Geliebt und gehasst, empfohlen und verteufelt: Wer sich mit der KSK befasst, stößt auf viele Fragen, einige Antworten, unzählige Falschaussagen und manche guten Tipps. Fassen wir es mal zusammen.

Was ist die KSK?

Die Künstlersozialkasse – kurz KSK – ist eine Institution, die ins Leben gerufen wurde, um Künstlern und Publizisten eine Bezuschussung von Sozialversicherungsbeiträgen zu gewährleisten, damit sie (die häufig wenig Geld haben) einen ähnlichen Schutz genießen können wie Arbeitnehmer. Die KSK selbst ist keine Krankenkasse, sondern dient wie eine Stiftung dazu, Differenzbeträge zu zahlen. Wenn du als Künstler also 300 Euro an deine Krankenversicherung (zum Beispiel TK oder AOK) zahlen müsstest und ein KSK-Mitglied bist, zahlst du nur 150 und die KSK stockt den Betrag bis auf 300 Euro auf. Deine Krankenversicherung bekommt also von dir 150 Euro und von der KSK auch 150 Euro. Zu den genauen Zahlen kommen wir gleich.

 

Häufige Fragen

 

Was genau wird bezuschusst?

Die KSK unterstützt dich bei der Zahlung der Krankenversicherung und gesetzlichen Rente- und Pflegeversicherung und zwar zu 50 %.

Wer wird bezuschusst?

Generell förderungsfähig sind Künstler und Publizisten (und Schriftsteller gehören als Publizisten natürlich dazu). Die KSK nimmt allerdings selbstständig eine Einstufung vor und wägt ab, ob du als Künstler durchgehst oder nicht. Generell sind Künstler Freiberufler, das heißt, du kommst als Gewerbetreibender nur in die KSK, wenn dein Einkommen aus dem Gewerbe deutlich unter deinen Einnahmen aus der Freiberuflichkeit liegt (Beispiele kommen gleich). Die KSK entscheidet autonom, wen sie annimmt und wen nicht, darauf hast du leider kaum einen Einfluss.

Was sind die Voraussetzungen und wie kann ich mich anmelden?

Du füllst ein Formular aus und „bewirbst“ dich sozusagen. Förderungsfähig bist du, wenn du freiberuflich selbstständig bist (also nicht irgendwo angestellt, Ausnahmen weiter unten) und das auf Dauer ausgelegt ist (du also nicht nur für ein paar Monate selbstständig bist, sondern langfristig davon leben willst).

Muss ich mich unbedingt rentenversichern lassen?

Ja, denn es ist eine verpflichtende Versicherung. Außerdem wäre es kurzsichtig, sich nicht für’s Alter abzusichern (und nun Manege frei in den Kommentaren für eine Rentendiskussion!)

 

Wie viel musst du letztlich zahlen?

Das ist alles schön und gut, aber im Grunde willst du ja wissen, was dir eine Mitgliedschaft bei der Künstlersozialkasse bringt, richtig? Ich orientiere mich bei den Zahlen an den Informationen, die die KSK selbst mitgeteilt hat. Nagel mich aber nicht auf Heller und Pfennig darauf fest, schließlich bin ich kein KSK-Mitarbeiter 😉 Selber denken macht schlau.

Generell gilt als ganz normaler Angestellter:

18,7 %  werden normalerweise von deinem Bruttolohn für die gesetzliche Rentenversicherung abgezogen.
14,6 % werden normalerweise von deinem Bruttolohn für die gesetzliche Krankenversicherung abgezogen.
2,6 bzw. 2,35 % (ohne/mit Kindern) werden normalerweise von deinem Bruttolohn für die Pflegeversicherung abgezogen.

Da die KSK die Hälfte der Beiträge bezahlt, heißt das für dich als KSK-Mitglied also:

9,35 % deines Einkommens ist dein Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung
7,3 % deines Einkommens ist dein Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung (zuzüglich Sonderversicherungen wie Zahnersatz oder was auch immer du sonst noch abgeschlossen hast)
1,425 bzw. 1,175 % deines Einkommens ist dein Beitrag zur Pflegeversicherung (plus das, was du zusätzlich privat dafür aufbrinen willst

Und das Ganze jetzt mit Zahlen:

Nehmen wir mal an, du bist ein fescher Schreiberling, der mit seinen Büchern 10.000 Euro im Jahr verdient und keine Kinder hat.

9,35 % von 10.000 EUR sind 935 EUR Beitragshöhe für das ganze Jahr.
: 12 Monate = 77,91 EUR pro Monat für deine Rentenversicherung.

7,3 % von 10.000 EUR sind 730 EUR Beitragshöhe für das ganze Jahr.
: 12 Monate = 60,83 EUR pro Monat für deine Krankenversicherung (zuzüglich deiner sonstigen Extras wie Zahnersatzversicherung etc.)

1,425 % von 10.000 EUR sind 142,40 EUR Beitragshöhe fürs ganze Jahr.
: 12 Monate = 11,87 EUR
(wenn du Kinder hast: 1,175 % von 10.000 = 117,50 : 12 = 9,79 EUR pro Monat)

Insgesamt müsstest du bei einem Jahreseinkommen von 10.000 Euro also 150,61 EUR an Versicherungen bezahlen.

 

So weit zum Generellen.

 

„Und wenn ich weniger verdiene?“

Es gibt bei der KSK Mindestbeiträge, die zu zahlen sind, nämlich 71,60 EUR bzw. 70,42 EUR, aufgestückelt in:

  • 30,38 EUR Rentenversicherung
  • 34,49 EUR Krankenversicherung
  • 6,73 bzw. 5,55 EUR Pflegeversicherung (ohne/mit Kind)

 

Natürlich gibt es aus Höchstgrenzen, nämlich maximal 925,47 EUR (West, ohne Kind). Details:

  • 565,57 EUR (West) / 486,20 EUR (Ost) für die Rentenversicherung
  • 301,12 EUR für Krankenversicherung
  • 58,78 EUR (ohne Kind) / 48,46 EUR (mit Kind) für Pflegeversicherung

 

Dazu zitiere ich die KSK mal direkt:

Die Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung beläuft sich auf 72.600 € pro Jahr (West) bzw. 62.400,00 € (Ost), entsprechend 6.050,00 € monatlich (West) bzw. 5.200,00 € monatlich (Ost).
Die halbe Beitragsbemessungsgrenze beläuft sich auf 36.300,00 € pro Jahr (West) bzw. 31.200,00 € (Ost), ent- sprechend 3.025,00 € monatlich (West) bzw. 2.600,00 € monatlich (Ost).

Woher weiß ich, wie hoch mein Jahreseinkommen ist?

Die Berechnung der Beiträge wird ja an Hand des Jahreseinkommens bemessen. Im ersten Jahr ist das sicherlich ein Sonderfall, generell wird aber zum Jahresende der Gewinn des Jahres als Grundlage für das kommende Jahr genommen und man schätzt seinen Gewinn für das kommende Jahr.

Das zu meldende Einkommen ist der Gewinn, der übrig bleibt, wenn du alle deine Einnahmen zusammenzählst und alle deine Ausgaben davon abziehst.

Achtung: Änderungen können nicht rückwirkend geltend gemacht werden. Deine Beiträge werden festgesetzt. Wenn sich dann herausstellt, dass du doch weniger verdienst, können die Beiträge nach unten angepasst werden, allerdings bekommst du keine Erstattung für die vergangenen Monate. Andererseits musst du auch nichts nachzahlen, falls du mehr als geschätzt einnimmst.

 

KSK-versichert trotz Nebenjob?

Wie ist das nun, wenn du „vom Schreiben lebst“, aber es eigentlich nicht dauerhaft zum Leben reicht? Schmeißt man dich aus der KSK, wenn du für ein paar Monate irgendwo als Angestellter nebenher arbeitest?

Wenn du einer geringfügigen Arbeit nachgehst, bleibt alles beim Alten. Das heißt, du zahlst wie gehabt deine Beiträge, wenn du nicht mehr als 450 EUR dazuverdienst (bzw. 5.400 EUR im Jahr). Auch wenn du ein Gewerbe hast und nicht mehr als 450 EUR im Monat damit verdienst, bleibst du in der KSK (!!!). Dazu kommt gleich noch was.

 

Beispiele:

Johanna K. Rohling schreibt für ihr Leben gerne Fantasyromane und tut das 20 Stunden in der Woche. Sie macht mit ihren Büchern im Jahr 6.000 Euro Gewinn (also 500 Euro Gewinn pro Monat). Da das nicht zum Leben reicht, geht Johanna 20 Wochenstunden im Büro arbeiten und bekommt dafür 750 Euro. Da sie mit ihrem Angestelltenjob bei gleicher Arbeitszeit mehr verdient, wird dieses Einkommen als Grundlage genommen und der Arbeitgeber hat die Kranken- und Pflegeversicherung zu bezahlen. Über die KSK kann höchstens die Rentenversicherung laufen, wenn das Bruttoeinkommen unterhalb von 3.025 EUR (West) bzw. 2.600 (Ost) liegt (im Jahr 2015. Quelle).

Angenommen, Johanna landet nun einen Bestseller mit ihrem vielversprechenden Manuskript „Harald und der Stein“ und kommt nun auf einen Gewinn von 1.000 Euro pro Monat (wir erinnern uns: Der Gewinn ist die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben). Jetzt liegt der Fall anders: Weil Johanna mit ihrer freiberuflichen Tätigkeit mehr verdient als im Angestelltenjob, gilt ihre Schreiberei als Hauptberuf und sie ist komplett über die KSK versicherungsfähig. Johannas Arbeitgeber muss keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abführen.

 

KSK-versichert trotz Gewerbe?

Jetzt kommen wir zu meinem Lieblingspunkt. Nicht.
Die meisten Schriftsteller haben kein Gewerbe. Ob und wann du als Schriftsteller ein Gewerbe brauchst, kannst du in diesem Beitrag von mir nachlesen. Wenn sich aber jemand – ich zum Beispiel – nicht ausschließlich mit dem Schreiben von Büchern über Wasser halten will, sondern seine Talente auch in anderen Bereichen entfaltet, dann ist u. U. eine Gewerbeanmeldung notwendig.

Aber sie kann in vielen Fällen dazu führen, dass die KSK-Mitgliedschaft beendet wird, WENN nämlich der Gewinn aus dem Gewerbe zu hoch wird und 450 EUR im Monat übersteigt.

Ich wiederhole:

Wenn du ein Gewerbe hast und damit mehr als 450 Euro im Monat verdienst, kommt die KSK für Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge nicht mehr auf.

Die Rentenversicherung wird nicht mehr übernommen, wenn du mit deinem Gewerbe mehr als 3.025 EUR (West) bzw. 2.600 EUR (Ost) im Monat verdienst.

Das heißt im Klartext also, dass du mit deinem Gewerbe nicht mehr als 450 Euro einnehmen darfst. Wenn du ein Gewerbe hast, weil du zum Beispiel Anzeigen auf deiner Webseite schaltest oder Affiliatelinks benutzt, wirst du da nicht so schnell in die Bredouille kommen. Apropos:

Wollte ich nur mal in den Raum werfen, weil so viele Autoren mit PartnernetAmazon arbeiten, ohne ein Gewer… ach, lassen wir das. Ich habs ja eben gesagt.

 

Zusammenfassung

  • KSK heißt Künstlersozialkasse und ist KEINE Krankenkasse, sondern eher sowas wie eine Stiftung
  • Die KSK kann 50 % deiner zu bezahlenden Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungsbeiträge übernehmen
  • Versichert werden Künstler und Publizisten und die KSK entscheidet autonom, ob du dazu gehörst oder nicht
  • Die Höhe deiner monatlichen Beiträge für eben genannte Versicherungen richtet sich nach deinem Jahreseinkommen
  • Du darfst nebenbei als Angestellte/r arbeiten, wenn es geringfügig ist (also unter 450 Euro)
  • Du darfst nebenbei ein Gewerbe haben, wenn die Einnahmen unter 450 Euro monatlich bleiben

 

Voraussetzungen

Downloadbereich u.a. mit Anmeldeunterlagen. Hinweise beachten!

 

Hast du selbst Erfahrungen mit der KSK gemacht?

Dann teile uns gerne in den Kommentaren mit, wie es dir ergangen ist. Habe ich wichtige Punkte vergessen? Ich bin über deinen Hinweis sehr dankbar!