Wer sich mit „Marketing für Autoren“ beschäftigt, stößt auch schnell auf das Thema „Alleinstellungsmerkmal“ oder USP (Unique Selling Proposition/Point). Wie kannst du dich als Autor von den anderen Autoren abheben? Warum sollten Leser zu deinem Buch greifen und nicht zu dem daneben?

Leider gibt es keine einfache Schablone, die du nur ausschneiden, anlegen und ausmalen musst. Die Erarbeitung eines Alleinstellungsmerkmals ist ein langer Prozess und du wirst kontinuierlich an der „Schärfung“ dieser Unterscheidung arbeiten. Trotzdem gibt es zum Glück ein paar Herangehensweisen, die dir dabei helfen.

 

Abhebung über deine Romane
oder: „So etwas schreibe nur ich“

 

Die meisten Autoren, mit denen ich mich unterhalte, denken bei einem Alleinstellungsmerkmal in erster Linie an ihre Bücher und sind einigermaßen schnell frustriert, wenn sie feststellen, wie schwer es ist, sich ausschließlich über seine Bücher von anderen abzuheben. Dennoch ist es eine Möglichkeit.

Wenn du selbst gerne Bücher abseits des Mainstreams liest, dann kommt dir dieser Weg vermutlich auch gelegen. Je ausgefallenere Bücher du schreibst, desto eher hebst du dich von der Masse ab. Der Nachteil: Bei Genre-Büchern funktioniert es nicht besonders einfach. Lass uns dennoch mal sehen, wie andere es machen:

Beispiel: Nicholas Sparks

Wer von Nicholas Sparks redet, der kommt häufig um Begriffe wie „viel Gefühl“ oder sogar „Kitsch“ nicht herum. Nicholas Sparks hat es geschafft, mit „nur“ 21 Romanen und einer Ausdauer von 20 Jahren eine übersättigte Nische zu besetzen: die der Liebesromane. Die Verfilmung seines zweiten Buches „Wie ein einziger Tag“ war ein Welterfolg, viele weitere Filme folgten.
Was ihn besonders macht: Die Grundideen seiner Geschichten basieren nicht einfach nur auf einem Liebespaar, sondern sind oft in größere Geschichten eingebettet. So erzählt „Wie ein einziger Tag“ eigentlich die Geschichte eines Mannes, der seiner dementen Frau „helle Momente“ verschaffen will, indem er ihr ihre gemeinsame Liebesgeschichte immer wieder vorliest. Der Hauptteil des Buches besteht dabei aus dieser Liebesgeschichte der beiden Protagonisten in ihren jungen Jahren.

Außerdem schafft er es, große Gefühle zu erzeugen und sein Stil spricht seine Leser an.

Beispiel: Cecilia Ahern

Das neueste Buch der Autorin habe ich bisher nicht gelesen, aber die Romane von Cecilia Ahern unterscheiden sich oft von anderen Liebesromanen in der Originalität der Grundidee. So geht es bei „P.S.: Ich liebe dich“ beispielsweise um einen Brief des verstorbenen Ehemannes an seine Witwe, der Aufgaben enthält, die sie zurück ins Leben führen sollen. In „Ein Moment fürs Leben“ trifft die Protagonistin auf die Personifizierung ihres eigenes Lebens in Form eines hässlichen, vernachlässigten Mannes, der immer ansehnlicher wird, je mehr sie ihr Leben in den Griff kriegt.

 

Abhebung über den Schreibstil

 

Wenn deine Stärke nicht in der Entwicklung selten gelesener Ideen liegt, dann hast du vielleicht einen besonderen Schreibstil, der dich auszeichnet.

Hierbei muss ich gleich sagen, dass ein bestimmter Stil häufig mit diversen Genres in Verbindung gebracht wird:

  • Chicklit-Romane sind humorvoll, spritzig, eher locker-flockig geschrieben und lassen sich schnell lesen
  • Liebesromane sind gemächlicher, unterhaltsam, spielen aber auch gern mit Worten und Metaphern und erzeugen Gefühle wie Zuneigung, Trauer oder tiefe Zufriedenheit
  • Thriller und Krimis sind in der Regel spannend, haben oft kurze Sätze und sind selten blumig oder mit vielen „Bildern“ beschrieben
  • Fantasyromane und historische Romane leben oft von der Atmosphäre, die durch den Schreibstil geweckt wird: Sie beschreiben viele Details, sind naturnah und haben oft Passagen, die gemächlich dahinplätschern

Klischee? Aber ja! Wenn ich ein bestimmtes Genre lese, erwarte ich als Leser ein paar grundsätzliche Dinge, zu denen unter anderem auch ein bestimmter Stil gehört. Als Autor kannst du nun, wenn es zu dir passt, hier einen Stilbruch begehen. Warum nicht ein Liebesroman im Krimistil? Oder warum nicht mal ein Thriller, der mit ausschmückender Sprache geschrieben wurde?
Aber Achtung: Ich würde dir diese Herangehensweise nur empfehlen, wenn du selbst gerne so etwas liest und vollkommen dahinterstehen kannst!

Entwickle einen eigenen Stil (dabei helfen dir auch Lektoren, die dir zeigen, an welchen Stellen dein Stil verbesserungsfähig ist) und hebe dich so von anderen ab.

Beispiel: Anne Freytag

Anne gehört zu den Autorinnen, die mit ihren Worten zauberhaft malen können. Sie schreibt im weitesten Sinne Liebesromane und Jugendbücher (unter Pseudonym auch New Adult) und schafft es, mit ihren Worten Bilder zu erzeugen, die den Leserinnen noch monatelang im Kopf bleiben. Innerhalb ihres Genres grenzt sie sich damit von vielen anderen Autorinnen und Autoren ab.

 

Abhebung über deine Persönlichkeit

 

Verlassen wir den Bereich des Schreibens und wenden uns dem „Marketing“ zu. Es gibt da draußen unzählige Autoren, die sich nicht mit ihren Büchern von anderen abheben können. Alle Geschichten wurden bereits aufgeschrieben und im Grunde gibt es nur noch hier und da kleine Varianten von bereits bestehenden Romanen. Wie soll man da Fuß fassen?

Eine Möglichkeit, die ich persönlich am liebsten vertrete, ist, dich als Person von anderen abzuheben.

Jeder von uns ist auf seine eigene Weise besonders. Niemand von euch Lesern ist wie ich. Klar, es gibt einige, die ähnlich ticken, aber niemand lebt mein Leben. Niemand denkt meine Gedanken. Niemand drückt meine Empfindungen so aus, wie ich es tu.

Das Gleiche gilt für dich. Du bist einzigartig. Wie kannst du dich damit abheben?

Insbesondere, wenn du Self Publisher bist (aber auch als Verlagsautor!!), kannst du über deinen „Auftritt“ im Internet und offline ein Bild erzeugen. Je besser du dich selbst kennst, desto einfacher wird es dir fallen, ganz du selbst zu sein. Eine Anleitung dazu findest du über den eben gesetzten Link.

Beispiel: Adriana Popescu

Wenn ich oben schon Anne als Beispiel genommen habe, kann ich an Adriana nicht vorübergehen. Die „Autorin mit Hut“, wie sie lange wahrgenommen wurde, bleibt ihrem Motto treu: Be awesome, stay weird, stay gold. Adriana ist „anders“, im allerbesten Sinne. Sie ist das, was man „eine Type“ nennen würde (meine Güte, heute benutze ich aber wirklich viele Anführungszeichen!). Sie ist einfach … einzigartig. Mit ihrem Herz für Außenseiter stellt sie sich oft auf die Seite der Benachteiligten (und auch in ihren Romanen haben wir es oft mit Außenseitern zu tun – eine wichtige, wiederkehrende Botschaft, die sich durch Adrianas ganzes Leben zu ziehen scheint), ihre Liebe zu Benedict Cumberbatch ist nicht einfach nur Fangirl-Gehabe, sondern geht soweit, dass sie einen Pappaufsteller von ihm in ihrer Wohnung hat. Was sie macht, macht sie zu 150 % und kommuniziert das auch nach draußen. Adriana hat eine feste Meinung, die sie auch mitteilt und schafft es, in vielen Facetten so besonders und einzigartig zu sein, dass man sehr schnell merkt, was für ein Mensch hinter dem Namen steckt. Und wer Adriana mag, der kauft auch ihre Bücher 😉

 

Abhebung über ein Hobby o. Ä.

Wenn du das Gefühl hast, ein eher durchschnittlicher, vielleicht sogar introvertierter Mensch zu sein, dann hast du womöglich Probleme, deine Persönlichkeit nach außen zu tragen. In diesen Fällen kann es hilfreich sein, sich auf eine Besonderheit zu konzentrieren, dich dich ausmacht. Hast du beispielsweise ein besonderes Hobby? Sammelst du Beweise für Zeitreisen? Bist du Harry-Potter-Fan und gehst sogar – wie Jennifer Jäger – auf Quidditch-Turniere? Liebst du Steampunk wie Nina Hasse und nimmst deine Leser mit auf Messen? Spielst du Cosplay? Bist du Ärztin aus Leidenschaft und kannst uns an deinem Beruf teilhaben lassen, indem du die absurdesten Patientenbegegnungen mit uns teilst?

Die Liste ist endlos. Gibt es etwas, hinter dem du ganz besonders stehst?

Es muss nichts sein, was niemand sonst macht – Harry Potter-Fans gibt es beispielsweise viele. Aber innerhalb dieser Interessengemeinschaft kannst du dich vielleicht abheben, weil du zum Beispiel so infiziert bist, dass du dir ein entsprechendes Tattoo zugelegt hast, oder vielleicht lebst du tatsächlich in der Zaubererwelt und berichtest von dort den Muggeln über die täglichen Ereignisse?

Wichtig: „Was hat das mit meinen Büchern zu tun?“

Idealerweise schaffst du es, dein persönliches Alleinstellungsmerkmal auch auf deine Bücher zu übertragen. Nina Hasse schreibt beispielsweise Steampunk-Romane. Cosplayer schreiben häufig Fanfictions über ihre Lieblingsserien. Jennifer Jäger schreibt selbst Fantasyromane. Adriana schreibt über Außenseiter.

Wenn du das „Thema deines Lebens“ findest, dann kannst du das in deine Romane einfließen lassen.

Ich zum Beispiel werde wohl in allen Romanen ein Augenmerk auf starke Frauenfiguren werfen, die aktiv für ihre Ziele kämpfen und sich selbst verwirklichen, ohne dabei den Bezug zur Liebe zur verlieren, weil mir das in meinem echten Leben unheimlich wichtig ist.

 

Abhebung über dein „Wie“ oder „Warum“

 

Ich habe dich bereits in einem älteren Artikel mal gefragt, WARUM du überhaupt schreiben willst. Auf dieser Grundlage lässt sich ein Alleinstellungsmerkmal finden. Aber auch über die Art und Weise, wie du deine Romane schreibst und vermarktest, kannst du dich von anderen abheben. Poppy J. Anderson oder Emily Bold sind da gute Beispiele, weil sie in einer Zeit, in der Self Publishing noch neu war, zu den wenigen gehörten, die ihre Bücher ohne Verlag verkauft haben und sehr erfolgreich damit waren und noch immer sind.

Andere haben einen unglaublich inspirierenden Auftritt in den sozialen Medien. Wieder andere bespielen ihren YouTube-Kanal und ziehen damit tausende Fans an. Interessant dabei: Du musst dich nicht ausschließlich als Autor „vermarkten“, sondern kannst das als einen Aspekt deiner gesamten Persönlichkeit einfließen lassen. So spricht die wunderbare Ella TheBee beispielsweise kaum über ihr Buch, hat aber Germanistik studiert und könnte sicherlich ohne Probleme Romane schreiben (sie hat bisher einen Ratgeber veröffentlicht). Und auch die wunderschöne Mona Kasten macht kaum Werbung für ihre Bücher, die zum Teil Spiegel-Bestseller geworden sind, sondern zeigt einfach sich selbst im Internet.

Wie vermarktest du dich und deine Bücher? Womit fühlst du dich wohl? Auch hierüber kannst du dich von anderen abheben, die die Hände in den Schoß legen.

Achtung: Nicht jeden Trend mitmachen. Eine Weile waren Release-Partys angesagt, bis keiner mehr mitmachte. Als ich mit dem Veröffentlichen anfing, machte jeder Mensch Blogtouren. Füge in dein Marketing nur das ein, worauf du selbst auch große Lust hast!

 

Der Mix macht es!

Ehrlich gesagt, führt wohl nur ein Mix aus allen Wegen wirklich ans Ziel. Eine originelle Idee, gepaart mit einem eigenen, wiedererkennbaren Schreibstil sorgt für ein lesenswertes Buch (inklusive gut ausgearbeiteten Figuren!) und du als Autor kannst diese Bücher bekannt machen, indem du deine Einzigartigkeit durch deine Worte und Taten widerspiegeln lässt. Je mehr man dich mit deinen Büchern verbinden kann, desto besser.

 

Mehr dazu wieder im Juli!

Im Juli wird es die einzige Marketing-Kursrunde in diesem Jahr geben. Wie man dabei sein Alleinstellungsmerkmal findet, ist einer der Schwerpunkte neben der klassischen Frage, wie man denn Werbung für seine Bücher macht, ohne dabei verkäuferisch oder aufdringlich zu wirken. Idealerweise verkaufen sich Bücher nämlich von selbst, ohne dass du ständig auf sie hinweist. Mehr zum Kurs kannst du hier nachlesen und Ende des Monats auch hier auf dem Blog.