits: Kein noch so guter Verkaufstext kann eine schwache Geschichte glanzvoll darstellen, deshalb ist es wichtig, dass du zu diesem Zeitpunkt ein wirklich tolles Produkt hast. Dein Roman sollte spannend, witzig, gefühlvoll (oder was auch immer dem Genre entspricht) sein. Bevor du guten Gewissens deine Bücher verkaufst, musst du selbst davon überzeugt sein, dass du eine tolle Geschichte und ein tolles Buch kreiert hast (ziehe vielleicht den WOW-Kurs in Betracht, wenn du unsicher bist!) 

Es ist superknifflig, die passenden Worte für die Inhaltsangabe zu finden. Man will weder zu lang noch zu kurz sein, das Wichtigste sagen, ohne Wichtiges zu verraten und so das Lesevergnügen zu schmälern (wie bei mir unlängst geschehen, als ein Klappentext den Tod einer Figur verriet, der mir beim Lesen aber erst nach mehr als der Hälfte des Buches präsentiert wird).

Als Daumenregel gilt: Versuche, zwischen 100 und 150 Wörtern zu bleiben.

Hier wieder die Beispiele von oben, mit Wortanzahl:

Die Konzertgeigerin Isabel Delancey hat ihr erfülltes Leben immer für selbstverständlich genommen. Doch als ihr Mann plötzlich stirbt und sie mit einem Schuldenberg zurücklässt, sind sie und ihre beiden Kinder gezwungen, ihr komfortables Haus in London zu verkaufen und aufs Land zu ziehen. Das Anwesen, das Isabel überraschend von einem Großonkel geerbt hat, ist eine Ruine und schnell sind auch ihre letzten Ersparnisse aufgebraucht. In ihrer Verzweiflung nimmt Isabel gern die Hilfe ihres Nachbarn Matt an, ohne zu ahnen, dass dieser seine ganz eigenen Interessen verfolgt. Während um sie herum alles zusammenzubrechen droht, muss Isabel lernen, dem Klang ihres Herzens wieder zu vertrauen. (103 Wörter)

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Jude Livingston ist am Boden zerstört: Ihr großer Traum, als erfolgreiche Schauspielerin in L.A. durchzustarten, ist geplatzt. Ohne Job und ohne Geld bleibt ihr keine andere Wahl, als zu ihrem Bruder nach Woodshill zu ziehen – und damit auch in die WG ihres Ex-Freundes Blake Andrews. Schnell merkt Jude, dass aus dem humorvollen Jungen von damals ein gebrochener Mann geworden ist, der ihr die Trennung nie verziehen hat. Doch die Anziehungskraft zwischen ihnen ist heftiger als je zuvor. Und schon bald müssen sich Jude und Blake fragen, ob sie bereit sind, ihre Herzen erneut zu riskieren … (97 Wörter)

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Zwei entsetzliche Kindermorde hat er bereits gestanden und die Berliner Polizei zu den grausam entstellten Leichen geführt. Doch jetzt schweigt Guido T., der im Hochsicherheitstrakt der Psychiatrie einsitzt, auf Anraten seiner Anwältin. Die Polizei ist sicher: Er ist auch der Entführer des sechsjährigen Max, der seit drei Monaten spurlos verschwunden ist. Die Ermittler haben jedoch keine belastbaren Beweise, nur Indizien. Und ohne die Aussage des Häftlings werden Max‘ Eltern keine Gewissheit haben und niemals Abschied von ihrem Sohn nehmen können.
Drei Monate nach dem Verschwinden von Max macht ein Ermittler der Mord-Kommission dem verzweifelten Vater ein unglaubliches Angebot: Er schleust ihn in das psychiatrische Gefängnis-Krankenhaus ein, in dessen Hochsicherheitstrakt Guido T. eingesperrt ist. Als falscher Patient, ausgestattet mit einer fingierten Krankenakte. Damit er dem Kindermörder so nahe wie nur irgend möglich ist und ihn zu einem Geständnis zwingen kann. (139 Wörter)

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Bei einem Fahrradausflug auf Langeoog wird der junge Cosmo Schnell plötzlich ohnmächtig und stirbt kurz darauf in den Armen seiner Mutter. Sabine Schnell ist davon überzeugt, dass der beste Freund ihres Sohnes dafür verantwortlich ist. Beide waren You-Tube-Stars, hingen andauernd zusammen. Kurzerhand entführt sie den Jungen. Eine groß angelegte Suche startet, die Insel wird bis in die letzten Winkel durchsucht. Dann findet man eine Leiche – eine Frau. Und jetzt steht Ann Kathrin Klaasen vor der Frage: Sucht die Polizei eigentlich einen jugendlichen Täter oder einen verzweifelten jungen Mann? (88 Wörter)

 

D wie „Das will ich!“ (Verlangen/Desire)

Der Desire-Teil ist häufig im Inhaltstext an Hand eines Cliffhangers eingebaut – es ist der letzte Satz der Inhaltsangabe und soll neugierig machen, wie es weitergeht.

Manchmal verzichtet man auch darauf und setzt stattdessen Leserstimmen ein. Diese sollen dazu anregen, dass man Vertrauen aufbaut, denn wenn andere so begeistert waren, dann kann das Buch ja nicht schlecht sein, oder?! (Dieser Marketing-Kniff nennt sich „Social Proof“ und zielt auf den Herdentrieb des Menschen ab).

Probiere verschiedene Varianten: Was passiert Spannendes im ersten Drittel deines Buches? Auf welche Frage läuft alles hinaus? Wie kannst du Interesse schüren? Hast du vielleicht Leserstimmen, die helfen?

So haben es die Verlagsmitarbeiter oder AutorInnen von oben gemacht:

 

(Voriger Satz: Während um sie herum alles zusammenzubrechen droht, muss Isabel lernen, dem Klang ihres Herzens wieder zu vertrauen.) Denn man kann sich gegen das Glück entscheiden. Oder dafür.

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„Lache, weine und verliebe dich. Mona Kasten hat ein Buch geschrieben, das man nicht aus der Hand legen kann!“ ANNA TODD über BEGIN AGAIN
(Hast du das gemerkt? Hier wird eine Aussage über ein anderes Buch der Autorin getroffen, nämlich über den ersten Teil, während wir hier auf der Verkaufsseite von Teil 5 sind. Dieser Satz wurde reingenommen, weil Anna Todd eine erfolgreiche Autorin ist und es den Effekt von „Social Proof“ sogar nochmal verstärkt, denn wenn eine internationale Bestsellerautorin sich so positiv äußert, dann muss das Buch ja gut sein, oder? Den Wenigsten wird auffallen, dass die Aussage sich auf Band 1 bezieht.)

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Denn nichts ist schlimmer als die Ungewissheit.
Dachte er.
Bis er als Insasse die grausame Wahrheit erfährt …

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(„Ostfriesenhölle“ hat keinen Desire-Satz. Man könnte, wenn man gutmütig ist, den letzten Satz als solchen werten: Und jetzt steht Ann Kathrin Klaasen vor der Frage: Sucht die Polizei eigentlich einen jugendlichen Täter oder einen verzweifelten jungen Mann?)

A wie Aktion

In der Regel wird dieser Punkt der AIDA-Regel nicht im Text ausformuliert, sonst stünde überall: „Kaufe dieses Buch jetzt!“.
Auf einer klassischen Verkaufsseite ist der „Kaufen“-Button die Übersetzung des „Aktions“-Elementes von AIDA.
Für diesen Beitrag vernachlässigen wir diesen Punkt, da er in den meisten Klappentexten weggelassen wird.

In drei Schritten zum Klappentext

Du siehst also, wenn man eine Grundlage hat, an der man sich orientieren kann, ist das Schreiben eines Klappentextes nur noch halb so furchteinflößend. Folge einfach diesen drei Schritten:

  1. Finde einen aufmerkamkeitsheischenden Satz. Was könnte die LeserInnen packen?
  2. Fasse den Haupthandlungsstrang in max. 150 Wörtern zusammen. Wenn es hilft, konzentriere dich besonders auf das erste Drittel (Akt 1 bis Anfang Akt II, man kann aber auch mehr sagen – das ist eine Einzelfallentscheidung)
  3. Beende den Klappentext entweder mit einem Cliffhanger oder mit begeisterten Leserstimmen.

Und wie klingt das bei dir?

Jetzt würde mich natürlich sehr interessieren, wie dein Klappentext klingt. Falls du schon ein Buch im Verkauf hast, teile doch hier den Klappentext mit uns!

Ich mache mal den Anfang und teile hier mit euch den Klappentext meines Romantic-Comedy-Buches „Achtung: Braut!“:

Ein charmanter Roman über eine gestresste Braut und die Frage, ob Liebe sogar Hochzeitsplanungen überstehen kann.

Es soll der schönste Tag ihres Lebens werden, doch bei den Hochzeitsvorbereitungen von Emma und Daniel klappt nichts, wie es soll: die Schwiegereltern stellen sich quer, der Fotograf fällt aus und das Kleid passt nicht. Dabei will Emma, dass alles perfekt ist und steigert sich so in die Planung hinein, dass sie nicht nur ihre Traumhochzeit damit gefährdet …

„Emotional und voller Spaß.“
„Herrlich und einfach nur empfehlenswert.“
„Ein tolles Buch für Ehefrauen, Bräute und die, die es mal werden wollen.“

(Anmerkung: Der Verlag hat die Leserstimmen eingefügt, ich hätte an dieser Stelle gerne Quellen angegeben, aber ich weiß nicht, woher die Aussagen stammen …)

Und wie klingt das bei dir?

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