Du hast Stunden in deine Autorenwebseite investiert, dir überlegt, wie du deine Facebookseite gestalten willst und du hast dir Gedanken darüber gemacht, wie du Fuß im Dschungel des Online-Marketings fassen kannst.

Aber wen interessiert das?

Der folgende Text ist ein Auszug aus meinem Buch „Sei ganz du selbst – Branding für Autoren“

 

Magnus Carlsen und was er von dir hält

Kennst du die Geschichte vom schwedischen Schachspieler Magnus Carlsen? Als Teenager sollte er gegen Garri Kasparow eine Partie Schnellschach spielen. Kasparow, ein nach außen hin recht selbstgefälliger und arroganter Typ, der zu diesem Zeitpunkt (2004) mit großem Abstand die Weltrangliste der Schachspieler anführte, ließ Magnus warten. Irgendwann tauchte er auf, spielte mit Magnus und der Dreizehnjährige erzielte ein Remis in der ersten Partie, was eine extrem bewundernswerte Leistung ist. Der kleine Magnus Carlsen hatte dem großen Schachweltmeister Kasparow die Stirn geboten (und wurde später selbst Weltmeister).
Wenn dich Schach interessiert, dann kennst du diese Begebenheit, denn jedem Schachspieler, den ich kenne, sind diese beiden Männer ein Begriff. Sie haben alles, was es braucht, um ein gutes Branding aufzustellen: Man kann sie einordnen, mit Adjektiven belegen, und beide haben einen sogar einen interessanten Lebenslauf, der dazu dienen kann, eine tolle Geschichte zu erzählen.
Dennoch kennst du Magnus eventuell nicht, wenn dich Schach so interessiert wie Bohnensuppe.
Aber das kümmert Magnus nicht. Es ist ihm sogar völlig egal, ob du ihn kennst oder nicht, oder wie du ihn findest, denn du bist nicht seine Zielgruppe. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, weshalb ich ihn gerne noch einmal für dich wiederhole: Kümmere dich nur um deine Zielgruppe, nicht um die anderen.
„Wer alle anspricht, spricht niemanden an“ lautet daher eine Marketingregel. Man muss spezifisch sein. Oder anders gesagt:

(Du willst mehr darüber wissen? Hier geht es zum Buch, aus dem der Text stammt)

Definiere deine Zielgruppe

Es klingt sehr abstrakt, einfach zu sagen „definiere deine Zielgruppe“. Was soll das heißen? Wie macht man das? Und was soll das bringen? Soll man nicht lieber das schreiben und veröffentlichen, was man selbst mag und sich nicht nach anderen richten?

Also:

In erster Linie musst du dir selbst natürlich treu bleiben, sonst hältst du womöglich nicht lange durch. Wenn du nicht gerade ein Auftragsschreiber oder Ghostwriter bist, dem es ziemlich egal sein kann, was er schreibt, dann ist es natürlich wichtig, so zu schreiben, dass in erster Linie du selbst damit glücklich bist. Und wenn du – so wie ich – gerne Fotos von deinem Essen auf Instagram stellst, obwohl das nichts mit deiner „Zielgruppe“ zu tun hat, dann ist das kein Beinbruch, sondern authentisch 😉

Aber:

Dennoch lohnt es sich, zu überlegen, mit wem du überhaupt interagieren willst. Ein Facebookbeitrag für Autorenkollegen enthält vielleicht etwas anderes als einer für Leser – ja, auch selbst wenn Autoren manchmal Leser sein können. Es ist eine Gratwanderung.

Mache dir klar, wen du ansprechen willst: Mann oder Frau? Alter? Vorlieben? Was für Menschen sind das? Welches Problem haben sie, das du für sie lösen kannst?

 

Die 4 Ohren sind überall

Machen wir einen ganz schnellen Ausflug in die Kommunikationspsychologie. Dort gibt es das Modell der „Vier Ohren“ (oder auch „Vier Seiten“, aber Ohren kann man sich besser merken). Ich halte mich kurz: Das Modell besagt, dass jede Äußerung auf 4 Ebenen gesehen werden kann.

Nehmen wir als Beispiel den Satz „Mein neues Buch XYZ ist endlich draußen!“

Die vier Ebenen sind wie folgt:

1) Sachlicher Inhalt: Worüber spricht die Person? (z.B. über den Fakt, dass ihr Buch veröffentlicht wurde)
2) Selbstoffenbarung: Was gibt der Sprechende über sich preis? (z.B. dass er Schriftsteller ist, dass er sich freut, dass es nicht sein erstes Buch ist, und dass er vermutlich regelmäßig veröffentlicht)
3) Beziehungsebene: In welcher Beziehung stehen wir zueinander? (z.B. Verkäufer-Kunde-Beziehung oder aber Freundschaft/Bekanntschaft – hier ist das sehr subjektiv. Wer mich kennt, freut sich vielleicht mit mir und gratuliert, wer mich nicht kennt, denkt, dass es ein Verkaufsbeitrag ist)
4) Appell: Was soll ich jetzt mit dieser Aussage? (z.B. Appell, das Buch zu kaufen; oder nur zu gratulieren)

Was nützen dir die vier Ohren jetzt?

Wenn du die Theorie kennst, kannst du sie für dich einsetzen. Überlege, was du aussagen willst und wie es bei deiner Zielgruppe ankommt. Als Fantasyautor kannst du deine Leser vielleicht mit etwas anderem packen als ein Liebesromanautor. Die Leseproben, die du postest, sind vielleicht für deine Zielgruppe irrelevant (ich habe beispielsweise mal eine Leseprobe für einen erotischen Roman gesehen, bei dem nicht klar wurde, dass es ein erotischer Roman ist; es hätte auch eine normale nette Liebesgeschichte sein können. Die Zielgruppe wird hier verfehlt).

„Mein neues Buch ist draußen“ hat einen anderen Appell als „Hier geht es zu meinem neuen Buch“.