In Teil 1 und Teil 2 der Serie „Ein Buch entsteht“ haben wir uns bereits mit den Vorbereitungen beschäftigt. Nun geht es daran, den ersten Entwurf auch tatsächlich zu schreiben.

Ein(1)

 

Geht es jetzt endlich mit dem Schreiben los?

 

Ja, sofort. Bald. Versprochen.

 

Was haben wir bisher gemacht? Wir haben eine Idee, wovon der Roman handeln soll. Diese Idee haben wir auf ihre Tragfähigkeit hin überprüft und festgestellt, dass sie solide genug ist, um einen ganzen Roman durchzuhalten. Dazu haben wir passende Figuren kreiert, die wir sehr gut kennen. Wir wissen, wie sie aussehen, wie sie sich verhalten, was für Ticks sie haben und sie gestern zu Mittag gegessen haben. Außerdem weißt du nun, wie deine Story aufgebaut ist und was passieren wird.

 

Wenn du dir sicher bist, eine spannende Geschichte und dreidimensionale Figuren zu haben, kannst du nun tatsächlich zu schreiben anfangen. Dazu später mehr.

 

Es könnte dir aber auch gehen wie mir: Ich hatte bei meinem Verlagsbuch eine Idee (eine Braut, die sich in ihre Hochzeitsplanung hineinsteigert) und passende Figuren. Ich hatte einen möglichen Ablauf geschrieben, war mir aber unsicher, ob ich schon das Potenzial der Geschichte ausgeschöpft hatte, obwohl die Geschichte laut meinen Notizen ausreichend sein sollte.

 

Zweifel ausradieren

 

Statt einfach loszuschreiben und im Nachhinein alles wieder zu ändern, wollte ich von Anfang an ein solides Gerüst zum Entlanghangeln haben. Deshalb habe ich Susanne, meine Lektorin von „Auf die Freundschaft!„, angerufen und bin mit ihr den Plot des neuen Romans durchgegangen. Zusammen haben wir Szenen umgestellt und tatsächlich noch einige Dinge verbessert, für die ich schon zu blind war. Außerdem habe ich das Grundgerüst mit Autoren besprochen, denen ich vertraue, und sie haben mir noch Hinweise zur Optimierung gegeben.

 

Merke: Wenn du mit jemandem über deine gerade entstehende Geschichte sprichst, dann achte darauf, dass derjenige genug Kompetenz aufweist, Ratschläge zu geben.

 

Es bringt wenig, sich mit deiner Familie über ungelegte Eier zu unterhalten. Ich persönlich empfehle hier entweder einen Lektoren oder geschlossene Autorengruppen, zu denen man Vertrauen hat. Denn was ein Mal ausgesprochen (bzw. niedergeschrieben) wurde, ist nicht mehr geheim! Wenn du eine supertolle Wahnsinnsidee hast, solltest du vielleicht lieber für dich alleine arbeiten und das Risiko eingehen, im Nachhinein den Plot noch zu ändern, denn leider kommt es immer wieder zu Ideenklau und die einzige Methode der Geheimhaltung besteht darin, niemandem etwas zu sagen 😉 . Allen anderen empfehle ich, meine Methode wenigstens mal auszuprobieren, wenn sie das Überarbeiten auch so schrecklich finden wie ich, und einfach mit vertrauenswürdigen Personen den Plot zu besprechen.

 

Aber jetzt geht es endlich los, oder?

 

Wenn du nun einen Plot und Figuren hast, die du im Moment nicht besser hinkriegst, geht es endlich los. Kribbeln dir die Finger? Kannst du es gar nicht abwarten, dir freie Zeit zu schaffen und endlich zu schreiben? Dann bist du in der optimalen Stimmung für den ersten Entwurf.

 

Manche schreiben am besten abgeschottet in einem geschlossenen Raum, andere brauchen Musik, wieder andere können gut im Zug oder Café schreiben. Welche Methode die beste ist, ist subjektiv. Generell gilt natürlich: Je weniger Ablenkung, desto konzentrierter ist man (eigentlich weiß das jeder, aber trotzdem ist es ein Kraftakt, Facebook und E-Mail-Postfach nicht anzuklicken!).

 

Also los: Schreibe deinen ersten Entwurf!

 

Ob du am Anfang beginnst und dich chronologisch vorarbeitest, oder ob du an der Stelle beginnst, die du gerade am liebsten schreiben willst, bleibt dir überlassen.

 

Ich werde nun nicht weiter darauf eingehen, wie man schreibt. Der Blog hier dreht sich um das Veröffentlichen und das Marketing dazu, sowie um das Thema Zeitmanagement. Wenn du nicht weißt, wie man einen ersten Entwurf schreibt, dann schau doch mal hier vorbei:

 

http://schriftzeit.de/

http://marcusjohanus.wordpress.com/

http://thomaswollinger.com/10126

http://www.leselupe.de/buch-schreiben.php

http://www.dieschreibdilettanten.de/

 

Außerdem solltest du dich mit anderen Autoren und angehenden Schriftstellern vernetzen, und sie um Hilfe bitten. Tritt entsprechenden Facebookgruppen bei, Foren oder suche dir über die sozialen Netzwerke Gleichgesinnte.

 

Den inneren Kritiker ignorieren

 

Mir hilft beim Schreiben am besten die NaNoWriMo-Methode: Schreib einfach drauf los und ignoriere die kleine fiese Stimme, die dir die ganze Zeit weismachen will, dass du Mist schreibst.

 

Du bist nicht allein. Einer kleinen Umfrage in meinem „Kollegenkreis“ nach, hat jeder Schriftsteller beim Schreiben das Gefühl, nicht gut genug zu sein 😉 Es gibt Stellen, die dir überaus gut gelingen werden, und andere, an denen du später arbeiten musst. Manche Autoren schreiben ein Stück und überarbeiten es dann, bis sie zufrieden sind, ehe sie weiterschreiben. Für mich (!) ist das nicht möglich, weil es mich in meinem Schreibfluss zu sehr stoppt.

 

Hier mal eine passende Diskussion bei Twitter, bei der ich sehr grinsen musste: (Klick macht größer)

 

twitter_roman-schreiben

 

 

(Folgst du mir eigentlich schon bei Twitter?)

 

Ich befolge eher die „Ach, egal, ich lass das jetzt so“-Methode. Das heißt, ich schreibe eine Szene und denke mir die ganze Zeit „Okay, das ist jetzt nicht das Beste, was du je geschrieben hast, aber später wird es ja nochmal überarbeitet. Ich lass das jetzt so.“ Perfektionismus ist hier fehl am Platz (der kommt später 😉 ).

 

Wie fang ich an?

 

Falls du jetzt keine Idee hast, wie der Roman beginnen könnte, dann sei unbesorgt: Vermutlich wirst du den Beginn später eh streichen oder umschreiben. Es ist also nicht wichtig, dass du jetzt noch nicht weißt, wie der Roman später aussehen wird. Wichtig ist, dass du erstmal beginnst!

 

Wenn du einen Szenen- oder Kapitelplan hast, dann hast du einen Anhaltspunkt, wie der Roman beginnen könnte. Wenn du einfach so drauf losschreiben willst, dann konentriere dich auf deine Figur, überlege, in welcher Situation sie zu Beginn der Geschichte steckt und denke dir eine Szene aus, die irgendeinen Konflikt hat. Lass etwas Wichtiges passieren!

 

Ab dann: durchhalten!

 

Jetzt ist nur noch dein Durchhaltevermögen gefragt. Du hast tolle Figuren und eine packende Story, also beiß dich durch und schreib es auf! Das kann durchaus ein paar Monate, manchmal Jahre dauern, in den meisten Fällen solltest du mit drei bis sechs Monaten rechnen, wenn du noch nicht geübt bist, oder ellenlange Romane schreibst.

 

Wenn dich die Lust mal verliert, nutze dein Netzwerk und lass dich von anderen Autoren mitreißen. Lies meinen Blog, lies dein Lieblingsbuch, setze dir kleine Ziele. Ein bisschen Druck ist nicht verkehrt, also setze dir eine Deadline, wann du fertig sein möchtest.

 

Allgemeine Tipps

 

  • Je besser die Vorbereitung, desto weniger Fragezeichen während des Schreibens
    • Eine Kapitelübersicht oder Szenenübersicht kann helfen, am Ball zu bleiben. Für manche ist das aber zu einschränkend, weil sie ihren Gedanken dann nur begrenzt freien Lauf lassen können. Ausprobieren!
  • Stecke dir kleine Ziele: „Diese Szene schreibe ich noch zu Ende“ oder „Ich schreibe noch, bis ich 1000 Wörter habe“ können Motivatoren sein, wenn man gerade keine große Lust hat
  • Jeden Tag schreiben, auch wenn es nur eine halbe Stunde ist. Termine so legen, dass genug Zeit vorhanden ist und wenn nötig auch mal eher aufstehen. Je mehr Routine man bekommt, desto schneller schreitet das Projekt voran
  • Schreibblockade? Dann leg den Stift weg, geh spazieren und schau nochmal in deine Notizen, warum es da hakt, wo es hakt. Ist die Figur nicht klar genug gezeichnet? Hängt der Plot? Oft hilft es, das Problem mit einer Vertrauensperson zu besprechen

 

Nächste Woche folgt Teil 4.