Kommaregeln ohne Kopfschmerzen

Vielleicht denkst du, es sei ein dröges und langweiliges Thema, sich über Rechtschreibung und Grammatik zu unterhalten. Aber im Gegenteil: Es ist wichtig, dass du als Autor weißt, wie man richtig schreibt!

Ich lerne ja immer wieder Menschen kennen, die der Meinung sind, sie bräuchten die deutsche Rechtschreibung nicht zu kennen, weil sie ja einen Korrektor oder Lektor beauftragen, der dafür verantwortlich ist, dass die Texte richtig geschrieben sind.

Na klar, als Tischler musst du ja auch nicht die verschiedenen Holzarten kennen, sondern nur mit dem Hammer draufhauen, oder?

Welcher Frisör muss schon ernsthaft drei Jahre lang lernen, wie man eine Schere benutzt?

(Achtung, falls du keine Ironie verstehst, könntest du denken, das war ernst gemeint.)

 

Schreiben IST ein Handwerk

Seltsamerweise wird bei handwerklichen Berufen davon ausgegangen, dass man gewisse Kniffe kennenlernen muss. Immerhin dauert eine Ausbildung im Handwerk zwei bis drei Jahre, man bekommt viel praktische Erfahrung und wenn man Glück hat, dann hat man sogar einen Meister, der einem die alten Tricks zeigt.

Auch Schreiben ist Handwerk, und nicht nur Kunst. Bei „Kunst“ denken viele Menschen gleich, dass es keine Regeln gibt und/oder dass man nichts lernen muss, um „Kunst zu machen“. „Je mehr Regeln man bricht, desto Kunst.“

Weit gefehlt.

Und wir sprechen hier auf dem Blog ja ehrlich gesagt noch nicht einmal von „echter Kunst“, also von hochliterarischen Werken. Wir sprechen hier von Mainstream-Literatur, die ein bisschen mehr will als bloße Unterhaltung.

 

Keine Kommafehler, keine Kopfschmerzen

Nun gehöre ich selbst zu der Spezies Mensch, die schon immer Gefallen an Rechtschreibregeln hatte und der es auch nie schwerfiel, sie umzusetzen. Wir haben die Kommaregeln in der Schule gelernt (neue Rechtschreibung), ich habe sie mir gemerkt – fertig.

Ich bekomme regelmäßig Kopfschmerzen, wenn ich sehe, wie manche Autoren z. B. auf Facebook ihre Beiträge schreiben – fernab jeder Rechtschreibregel. Ist doch klar, dass ich davon ausgehe, dass diese Autoren auch so viele Fehler in ihren Romanen haben, oder?

Lass uns also uns allen weniger Kopfschmerzen bereiten und gucken wir uns mal an, welche Kommaregeln es gibt.

 

Kommaregeln

Im Grunde gibt es nur ein paar Kommaregeln, die du dir aneignen solltest, und soooo schwer sind sie auch gar nicht.

 

Regel 1: Kommas bei Aufzählungen

 

Henry war ein gutaussehender, muskelbepackter Kerl.

 

Die beiden Adjektive „gutaussehend“ und „muskelbepackt“ werden durch ein Komma getrennt, weil sich beide auf das Subjekt „Kerl“ beziehen: Henry ist sowohl gutaussehend als auch muskelbepackt.

Achtung: Anders verhält es sich, wenn zu dem Subjekt ein feststehendes Adjektiv gehört, zum Beispiel „französischer Rotwein“ oder „amtliche Mitteilung“ (dabei tut man quasi so, als sei das ganze nur ein Wort: „Französischerrotwein“ sozusagen). Sollen diese Begriffe mit einem Adjektiv ergänzt werden, fehlt das Komma. Ebenso fehlt es, wenn ein Adverb ein Adjektiv beschreibt:

 

Henry entkorkte die Flasche. Es war ein bekannter französischer Rotwein.

Der Bote kam keuchend an Henrys Tür an. „Eine wichtige amtliche Mitteilung, Sir!“, stieß er hervor.

Interessiert betrachtete Henry die langen blauen Zöpfe des Mordopfers. (lang beschreibt hier die „blauen Zöpfe“).

 

Regel 2: Kommas bei Zusätzen und Einschüben

 

Wenn in einem Satz eine nähere Erläuterung zum vorherigen Satz kommt, wird er mit einem Komma getrennt. Das gilt auch für Einschübe in Hauptsätzen:

 

Henry deutete auf den Kollegen neben sich. „Das ist William Shepherd, der neue Leiter.

Oberinspektor Carlsen, ein Mann mittlerer Statur und eher unauffällig, klopfte zaghaft an Henrys Tür.

Er rauchte viel, vor allem morgens.

 

Interessant wird es, wenn ein Komma den Kontext verändert:

 

„Smith, mein Kollege, und ich sehen uns den Tatort alleine an“, sagte Henry. (= Henry und sein Kollege Smith gehen zu zweit zum Tatort)

„Smith, mein Kollege und ich sehen uns den Tatort alleine an“, bellte Henry. (= Henry, Smith und ein weiterer Kollege gehen zu dritt zum Tatort. Smith ist nicht unbedingt ein Kollege, sondern kann auch jemand anderes sein).

 

Regel 3) Kommas bei Wohnungs-, Datums- oder Literaturangaben

 

Langsam schlendernd spazierte Henry zu seiner Wohnung in Westminster, Caxton Street 9.

Er war erst vor kurzem von Mayfair, Bruton Place(,) nach Westminster gezogen.

„Wo ist Miss Baxter?“, fragte Henry.
„Weg. Die kommt erst Freitag, den 13. Oktober wieder.“

„Dazu zitiere ich aus Goethes Meisterwerk ,Faust‘, erster Akt, erste Szene“, sagte Emily.

 

Aber: Bei Gesetzesangaben fallen Kommas weg:

 

Henry kannte die Gesetze. Der §6 Absatz 2 war hier nicht anzuwenden, da konnte Emily noch so viel den Faust zitieren.

Regel 4) Kommas bei Bindewörtern

 

Bindewörter (Konjunktionen) dienen der Verbindung zweier Sätze. Sehr häufig entfällt das Komma bei Bindewörtern, da das Wort das Komma einfach ersetzt: „Ich bin hungrig und werde dich gleich verschlingen.“ (statt „Ich bin hungrig, ich werde dich gleich verschlingen.“)

Ein Komma steht bei so genannten entgegensetzenden Konjunktionen, die das Vorherige aushebeln wollen. Signalwörter hierfür sind aber, doch, jedoch, sondern:

 

„Ich würde Ihnen ja gerne glauben, aber Sie machen es mir schwer“, raunte Henry.

Zuerst wollte Henry Emily seinen Arm anbieten, doch dann überlegte er es sich anders.

Gleich morgen würde er diese Emily zu sich rufen, jedoch nicht vor dem Termin mit dem Chirurgen.

„Sie sind nicht frech, sondern unverschämt“, meinte Emily.

 

KEIN Komma kommt hingegen bei den anderen Bindewörtern, die Sätze positiv verbinden: und, wie (in der Bedeutung von „und“), sowie, sowohl … als auch, sowohl … wie, weder … noch, nicht … noch, oder (zB bei Aufzählungen), entweder … oder, beziehungsweise/respektive:

 

Er war traurig und wütend zugleich. Hier wie dort war kein Vorankommen in den Fällen. Emily sowie ihre Kollegin halfen ihm wenig. Sowohl er als auch sie hatten einfach zu wenig Zeit.

 

Vorsicht bei Nebensätzen! Wenn im nachgeschobenen Nebensatz ein Verb enthalten ist, kommt ein Komma:

 

Er fand das Beweismittel schneller als erwartet. (kein Komma, da nur ein Verb = finden)

 

ABER:

 

Er fand das Beweismittel schneller, als er erwartet hatte. (zwei Verben: finden und erwarten)

Regel 5) Kommas bei Partizipgruppen

 

Was sind Partizipgruppen? Jetzt wird es ein bisschen kompliziert, aber wir kriegen das schon hin.

Ein Partizip ist ein Mittelwort, das sowohl Eigenschaften von einem Verb als auch von einem Adjektiv hat:

  • laufend
  • singend
  • lachend
  • gefallen

 

Eine Partizipgruppe ist eine Gruppe aus Wörtern, die als Kern ein solches Partizip hat, das als Adjektiv verwendet wird:

  • die Buch lesende Schülerin
  • viel gelesene Romane

 

Ein Komma setzt man, wenn man einen Zusatz hat oder die Partizipgruppe durch ein Signalwort angekündigt wird:

 

Henry ging, fest in seinen Mantel gehüllt, durch die nassen Straßen. („fest in seinen Mantel gehüllt“ ist eine Partizipgruppe)

Emily machte sich Notizen, kopfschüttelnd.

Dann, endlich angekommen, suchten sie nach der passenden Hausnummer.

Emily trat ihm mit genau dieser Haltung, selbstsicher und überheblich, in den Weg.

 

Mehr Beispiele und Ausnahmen findest du hier.

 

Regel 6) Kommas bei Infinitivgruppen

 

Es geht bei diesen Beispielen um das schöne Zuwort „zu“. An vielen Stellen ist es optional, ob du ein Komma zum besseren Verständnis setzt, oder nicht:

 

Henry versuchte ins Haus zu gelangen und schlug das Fenster ein.

 

Oder:

 

Henry versuchte, ins Haus zu gelangen, und schlug das Fenster ein.

 

Beim zweiten Beispiel dient „ins Haus zu gelangen“ als Zusatz und kann mit Kommas abgetrennt werden.

 

Emily weigerte sich(,) seine Entschuldigung zu akzeptieren.

 

Signalworte, nach denen ein Komma notwendig ist, sind: als, anstatt, außer, ohne, statt, um.

 

Anscheinend hatte sie nichts Besseres zu tun, als in seinem Fall herumzuschnüffeln.

Anstatt sich um Ihre Angelegenheiten zu kümmern, mischen Sie sich ständig ein!“, rief Henry.

Henry blendete den Verdächtigen mit der Lampe. „Erzählen Sie uns alles, ohne zu lügen oder Dinge auszulassen.“

„Sie könnten mir ja auch helfen, statt immer nur zu meckern“, sagte Emily lässig.

„Sie wollen meine Hilfe doch nur, um sich bei Ihrem Vorgesetzten besser darzustellen“, entgegnete er.

 

KEIN Komma folgt bei diesen Wörtern: sein, haben, brauchen, pflegen, scheinen; im übertragenen Sinn auch: drohen, versprechen

 

„Die Spur ist ganz deutlich zu sehen“, sagte er und deutete auf die Reifenabdrücke.

„Sie haben mir gar nichts zu sagen!“, rief Emily.

Er brauchte sich nicht darum zu kümmern. Sicherlich hatte Emily schon alle angerufen.

Henry pflegte abends ein Bier zu trinken.

„Ihnen scheint aber heute eine dicke Laus über die Leber gelaufen zu sein“, meinte Emily grinsend.

Seine gute Laune drohte zu kippen.

Das versprach ein aufregender Fall zu werden.

 

 

Regel 7) Kommas bei zwei Hauptsätzen

 

Wenn du statt eines Punktes lieber zwei eigentlich voneinander unabhängige Sätze zusammenführen willst, kannst du das mit einem Komma tun:

Die Sonne senkte sich langsam hinab, der Wind nahm zu.

 

Regel 8) Kommas bei Nebensätzen

 

Dass-Konstruktionen haben so gut wie immer ein Komma:

 

Henry musste zugeben, dass Emilys Kündigung ihm naheging.

 

Eingeschobene Nebensätze werden immer mit Kommas abgetrennt:

Er hatte ihr für ihren letzten Tag Hortensien, das waren ihre Lieblingsblumen, gekauft.

(Solche Sätze werden übrigens gerne von Lektoren begradigt zu „Er hatte ihr Hortensien gekauft. Das waren ihre Lieblingsblumen“ oder „Er hatte ihr ihre Lieblingsblumen gekauft.“)

 

Ein „Kann-Komma“ (also ein optionales Komma) gibt es bei diesen so genannten mehrteiligen Fügungen:

  • angenommen[,] dass
  • ausgenommen[,] wenn
  • besonders[,] wenn
  • egal[,] ob
  • geschweige[,] dass
  • geschweige denn[,] dass
  • gleichviel[,] ob
  • je nachdem[,] ob

 

Wichtig ist vor allem, zu wissen, welchen Sinn der Satz ergeben soll:

 

Henry drohte ihr sofort, den Polizeichef zu informieren.

Henry drohte ihr, sofort den Polizeichef zu informieren.

 

Regel 9: Kommas bei Anreden, Ausrufen und Hervorhebungen

 

Wenn jemand direkt angesprochen wird, wird sein Name oder Titel mit einem Komma abgetrennt:

 

„Sie machen das immer falsch, Emily.“ Henry zog genervt die Augenbrauen zusammen.

„Ach ja, Herr Oberschlau? Sie wissen also, wie man die Datenbank ändert?“, fragte Emily ebenso genervt.

„Liebe Kollegin, wie man die Datenbank ändert, wusste ich bereits, bevor ich hier begonnen habe.“

„Hallo, Henry und Emily.“ Zaghaft klopfte der Praktikant an die Tür.

 

Auch Ausrufe wie „Herrje!“ und dergleichen oder Bemerkungen werden mit einem Komma abgetrennt:

 

„Ach, stellen Sie sich nicht so an“, feixte Emily.

„Igitt, das ist widerlich!“

„Ja, es ist nicht jedermanns Sache, in Exkrementen zu wühlen.“ Die Belustigung in ihrer Stimme nicht zu überhören.

 

Auch das klassische „Komm wir essen Opa“ bezieht sich auf genau diese Regel: „Komm“ ist ein Ausruf, „Opa“ die Anrede:

Komm, wir essen, Opa.

Nicht: Komm, wir essen Opa.

Außer, es handelt sich um eine kannibalistische Szene.

 

ABER: Offizielle Beinamen werden ohne Komma geschrieben: Karl der Große saß auf seinem Ross.

 

 

Das war es.

 

Es ist übrigens überhaupt nicht schlimm, wenn man mal einen Kommafehler macht oder wenn man sich nicht sicher ist, ob nun ein Komma gesetzt wird oder nicht. Meine Texte sind ja auch nicht frei von Fehlern. Ich empfehle dir aber, die Korrekturen deiner Dienstleister (normalerweise des Korrektors) nicht einfach alle zu übernehmen, sondern wirklich nachzuvollziehen, was er hier und dort geändert hat. Warum kommt an diese Stelle ein Komma, an der dort aber nicht? Frag nach!

Ehrlich gesagt, ist es wie in der Schule: Man schreibt etwas, das wird korrigiert, man sieht sich die Korrektur an, versucht sie zu verstehen (bekommt im Zweifelsfall Hilfe) und weiß es dann hoffentlich beim nächsten Mal besser.

 

Hier hat Ellen von Texpertin übrigens die häufigsten Kommafehler zusammengefasst. Erkennst du die Regeln wieder?

 

Und wenn du dich fit fühlst: Hier ist ein Kommatest, bei dem du deine Erkenntnisse testen lassen kannst 🙂

Lass mich dein Ergebnis in den Kommentaren wissen und erzähl mir mal, wie leicht oder schwer dir die Sache mit den Kommas fällt (du darfst auch noch immer „Kommata“ sagen 😉 ).