facebook seite profil

Als Einzelperson, die du als Autor ja nunmal bist, stehen dir bei Facebook zwei Optionen zur Nutzung zur Verfügung: Das private Profil und die (kommerzielle) Seite. Welche Vor- und Nachteile bietet welche Nutzung?

Ich möchte mit meinem Lieblingsvergleich beginnen: Facebook ist wie ein mittelalterlicher Marktplatz (Copyright by me 😀 ). Das Dorf trifft sich tagsüber oder auch abends auf dem Markt, die Bewohner tauschen sich aus, und hier und da stehen die Stände mit frischer Ware, Textilien, Werkzeugen und so weiter.

facebook marktplatz

Wenn du dich bei Facebook als Nutzer registrierst, dann besitzt du damit ein privates Profil. Du kannst Freunde hinzufügen, in deiner Chronik Beiträge verfassen, Gruppen beitreten und dir eine schöne Zeit machen. Du kannst allerdings (momentan) keine Beiträge im Voraus planen (jedenfalls nicht direkt bei Facebook selbst) und du kannst auch keine Werbung schalten.

Wofür auch? Für Facebook sind alle normalen Nutzer nicht-gewerblich (!), daher brauchen sie die Werbefunktion nicht.

Bürger = Profil,
Stand = Seite

Im Mittelaltermarkt-Vergleichsbild heißt das: Als normaler Bürger hast du ein privates Profil. Wenn du aber etwas zu verkaufen hast, dann brauchst du einen Stand, an dem du deine Ware feilbieten darfst.

Das ist die Facebook-Seite.

Mit einer Seite hast du den Vorteil, dass du gewerbliche Posts verfassen darfst und sie sogar bewerben lassen kannst, um mehr und vor allem neue Menschen zu erreichen. Da für Facebook eine Seite ein Unternehmen darstellt, fehlt natürlich die Funktion, in Gruppen zu agieren und du kannst als Unternehmen auch keine „Freunde“ finden – stell dir einfach vor, du bist ein Gebäude! – sondern du kannst Likes erhalten.

Also: Menschen untereinander können sich anfreunden (= mit einem privaten Profil kannst du „Freunde“ bekommen). Handelt es sich um ein Unternehmen, können Menschen sich zu diesem Unternehmen bekennen, indem sie offiziell sagen: „Ich mag dieses Unternehmen!“ (das heißt, sie geben dir ein „Like“).

Die Krux als Einzelunternehmer

Für Unternehmen wie den Frisör von nebenan, einen Blumenladen, die Deutsche Bank oder Telekom ist das auch alles leicht nachzuvollziehen. Unser „Problem“ ist, dass wir uns selbst vermarkten wollen. Wir sind gleichzeitig eine Privatperson und eine öffentliche Person. Unser Marketing soll ja darauf beruhen, uns selbst den Lesern näherzubringen, uns selbst als Person zu vermarkten. Ein „Personen-Branding“ aufzubauen.

Wir wollen also mit kommerziellen Gedanken Facebook nutzen, und gleichzeitig als private Personen agieren, denn irgendwie sind wir als Autoren sowieso immer beides gleichzeitig: Privat und gewerblich. Wir schreiben Bücher – was gibt es Privateres, als seine innersten Gedanken zu offenbaren? Aber gleichzeitig wollen wir unsere Bücher auch verkaufen.

Vorteile und Nachteile eines privaten Profils für Einzelunternehmer

Von meinen Freunden und Kollegen weiß ich, dass sie lieber ihr privates Profil nutzen als die Seite. Mir geht das ganz ähnlich. Warum? Ein privates Profil hat ein paar Vorteile:

  • es wirkt privater = die Distanz zu den anderen Menschen ist geringer als wenn ich „offiziell“ agiere
  • man kann in Gruppen aktiv sein (Lesergruppen, Autorengruppen/Schreibgruppen, etc.)
  • Personen wirken hier authentischer, weil der kommerzielle Gedanke weit im Hintergrund ist

Allerdings gibt es auch Nachteile:

  • man kann keine Werbung schalten und so keine neuen Menschen erreichen
  • man darf maximal 5.000 Freunde haben (allerdings können Fremde das Profil abonnieren und so alle öffentlichen Beiträge dennoch in ihrem Newsfeed sehen)
  • man hat keinen Zugriff auf Statistiken
  • man kann keine Tabs einbauen oder Apps verknüpfen

Aber der wichtigste Nachteil:

Private Profile dürfen nicht kommerziell genutzt werden!

Am besten tweeten wir das mal, damit dieser wenig bekannte Fakt etwas mehr Verbreitung findet:

In den AGB, zu denen jeder zugestimmt hat, wenn er bei Facebook registriert ist, steht unter dem Punkt „4: Registrierung und Kontosicherheit“ folgender Punkt:

 

  1. Du wirst deine persönliche Chronik nicht hauptsächlich für deinen eigenen kommerziellen Profit verwenden, sondern eine Facebook-Seite für solche Zwecke nutzen.

 

Wie viel Prozent „hauptsächlich“ genau ist, steht da natürlich nicht. Wer sich aber bei Facebook registriert, um in erster Linie Werbung für sich und sein Buch zu machen, hat bereits mit der Registrierung akzeptiert, dass er sich dafür eine Seite anlegen wird.

Es liegt also in deinem Ermessen (und in dem von Facebook), ob du „hauptsächlich kommerzielles Interesse“ vertrittst oder ob du hauptsächlich Kontakte knüpfen willst. Wenn Facebook den Verdacht hat, dass du dein Profil nur hast, um zu werben, können sie es löschen und müssen dir nicht einmal vorher Bescheid sagen.

Um da klarzustellen: Du darfst sehr wohl MAL für etwas werben, aber das Profil darf eben nicht HAUPTSÄCHLICH dafür benutzt werden, Werbung für deine Bücher zu machen.

Schauen wir uns deshalb noch schnell die Vor- und Nachteile einer Seite an:

Vorteile und Nachteile von Facebook-Seiten für Einzelunternehmer

Man darf auf Profilen also nur in beschränktem Rahmen kommerziell tätig werden. Das ist bei Seiten anders, hier wirst du sogar regelrecht von Facebook dazu verleitet, Werbung zu schalten.

Welche Vorteile hat eine Autorenseite denn nun?

  • du darfst Werbung schalten und kannst das sehr gezielt mit dem Werbeanzeigenmanager tun
  • mit den Statistiken hast du einen guten Überblick über dein Netzwerk und weißt, was gut ankommt
  • es gibt kein Like-Limit und Likes kommen einfach – Freundschaftsanfragen müssen alle einzeln beantwortet werden
  • du kannst deine Seite mit Tabs/Apps ein bisschen individueller machen (zB YouTube einbinden)
  • Seiten können auch von mehreren Personen betrieben werden (du könntest die Pflege der Seite also auch an Dritte übergeben oder Dritte einbinden, wenn du zB im Urlaub bist)

Die Nachteile:

  • es wirkt unpersönlicher (siehe weiter unten)
  • man unterliegt der Impressumspflicht (was ggf. auch gilt, wenn man Werbung im eigenen privaten Profil macht)
  • man erreicht oft weniger Menschen als mit dem privaten Profil (gilt, wenn die Autorenseite weniger Likes hat als man Freunde auf dem Profil)
  • Menschen interagieren weniger gern mit Seiten als mit Menschen

facebook seite

Was also tun?

Es gibt sowieso nicht DIE eine, immer richtige Antwort auf die Frage „Wie soll ich das machen?“. Als Einzelunternehmer, der tatsächlich eine Ein-Mann-Firma (oder Ein-Frau-Firma) hat, die nicht-unterhaltende Waren verkauft (z.B. besagter Frisör), hat es leichter: Ihm wäre zu empfehlen, den Fokus auf die Seite zu legen und das private Profil als Privatperson zu nutzen.

Auch Sachbuchautoren fahren in der Regel besser mit Seiten, auf denen sie hilfreiche Inhalte bereitstellen, die mit ihren Büchern zu tun haben, und sie mit Persönlichkeit garnieren.

Insbesondere die Belletristikautoren stehen aber vor einer echten Herausforderung: Wir lösen keine Probleme – und das wird zum Problem. Denn wir müssen kreativ werden, um genug Input zu bekommen, überhaupt mehr oder weniger sinnvolle Beiträge zu fabrizieren. Das Meiste, was wir posten, veröffentlichen wir im privaten Profil, und dann fehlt uns irgendetwas für die Seite. Zwar gibt es viele Hilfestellungen, aber ich bekomme immer wieder mit, dass ein Großteil von uns einfach nicht weiß, was man posten kann.

Meine Empfehlung lautet dennoch: Ideal ist eine Kombination aus Profil UND Seite. Mit dem Profil lassen sich Kontakte aufbauen, man wirkt nahbarer, kann in Gruppen agieren (oder selbst Gruppen ins Leben rufen) und so weiter. Über die Seite kann man auf dem aufbauen, was man mit dem Profil geschaffen hat. Es gilt, die Balance zu finden, mit der man selbst glücklich ist.

Herausforderung:

30 Tage kein privates Profil

Ich kann natürlich viel erzählen, wenn der Tag lang ist. Am Ende ist alles graue Theorie (hat mal jemand ein bisschen Geld fürs Phrasenschwein? Ich bin gerade in Fahrt!).

Deshalb habe ich mir (mal wieder 😉 ) eine Challenge überlegt, die ich mir selber stelle:

Ich werde vom 25.11. bis zum 25.12. ausschließlich über meine Autoren-Facebookseite kommunizieren und da Profil für diese Zeit unberührt lassen (bis auf die Beantwortung eingehender Nachrichten).

Dabei möchte ich herausfinden,

  • ob es mir schwer fällt, Beiträge zu schreiben
  • ob weniger Menschen interagieren als mit Beiträgen auf meinem privaten Profil
  • ob sich die Reichweite in dieser Zeit verändert (ohne dass ich Werbung schalte)
  • wie es sich anfühlt

Natürlich fordere ich jede Leserin und jeden Leser dieses Artikels heraus, es mir gleich zu tun ? Allerdings weiß ich, dass es für viele eine zu große Herausforderung ist. Dennoch! Ich probiere es und bin guter Dinge.

Selbstverständlich schreibe ich im Januar dann ein Résumée dieses Experimentes. Wenn du selbst live dabei sein willst, dann lade ich dich herzlich ein, zu diesem Zwecke meine Autorenseite zu liken. Ich bin dir auch nicht böse, wenn du im Januar wieder gehst 😉 Richtig fantastisch wäre es, wenn ich zum Start 1.854 Likes hätte, denn so viele Leute sind aktuell mit meinem privaten Profil befreundet (plus 884 Abonnenten).

Was denkst du darüber? Schreib es unten in die Kommentare!

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