Dialoge

Im letzten Teil der kleinen Serie „Bessere Romane schreiben“ möchte ich dir den Tipp weitergeben, der mir mit der Erstellung meiner Dialoge damals am meisten geholfen hat.

Falls du die ersten beiden Teile verpasst hast, empfehle ich dir, sie zunächst zu lesen, ehe du hier weitermachst.

Hier geht es zu Teil 1: Die Anfangslüge

und hier geht es zu Teil 2: Mehr Spannung

 

Vielen lieben Dank an dieser Stelle zuerst einmal an alle, die diese Beiträge geteilt und kommentiert haben! Es ist immer so herzerwärmend, zu sehen, wenn das, was man tut, einem anderen helfen kann. 🤗

 

Das Dilemma mit den Dialogen

 

Als ich selbst mit dem Schreiben begann, war mir gar nicht bewusst, wie wichtig fetzige Dialoge eigentlich sind. Ich habe mehr oder weniger einfach drauf losgeschrieben und war dabei sehr direkt. Zwar hat sich nie jemand über meine Dialoge beschwert, aber nachdem ich verstanden hatte, wie wichtig Subtext ist, eröffneten sich für mich plötzlich ganz neue Welten.

Zu diesem Thema habe ich auch ein Video veröffentlicht:

 

 

Was ist Subtext?

 

Beim Subtext ist etwas anderes gemeint als gesagt wird. Die meisten Dialoge in Romanen sehen so oder so ähnlich aus:

 

Anna kam in die Küche. „Guten Morgen.“
„Morgen.“ Tom sah nicht einmal auf, als sie den Raum betrat.

„Gut geschlafen?“
Er schüttelte den Kopf. „Im Gegenteil. Ich hatte einen furchtbaren Albtraum. Von Einbrechern, die mich aus dem Haus zerren wollten.“
Anna strich ihm mitfühlend über den nackten Arm. „Du Armer. Zum Glück war es nur ein Traum.“

 

Man merkt als Leser zwar, dass die beiden Figuren sich nahestehen, aber wirklich spannend ist der Dialog nicht. Als Lektor hätte ich an dieser Stelle den Verdacht, dass der Autor einfach nur eine wichtige Information übermitteln will, nämlich den Albtraum (vielleicht ist es später im Laufe der Geschichte wichtig, das an dieser Stelle erwähnt zu haben).

Dieser Text ist nicht im Subtext verfasst, sondern direkt. Tom sagt klar, was sein Problem ist. Spannender wäre es jedoch, wenn sich der Leser erst durch den Kontext erschließen muss, was eigentlich vorgefallen ist:

 

Anna kam in die Küche. „Morgen.“
Tom sah nicht einmal auf, als sie den Raum betrat.
„Hab ich was verpasst? Fällt Weihnachten aus?“
Er seufzte. „Wenn es nur das wäre. Der ganze Zirkus kann mir gerne gestohlen bleiben.“
Sie strich über seinen Arm. „Deine gute Laune ist geradezu ansteckend.“
„Sei froh, dass ich noch lebe! Heute Nacht hat mich ein Einbrecher aus dem Haus gezerrt und fast zu Tode geprügelt.“ Er schüttelte fassungslos den Kopf, als er sich erinnerte.
„Mein armer Schatz“, sagte Anna, setzte sich neben ihn und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. „Dein Chef wird sich freuen, dass du es trotzdem pünktlich zur Arbeit geschafft hast.“

 

Merkst du den Unterschied? Es ist noch nicht ideal, weil die beiden in dieser Szene nichts Sinnvolles tun, aber die Unterhaltung der beiden wird durch den Subtext deutlich angereichert. Es wird klar, dass die beiden ein Paar sind und da Tom anscheinend nicht so aussieht, als sei er verprügelt worden (sonst würde sich Anna anders benehmen), muss der Leser davon ausgehen, dass Tom von einem Traum erzählt.

 

Gilmore Girls als Vorbild

 

Die meisten Leser hier sind ja weiblich, deshalb fällt es mir umso leichter, eine Serie für Subtext als Beispiel zu nehmen, die in erster Linie von Frauen gesehen wird. „Gilmore Girls“ ist bekannt für die sehr schnellen Dialoge und den Schlagabtausch der Figuren untereinander. Wer seine Subtextfähigkeiten verbessern will, sollte sich unbedingt diese Serie in seiner „Analyse-Stimmung“ ansehen und am lebenden Beispiel sehen, wie man guten Subtext schreibt.

Hier ein Beispiel aus der Pilotfolge, also der allerersten Folge aus Staffel 1, Szene 1:

 

Hauptfigur Laurelai überquert die Straße und öffnet die Tür zu „Lukes Diner“. Sie wirft die Handtasche auf ihren Platz und springt fast über die Theke, als Luke, der Inhaber, mit einer frischen Kanne Kaffee hinter dem Tresen erscheint.
Lorelai: Bitte, Luke! Bitte, bitte, bitte!
Luke: Wie viele Tassen hattest du heute schon?

Lorelai: Null!
Luke: … plus …?
Lorelai (leicht beschämt): … fünf. Aber deiner ist besser!
Luke: Du hast echt ein Problem.
Lorelai: Ja, hab ich.
Luke schüttelt den Kopf und schenkt ihr eine Tasse Kaffee ein.
Luke: Junkie.
Lorelai: Engel. Du bist ein gottverdammter Engel.

 

(Ich habe die Szene frei aus dem Englischen übersetzt, kann also sein, dass es deutschen Original ein wenig anders ist)

Alleine diese Szene vermittelt bereits viele Informationen über die Figuren (die wir als Zuschauer noch nicht kennen), ohne dass etwas explizit ausgesprochen wird – okay, vielleicht bis auf das „Ja, hab ich“, was auf Lorelais Kaffeesucht abzielt.

Dennoch: Sie beginnt den Dialog nicht mit „Luke, bitte, ich brauche unbedingt Kaffee!“, sondern nur mit Betteln. Das macht uns Zuschauer einerseits neugierig („worum bettelt sie so?“) und zeigt andererseits, dass Lorelai vermutlich sehr oft bei Luke Kaffee bestellt und sie damit rechnet, dass er ihn ihr verwehrt – sonst müsste sie nicht betteln.

 

So erstellst du Subtext

 

Manchmal ist es einfacher, im ersten Durchgang, also beim Schreiben deines ersten Entwurfes, den Subtext erstmal zu vergessen und das zu schreiben, was du eigentlich sagen willst. Wenn es dir leicht fällt, Subtext zu schreiben, kannst du es natürlich auch gleich beim ersten Mal machen.

Im ersten Überarbeitungsgang schaust du dir dann die Dialoge an und überlegst dir, wie du das, was du sagen willst, anders ausdrücken kannst.

Statt also zu schreiben „Mann, hab ich einen Hunger!“, könntest du lieber etwas in die Richtung „Ich könnte ein ganzes Pferd essen“ schreiben. Denke in Bildern, in Vergleichen, in Metaphern.

Extratipp: Verfolge in den nächsten Tagen mal sehr aufmerksam die Gespräche um dich herum. Du wirst erstaunt sein, wie häufig deine Mitmenschen (und du) in Subtexten sprechen! Schreibe dir auch gerne mal das eine oder andere Realbeispiel auf.

 

Gute Dialoge fesseln Leser

 

Gib es zu: Wenn du ein Gilmore Girls-Fan bist, dann hauptsächlich wegen der Dialoge, oder? Klar, die Geschichten sind auch spannend, aber es ist nichts, was man nicht in anderen Serien auch sehen würde – die Dialoge aber unterscheiden Gilmore Girls von anderen Sendungen, zusammen mit den schrulligen und sehr liebevoll gestalteten Figuren.

Gute Dialoge können deinem Roman also den nötigen Pfiff verleihen. Sie erhöhen das Lesetempo und machen den Text fließender. Außerdem lassen sich die Persönlichkeiten deiner Figuren sehr gut mittels Ausdrucksweise und Wortwahl wiedergeben.

Zusammen mit den anderen beiden Tipps – der Anfangslüge und der Spannung – hast du schon einen wichtigen Teil dazu beigetragen, deine Leser zu begeistern.

Apropos:

Alle drei Teile dieser kleinen Serie stammen aus meinem Onlinekurs „Mach dein Buch zu einem WOW!“. Darin lernst du alles, was du wissen musst, um einen handwerklich packenden, fesselnden Roman zu schreiben. Ich behaupte, der Kurs ist weitaus wertvoller als das Buch „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“, weil er mehr in die Tiefe geht.

Ich werde dir Freitag in einem extra Beitrag diesen Kurs vorstellen, denn die Anmeldung wird nur vom 23. bis zum 31. März möglich sein und ich möchte sichergehen, dass du von dem Kurs erfahren hast.

Wenn du gerade deinen ersten Roman schreibst oder unzufrieden mit deinen bisherigen bist, ist das deine Chance, aus deinen Ideen einen Roman zu machen, bei dem sich der Leser zurücklehnt, alles um sich herum vergisst und einfach nur „Wow …“ denkt.

Fragen?

Wenn du Fragen zum Kurs oder zum Subtext hast, schreib mir bitte einen Kommentar!

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