Gerade erst habe ich die neue Folge der „Schreibdilettanten“ gehört, in denen es um das Thema Facebook ging, da fiel mir ein, dass ich dir noch gar nicht mitgeteilt habe, wie meine kleine Selbststudie gelaufen ist. Ich hatte mir vorgenommen, vier Wochen lang mein Facebookprofil komplett nicht zu nutzen und alles über meine Autorenseite zu machen (hier habe ich es angekündigt). Was bringt’s?

 

For beginners: Was ist der Unterschied zwischen einem Profil und einer Seite?

Ein Profil
Profile sind von Facebook für MENSCHEN vorgesehen und sollen die Person online abbilden. Du kannst „Freunde“ finden (also Bekanntschaften), in Gruppen aktiv sein, Seiten ein „Gefällt mir“ geben (=“liken“) und dich beliebig mit anderen Profilen austauschen. Du kannst KEINE bezahlte Werbung schalten und bei 5.000 Freunden ist Schluss.
Eine Seite
Die Seiten sind aus Facebooks Sicht für UNTERNEHMEN gedacht. Da wir als Schriftsteller gleichzeitig Personen und Unternehmen sind, herrscht hier manchmal Verwirrung. Statt „Freunde“ zu finden, kannst du von Profilen „Likes“ (also Gefällt-mir-Angaben) erhalten – denn man kann sich „in echt“ ja auch nicht mit einem Unternehmen anfreunden, sondern nur sagen, dass man hinter Firma XY steht. Das wird mit dem Like ausgesagt. Du kannst Werbung bezahlen und so Menschen erreichen, die dich bisher nicht kannten. Die Like-Zahl ist unbegrenzt und du hast Zugriff auf Statistiken.

 

Wieso überhaupt so ein Test?

 

Es war jetzt natürlich kein unglaublich repräsentativer Test, sondern eher eine „Nutzererfahrung“ von mir persönlich. Hintergrund ist, dass ich gemerkt habe, wie sehr ich meine Autorenseite auf Facebook vernachlässige, wenn ich kein Projekt habe, über das ich berichten kann. Da ich bereits auf meinem Profil sehr aktiv war, fehlte mir teilweise auch die Idee, was ich schreiben kann, obwohl ich ja die ganzen Strategien kenne.

Okay, bleiben wir ehrlich: Mir fehlte auch die Zeit. Mit etwas mehr Engagement wären mir vermutlich Dinge eingefallen, die ich hätte posten können, aber – und hier Bekenntnis 2 – neben Zeit fehlt auch Lust. Ich hatte nicht so richtig Bock drauf.

 

Mehr Persönlichkeit auf der Seite!

 

Wenn ich auf meinem Profil unterwegs bin, dann bin das absolut ICH. Ich teile Links, die ich witzig oder hilfreich finde, rede viel über Dinge, die mit dem Schreiben nur wenig zu tun haben, sage meine Meinung und bitte meine Freunde um Einschätzungen und Rückmeldung. Im Grunde erfülle ich das, was Facebook von seinen Profilnutzern erwartet: Ich tausche mich online mit den Leuten dort so aus wie hier vor Ort in einem Café.

Im Unterschied dazu gab es auf meiner Autorenseite hauptsächlich Rückmeldungen zu aktuellen und vergangenen Projekten. Ab und zu habe ich etwas Persönliches geschrieben, aber generell hätte man mehr daraus machen können.

Mit dem Test wollte ich herausfinden, ob:

  1. ich es schaffe, mehr Persönlichkeit auf meine Autorenseite zu bringen
  2. es sich lohnt, ausschließlich eine Autorenseite zu betreiben (und das Profil einzustampfen)
  3. es sich überhaupt lohnt, eine Autorenseite zu haben
  4. es nicht besser wäre, auf eine Autorenseite zu verzichten und nur das Profil zu verwenden
  5. ich etwas ändern sollte.

 

Regeln für den Test

 

Es gab ein paar Regeln, an die ich mich halten wollte:

  • keinerlei Nutzung des privaten Profils während der Testphase von 4 Wochen
  • keine bezahlte Werbung auf der Autorenseite, um Beiträge zu unterstützen
  • die Autorenseite so benutzen, wie ich es sonst bei einem Profil täte

 

Bevor wir zu den Ergebnissen und dem Fazit kommen, hier noch die Ausgangslage:

 

Vor dem Start: So sah die Statistik vor dem Test aus

 

Starten wir mit den Zahlen, die vor dem kleinen Test meine Autorenseite ausmachten:

  • Likes: 1.685 – wobei gleich am ersten Tag 74 dazukamen, als ich vom Experiment gesprochen habe, also müssten wir eigentlich offiziell mit 1757 starten.
  • Wöchentliche Beitragsreichweite: 3.296 Personen
  • Interaktion mit Beiträgen: 314 Personen
  • Interaktionsrate9,5 % aller erreichten Personen interagieren mit den Beiträgen

 

Probleme schon am ersten Tag

 

Der Test war kaum zwei Stunden alt, da stieß ich schon auf das erste Problem: Als Seite konnte ich Beiträge von Personen nicht kommentieren.

Das war mir ehrlich gesagt vorher gar nicht wirklich klar, obwohl es mir schon hätte auffallen müssen. Man kann als Seite nur Beiträge anderer Seiten kommentieren, aber den typischen Newsfeed mit Beiträgen derer, die meine Seite mögen, gibt es nicht. Es gibt einen Newsfeed, aber dort werden nur die Beiträge der Seiten angezeigt, die ich als Seite geliked habe.

Das erschwerte mein Experiment extrem, denn Facebook ist ja darauf ausgelegt, mit Menschen zu kommunizieren. Als Seite muss man sich also dreimal so viel anstrengen, um Menschen dazu zu bewegen, die eigenen Beiträge zu kommentieren, damit man mit ihnen interagieren kann. Nicht so prickelnd.

 

Das Ergebnis vorab: Ich bin schwach 😂

 

Bevor ich dir die Zahlen um die Ohren werfe, hier gleich ein Geständnis: Ich hatte keinen Spaß. Ich habe in den 4 Wochen nur 35 Beiträge geschrieben. Realistisch gesehen hätten mindestens doppelt so viele sein müssen, denn ich schreibe in der Regel mehr als einmal am Tag einen Beitrag auf meinem Facebookprofil (okay, momentan nicht, aber im Vergleich zur Seite bin ich auf dem Profil aktiver).

Man kann förmlich sehen, wie mich nach zwei Wochen die Lust verlassen hat. Anfangs habe ich noch 1-3 Beiträge pro Tag geschrieben, dann irgendwann nur noch einen oder gar keinen mehr.

beitragsentwicklung facebook

Beitragsentwicklung im Test: Kontinuierliche Abnahme

Mehr dazu gleich im Fazit. Zuerst:

 

Nackte Zahlen: Ergebnis nach vier Wochen

 

  • Likes: 1.778, was einen Anstieg um 1.2 % ist, wenn man zuvor von 1.757 ausgeht (mehr als 5 %, wenn man von 1684 ausgeht). Wie du der Grafik entnehmen kannst, gab es ganz schön Schwankungen in der Zeit, gerade an den letzten beiden Tagen sind auch noch Leute abgesprungen.
  • Beitragsreichweite: 3.453 Personen nach 2 Wochen (als ich noch aktiv war; +4,76 %), aber nur 1.234, nachdem ich in einer Woche nur 3 Beiträge veröffentlicht habe
  • Interaktion mit Beiträgen: 336 Personen nach zwei Wochen (Maximum war 403), nur um die 100 in der letzten Woche.
  • Interaktionsrate: 10 % aller erreichten Personen interagieren mit den Beiträgen nach zwei Wochen, um die 8 % interagierten in der letzten Woche noch.

 

Entwicklung der Likes:

 

Entwicklung der Likes

Like-Entwicklung: Die sinkende Beitragszahl hatte nur geringe Auswirkung auf die Zahl der Likes, aber große auf die Interaktionsrate.

 

Entwicklung der Interaktion:

 

Entwicklung der Interaktion

Rückgang der Interaktionen steht im Verhältnis zu Häufigkeit der Beiträge

 

Persönliche Erfahrungen während des Tests

 

Bevor wir die Daten zu einem Fazit auswerten, möchte ich ein zahlenunabhängiges Fazit für mich selbst ziehen.

THEMA SPASS

Wenn es mir wirklich Spaß gemacht hätte, dann hätte ich vermutlich nicht so nachgelassen nach den ersten zwei Wochen. Spaß ist für mich beim Social Media Marketing eine ganz große Kernvoraussetzung, damit etwas funktioniert, denn man merkt sofort, ob jemand mit Herzblut dabei ist oder nicht. Ich war es nicht, und das haben meine „Follower“ gemerkt und entsprechend „abgestraft“ (nicht wissentlich).

Warum hat es mir keinen richtigen Spaß gemacht?

Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

  1. Facebook nimmt für mich seit Monaten an Wichtigkeit ab und ich verliere nach und nach die Lust
  2. Ich kam gerade aus dem NaNoWriMo, vielleicht war ich etwas ausgelaugt
  3. Ich machte gerade einen Instagram-Kurs und fokussierte mich eine Weile aufs Fotografieren
  4. Ich konnte nicht richtig mit meinen Lesern interagieren! Das war es, was mich am meisten gestört hat!

Es ist einfach ätzend, dass ich nicht auf die Beiträge der Leute reagieren konnte, die außerhalb meiner Seite etwas geschrieben haben. Ich fühlte mich wie ein Bühnenkünstler, der eine Unterhaltungsshow auf einer Bühne vorträgt, aber viel lieber im Publikum sitzen und mit den Leuten quatschen würde.

 

THEMA IDEEN

Tatsächlich hatte ich manchmal dennoch keine Ahnung, was ich schreiben wollte. Das lag einerseits daran, dass ich mich im Dezember ausführlich mit Instagram beschäftigte, und andererseits daran, dass ich das Gefühl hatte, für „Smalltalk“ wäre die Seite nicht der richtige Ort. Eigentlich ist das Quatsch, aber ich hatte trotzdem die ganze Zeit das Gefühl, eine größere Distanz zu meinen Followern zu haben als vorher.

 

Fazit: Seite oder Profil?

 

Schauen wir uns mal an, ob ich die Fragen vom Anfang nun beantworten konnte:

 

Mit dem Test wollte ich herausfinden, ob:

  1. ich es schaffe, mehr Persönlichkeit auf meine Autorenseite zu bringen
  2. es sich lohnt, ausschließlich eine Autorenseite zu betreiben (und das Profil einzustampfen)
  3. es sich überhaupt lohnt, eine Autorenseite zu haben
  4. es nicht besser wäre, auf eine Autorenseite zu verzichten und nur das Profil zu verwenden
  5. ich etwas ändern sollte.

 

PERSÖNLICHKEIT

Habe ich mehr Persönlichkeit auf meine Seite gebracht? Vielleicht ein bisschen, aber lange nicht so viel, wie ich es mir vorgestellt habe. Wäre es dennoch möglich? Absolut! Wenn jemand komplett auf das private Profil verzichtet und seine ganze Energie in die Seite steckt, ist es sogar sehr einfach, die Seite persönlich werden zu lassen. Und wenn wir uns an den Marketingspruch Nummer 2 aus „Marketing Semester 1, Woche 1“ erinnern („Menschen kaufen von Menschen, nicht von Unternehmen“), dann spricht auch einiges dafür, mehr Persönlichkeit auf die Seite zu bringen!

(Wer in den Kommentaren Marketingspruch Nummer 1 aus Semester 1 sagen kann, bekommt ein Strebersternchen: 🌟)

 

 

AUSSCHLIEßLICH AUTORENSEITE BENUTZEN?

Würde ich weder bejahen noch verneinen. Wer auf die Interaktion mit Personen verzichten kann und nur sein Buch präsentieren möchte, kann das tun – es ist aber keine sehr erfolgsversprechende Strategie. Mehr dazu im Gesamtfazit.

 

AUTORENSEITE: JA ODER NEIN?

Aaaah, schwierige Frage! Kurz gesagt lautet meine überaus hilfreiche Antwort: „Es kommt drauf an!“ Mehr dazu weiter unten im Gesamtfazit.

 

AUF AUTORENSEITE VERZICHTEN UND NUR PROFIL NUTZEN?

Ehrlich gesagt tendiere ich fast zu einem „Ja“, aber man kann solche Empfehlungen nie ohne Einschränkungen aussprechen, daher auch hier: Mehr dazu im Gesamtfazit.

 

SOLLTE ICH ETWAS ÄNDERN?

Nicht direkt, aber ich sollte mich entscheiden, worauf ich meinen Fokus legen will – und die Entscheidung hat sich fast von selbst ergeben. Du kannst es dir vermutlich schon denken, aber ich werde es im folgenden Fazit noch einmal genauer beleuchten:

 

Gesamtfazit

Was ist nun das Ergebnis?

 

 

Okay, dann mal Butter bei die Fische (ja, so sagt man das). Was bedeuten die Ergebnisse nun für die Zukunft und welche Empfehlungen können wir daraus ableiten?

Also, zunächst einmal möchte ich festhalten, dass dieser Test sicherlich anders ausgefallen wäre, wenn ich mich die ganzen vier Wochen über richtig dahintergeklemmt hätte. Anfangs war ich davon ausgegangen, dass ich das auch tun würde (sonst hätte ich den Test ja nicht ausgerufen), aber irgendwie ließ die Lust dann echt nach, weil ich das Gefühl hatte, nicht mehr ein Teil der großen Gruppe zu sein.

Menschen sprechen eben am liebsten mit Menschen. Punkt. Und für MICH ist es am einfachsten, das über mein Profil zu tun, und nicht über die Seite. Daher:

 

#1: Profil ist sinnvoller als Seite

 

Achtung, Achtung, dies ist ein subjektives Empfinden! Ich persönlich habe für mich festgestellt, dass sich ein Profil für mich sehr viel mehr „lohnt“ als eine Seite. Das beziehe ich allerdings wirklich nur auf meine Autorenseite – bei „Vom Schreiben leben“ sieht das alles ganz anders aus! Lies dazu auch diesen Artikel über das allgemeine Thema „Seite vs. Profil“.

Ich werde aber zukünftig mein Profil wieder mehr benutzen als meine Seite, also alles zurück zum Alten. Die Autorenseite werde ich vermutlich auch weiterhin existent lassen, um darüber Werbung zu schalten, wenn ein neues Buch erschienen ist, aber ich mache mir keinen Stress mehr, unbedingt regelmäßig etwas posten zu müssen.

 ACHTUNG: Laut Facebooks AGB darf man auf seinem Profil keine Werbung machen, also sind regelmäßige Links zu eigenen Büchern streng genommen verboten! 

Ich kenne zwar bisher keine Person, die wegen Buchwerbung abgemahnt wurde, aber man sollte wissen, dass es nicht erlaubt ist.

 

#2: Entscheide dich für eine Variante

 

Meine Empfehlung für dich ist: Probiere aus, ob du mit dem Profil oder mit der Seite mehr Spaß hast, und dann entscheide dich wenigstens für die kommenden drei Monate für eine diese beiden Varianten. Es wird dir helfen, weniger gestresst zu sein und deinen Fokus auf gute Kommunikation zu richten, statt mit zwei Tellern zu jonglieren und auf beiden ein tolles Gericht servieren zu wollen.

 

#3: Zahlen sind auch nur Zahlen

 

Mach dich nicht verrückt, weil du Likes verlierst oder die Interaktionsrate sinkt. Es ist völlig normal, dass es Schwankungen gibt und viel wichtiger ist, dass du mit den „richtigen“ Menschen zusammen bist. Was nützt es, wenn deine Seite 5.000 Likes hat, aber 75 % davon egal ist, was du machst? Das ist sehr häufig der Fall, wenn Seitenbetreiber Geld dafür ausgeben, Likes zu erhalten (da kann man noch so gut „Targeting“ betreiben, organischer Aufbau ist und bleibt qualitativ hochwertiger!).

 

#4: Finde das Netzwerk, das zu dir passt!

 

Zum Schluss noch ein Punkt, der dir vermutlich klar ist, aber ich möchte ihn noch einmal betonen: Wenn Facebook nicht „ein Ding“ ist, dann kannst du dich auf den Kopf stellen und wirst dennoch nicht mit dem System warm werden.

Einer der Gründe, warum der Test bei mir nicht gut geklappt hat, war, dass ich Facebook innerlich schon seit Monaten abschreibe. Nicht, weil dort Leute wären, die mir nicht wichtig sind – im Gegenteil! – sondern, weil ich momentan den Fokus auf Fotos und Videos gelegt habe und Instagram und YouTube dafür besser geeignet sind.

Eigentlich sollte man sich für EIN Netzwerk entscheiden, dort eine Weile bleiben und dann, wenn man möchte, ein weiteres hinzuziehen.

Hast du „dein“ Netzwerk schon gefunden?

 

So geht es für mich weiter

 

Natürlich bleibe ich Facebook erhalten, denn es macht mir nicht keinen Spaß, sondern einfach nur nicht so viel wie andere Netzwerke. Ich werde mein Profil hauptsächlich benutzen und meine Autorenseite eher als Information über Projekte. Da ich allerdings noch nicht weiß, ob es in diesem Jahr überhaupt ein neues Buch von mir geben wird, weiß ich auch noch nicht, wie aktiv ich dort sein werde.

Nach wie vor werde ich Twitter quantitativ vermutlich am häufigsten nutzen, gefolgt von Instagram, dann Facebook und dann YouTube. Ich habe durch den Test festgestellt, dass Facebook sich für mich verändert hat und ich mich gerne mehr auf Instagram konzentrieren möchte.

 

Wie ist das bei dir?

Ist Facebook dein Go-To-Netzwerk oder liebäugelst du mit anderen?

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