Vor nicht ganz einem Jahr habe ich für „Lyx Storyboard“ einen Gastartikel geschrieben, aber mit der Zusammenführung von LYX und Bookrix funktioniert der alte Link nicht mehr und ich finde den Artikel auch nicht mehr.

Da ich ihn aber auch gerne selbst immer wieder zur Hand nehme, wenn ich einen Pitch erstelle, präsentiere ich ihn dir heute: So schreibst du den perfekten Pitch, um ihn im Exposé unterzubringen – oder potenzielle Leser von der Geschichte zu überzeugen!

Okay, Hand aufs Herz: „Den“ perfekten Pitch gibt es vielleicht nicht, weil jeder von uns individuell ist. Was den einen anspricht, lässt den anderen nur gähnen. Im Folgenden lernst du, was ein Pitch enthalten sollte, der deine Zielgruppe anspricht.

Die berühmte Fahrstuhlszene

 

Mitte der Neunziger Jahre in London. Die ambitionierte Hobbyautorin Joanne kommt am Abend in ihrem Hotel an, geht in den Fahrstuhl und will in den siebzehnten Stock fahren.
»Warten Sie!«, ruft jemand und sie hält ihm die Tür auf.
Es ist ein Anzugträger. Sein Namensschild verrät, dass er Manager eines großen Verlags ist. Das ist die Chance! Joanne nimmt allen Mut zusammen und spricht den Mann an.
»Entschuldigen Sie, Sie arbeiten für diesen Verlag? Sicherlich hören Sie das ständig, aber ich habe auch ein Buch geschrieben und würde es ihnen gerne einmal vorstellen.«
Der Mann schaut auf die Uhr. »Gut, bis zum siebzehnten Stock haben Sie Zeit.«

 

So ist es zwar nicht geschehen, aber eine solche Situation ist der Grund, warum es den so genannten »Elevator Pitch« gibt. Ursprünglich stammt er aus der Filmbranche und bezeichnet einen knackigen Abriss über eine Filmidee, die so präzise und mitreißend sein muss, dass man die Filmidee binnen weniger Sekunden begreift und interessant findet.

Nun trifft man in der Realität selten auf Lektoren, die den gleichen Fahrstuhl benutzen wie man selbst, aber gerade auf Buchmessen (und nicht nur da) ist es immer wieder der Fall, dass man Menschen von seinem Buch überzeugen will. Der Elevator Pitch hilft dabei.

 

„Mein Buch lässt sich nicht zusammenfassen!“

 

Warum fällt es vielen Autoren schwer, einen Pitch zu schreiben? Weil sie die Quintessenz ihres Romans noch nicht verstanden haben und sie nicht wissen, wer das Buch später mal lesen soll.

Wie fasst man also 200, 500 oder 1000 Seiten in einem Satz zusammen?

 

Zunächst die Fakten klarstellen

 

Wenn wir unseren Roman in einem Satz zusammenfassen wollen, müssen wir uns vergegenwärtigen, welche Informationen wir über den Roman haben. Der Lektor sollte alleine durch das Lesen des Pitches abwägen können, worum es in dem Buch geht: Welches Genre wird das sein, gibt es einen Hauptkonflikt, der gelöst wird? Wie lautet das Thema?

 

Hier ein Beispiel für die Fakten:

 

Hauptfigur: Harry Potter

Kurzbeschreibung der Hauptfigur: Verwaister Zauberlehrling, der als Einziger den Todesangriff des größten schwarzen Magiers überlebt hat. Blitzförmige Narbe auf der Stirn.

Setting: Die Zaubererwelt und die Welt der Muggel (nichtmagische Menschen). Vorwiegend die Zauberschule Hogwarts. Seit dem Fall des Schwarzmagiers Voldemort wird über seine Rückkehr spekuliert. Im Laufe der Serie kommt Voldemort an die Macht zurück.

Ziel der Hauptfigur: Voldemort besiegen, um seinen Triumph zu verhindern. Freunde und Liebe finden. Gut gegen Böse.

Name des Antagonisten: Lord Voldemort aka Tom Riddle

Kurzbeschreibung des Antagonisten: Schwarzmagier, der von der Idee besessen ist, unsterblich zu sein. Hat seine Seele sieben Mal gespalten und beim Angriff auf Harry fast all seine Macht verloren.

Ziel des Antagonisten: Die Herrschaft über die Zaubererwelt zurückgewinnen und Harry töten

 

Wenn wir diese Informationen zusammensetzen, haben wir schon eine gute Übersicht über die Grundidee des Romans. Ich setze jetzt alle Informationen hintereinander:

 

Der verwaiste Zauberlehrling Harry Potter ist die einzige Person, die den sonst tödlichen Angriff von Lord Voldemort überlebt und nur eine blitzförmige Narbe davongetragen hat. Voldemorts Ziel ist, Harry zu töten, um selbst unsterblich zu werden. Am Ende schafft es Harry, Voldemort und seine aufgespaltenen Seelenteile zu vernichten.

 

Das ist jetzt noch kein unendlich überzeugender Pitch, aber es sind fast 4000 Seiten zusammengefasst auf 5 Sätze. Die grundlegende Idee der Serie wird deutlich.

 

Wo kannst du kürzen und zusammenfassen?

 

Um das zu beantworten, musst du dir darüber klar werden, was der Hauptkonflikt der Buchidee und die treibende Kraft ist. Ich würde sagen, bei Harry Potter ist es das »Gut gegen Böse«-Konzept und die Besonderheit, dass alles in einer Zaubererwelt spielt. Probieren wir also, uns auf diese Punkte zu konzentrieren:

 

Zauberlehrling Harry Potter, der als Einziger einen Angriff vom Schwarzmagier Voldemort überlebte, will verhindern, dass es Voldemort wieder an die Macht schafft, wobei es zu einem Kampf auf Leben und Tod kommt.

 

Fakten + Thema = Pitch

Wie du bestimmt schon weißt, empfiehlt es sich, in jedem Roman eine Botschaft zu übermitteln oder eine These aufzustellen, die belegt wird (diese ominöse „Prämisse“). Eine Geschichte ohne Prämisse bleibt selten hängen.

Im Fall von Harry Potter lautet das Thema aller Bände in etwa „Liebe ist stärker als Hass“. Es geht um Liebe, Freundschaft und Loyalität.

Ein elfjähriger Junge erfährt, dass er ein Zauberer ist und gegen den mächtigsten bösen Magier aller Zeiten auf Leben und Tod kämpfen muss. Sein einziger Vorteil dabei ist, dass er auf die Hilfe seiner Freunde und auf die Liebe seiner Familie zählen kann.

 

Pitchen muss man üben

 

Nur, wenn man versucht, schriftlich seine Romanidee festzuhalten und auf die Quintessenz zu reduzieren, kann man in dieser Übung besser werden. Pitchen hilft, die Grundidee der Geschichte sich selbst und anderen deutlich vor Augen zu führen. Er hilft, sich auf das Wichtigste zu beschränken. Sobald der Lektor/Leser/das Gegenüber Interesse zeigt, kann man auf Details eingehen und beispielsweise sagen, dass die Geschichte auf 7 Bände ausgelegt ist oder wie viele Nebenhandlungen es geben wird.

 

Checkliste: Nicht vergessen!

 

Übe deinen Pitch! Am besten schreibst du ihn gleich unten in die Kommentare (idealerweise zu einem bereits veröffentlichten Buch, damit deine Idee nicht ungeschützt im Internet kursiert 😉 You never know …).

Hier ein bisschen Hilfestellung:

  • Fasse dich kurz. Manche sagen, der Pitch solle weniger als 25 Wörter haben. Ich würde sagen: Nicht mehr als 3 Sätze. Je weniger desto knackiger desto besser
  • Auch, wenn du tausend Figuren in deinem Epos hast: Konzentriere dich auf den Helden und den Antagonisten. Nicht mehr als 3 Figuren nennen, das wird für 3 Sätze zu viel!
    (Frodo bringt den Ring nach Mordor, Harry kämpft gegen Voldemort, Ebenezer Scrooge begegnet drei Geistern, Figur A verliebt sich in Figur B, Anton muss einen Mord aufklären, … fasse dich kurz!)
  • Erzähle nur den kleinsten gemeinsamen Nenner aka Haupthandlungsstrang. Keine Nebenstränge.
  • Versuche, Namen zu vermeiden. „Die Taxifahrerin“ ist in diesem Fall besser als „Anna“, weil man sofort ein Bild im Kopf hat.
  • Schreibe. Überarbeite. Kürze. Schreibe es um. Überarbeite. Kürze.

 

Vom Pitch zum Klappentext

 

Wenn du einen knackigen Pitch hast, ist das eine sehr gute Grundlage für einen mitreißenden Klappentext. Wenn du wissen willst, wie man den schreibt, dann schau gerne mal bei meinem Marketingkurs vorbei, da kannst du das lernen.

Der Pitch ist dann schon ein Teil des Exposés. Dort wird er häufig auch „Abstrakt“ genannt.