Wenn du keine Erwartungen hast, kannst du auch nicht scheitern. Das jedenfalls sagen sich viele Menschen und führen lieber ein durchschnittliches Leben ohne Risiken, als Gefahr zu laufen, das Gefühl von „scheitern“ zu erfahren. Aber bist du damit nicht schon gescheitert, ehe du den Versuch unternommen hast?

Du könntest dir auch so unerreichbar hohe Ziele setzen, dass du von vornherein weißt: Daran werde ich definitiv scheitern. Ich erwarte sogar, dass ich scheitere, denn das Ziel ist zu hoch.

In dieser Podcastfolge erfährst du, warum das der lohnenswertere Weg ist. Außerdem lade ich dich herzlich zu meinem „Sternengreifer“-Seminar ein, in dem wir gemeinsam die Strategie der zu hohen Ziele perfektionieren: https://annikabuehnemann.lpages.co/infoseite-seminar-unerreichbaresziel/

Folge mir außerdem gerne auf Instagram, um über das Thema zu sprechen: https://www.instagram.com/vomschreibenleben.de

Transkript: Podcast „Unerreichbare Ziele“ vom 16. Juli 2021


Intro

Vom Schreiben leben. Ein Podcast der „frei&wunderbar“-Akademie. Wir sprechen hier über die Kraft der Gedanken, über Schreibtipps für Romane und über Marketingstrategien für Menschen kreativer Berufe. Lass uns gemeinsam deinen Horizont erweitern und herausfinden, was dahinter auf dich wartet. Ein herzliches Willkommen sendet dir aus ihrem Kreativraum die Autorin, Mentorin und Unternehmerin Annika Bühnemann. Das bin ich.

Update

Halli Hallo ihr Lieben, ich hoffe, es geht euch gut. Mir geht es sehr gut. Ich habe nämlich eine ganz tolle Nachricht erhalten, und zwar habe ich, ein paar von euch wissen, dass, die mir im Newsletter folgen: Ich habe vor ein paar Wochen an einer Ausschreibung teilgenommen. Meine Agentur hatte mir nahegelegt, dass ich da eine Idee, die ich hatte, mal hinschicken könnte.

Und tatsächlich bin ich in die Endrunde damit gekommen, bin unter den Top 3, die jetzt noch übrig sind, und muss jetzt plötzlich einen Roman schreiben, der eigentlich nur so halb geplant war. Ich hatte mir zwar schon Chancen ausgerechnet, aber jetzt nicht fest damit gerechnet, dass ich da in die Endrunde komme. Und jetzt muss ich bis November irgendwie noch einen Entwurf dazu schreiben. Ich bin aber schon ganz freudig und habe richtig Lust auf diese Geschichte, weil die tatsächlich mal wieder etwas anderes ist als das, woran ich jetzt seit zwei, drei, vier Jahren schon arbeite.

Ich bin ja in den Spannungsbereich gegangen, wie ein paar von euch wissen. Und das hier ist wieder eher in Richtung, ich nenne es mal „Gegenwartsroman“. Ich würde jetzt nicht „Liebesroman“ sagen. Es wird aber viele Liebeselemente beinhalten, denn es geht schon um eine Beziehung. Aber ich möchte den Fokus dann doch mehr auf Dinge zwischen den Zeilen legen. Ich bin total gespannt auf dieses Buch und auf diese Geschichte und habe richtig viel Lust, das zu schreiben. Nur weiß ich noch nicht, wann ich das mache, weil irgendwie ist meine Zeit doch sehr begrenzt aktuell.

Aber ich kriege das schon hin. Ich habe ja ein gutes System. Darüber hab ich auch schon mal gesprochen. Ich plane mir eigentlich alle To Dos, die ich habe, schon ein, also es gibt so gut wie gar keine offenen To Dos, die irgendwo rumfliegen und noch gemacht werden müssen, und an die ich denken muss, sondern im Gegenteil: Ich versuche alles so einzuplanen, dass ich mir darum keine Gedanken mehr machen muss. Genau das steht bei mir an.

Worum geht’s in der heutigen Folge?

Also, ich habe gute Nachrichten bekommen und bin dementsprechend beflügelt und fühle mich gut und dachte, dass wir dann heute auch sehr gut die Folge machen können, zum Thema: Sich große Ziele zu setzen.

Ich bin sowieso eine Verfechterin von überdimensional großen Zielen und habe, ich glaube, ich hab das eigentlich schon immer irgendwie so gemacht, aber wusste nicht, dass das ungewöhnlich ist und dass das irgendwie anscheinend nicht ganz normal ist.

Deshalb möchte ich heute mal die Chance nutzen, um darüber zu sprechen, warum man sich überhaupt unerreichbare Ziele setzen sollte oder kann. Man muss ja nichts machen, aber es ist ja nur eine Empfehlung, die ich habe und wie man sie vielleicht irgendwie doch erreichen könnte. Ich möchte das Ganze nicht zu lang gestalten, weil man könnte da wirklich stundenlang drüber sprechen.

Ich habe am Ende dieser Podcastfolge noch einen Veranstaltungshinweis, wo ich nämlich in ein paar Wochen ein intensives Seminar zu diesem Thema geben werde.

Also, wenn euch das interessiert und wenn ihr euch sagt: „Mensch, ich würde das wirklich gerne lernen, wie man so große Ziele setzt und die dann sogar vielleicht auch erreicht. Vielleicht auch nicht, je nachdem.“ Dann hört gerne die Podcastfolge bis zum Ende an, weil ich da noch mal näher darauf eingehen werde.

Warum unerreichbare Ziele setzen?

Ein unerreichbares Ziel sollten wir erst einmal definieren: Was heißt das überhaupt? Wo kann man sich unerreichbare Ziele setzen? Und warum sollte man es tun, wenn die sowieso schon nicht erreichbar sind?

Das Ganze hat im Grunde eine psychologische Komponente, die man nicht unterschätzen sollte. Ein unerreichbares Ziel ist einfach erst einmal per Definition ein Ziel, das ziemlich sicher nicht erreicht werden kann. Also ein unmögliches Ziel. Ein Ziel, das völlig außerhalb der eigenen Reichweite liegt. Für jeden ist das sehr individuell, was das ist. Wir sollten hier schon einmal festlegen, wo die Grenzen liegen. Ich spreche hier nicht davon, dass man aus dem zwölften Stock springen und fliegen will, ohne Flugzeug und haste nicht gesehen. Also schon Ziele, die sich an Naturgesetzen orientieren, aber außerhalb der eigenen Reichweite liegen.

Unerreichbare Ziele im Schreibhandwerk

Ich möchte da einmal den Schwung rüber zum Schreibhandwerk nehmen, den Bogen schlagen zum Schreibhandwerk. Wenn wir eine Romanfigur kreieren, dann setzen wir ihr in der Regel auch unerreichbare Ziele. Das heißt, wir legen vorher fest – wenn wir die jetzt ganz neu erfinden – legen wir fest, wo sozusagen ihr Horizont endet. Das ist ja auch sehr subjektiv. Für manche Figuren, die haben vielleicht einen Alltag, da die – keine Ahnung – die stehen auf, gehen zu ihrem Bürojob, machen sich Essen und gehen schlafen. Für die wäre es ein unerreichbares Ziel, nach Australien zu trampen, z. B. weil das völlig außerhalb ihrer Komfortzone liegt und – ja – einfach ihrer Möglichkeiten.

Alleine diesen Gedanken zuzulassen, ist für sie schon fast unmöglich.

Andere Romanfiguren sind vielleicht schon Superhelden, also haben schon eine ganz andere Herangehensweise ans Leben. Aber auch die haben unerreichbare Ziele, weil sie beispielsweise die ganze Welt vom Bösen befreien wollen, und sie schon wissen, dass das nicht funktionieren wird, weil es immer wieder neue Bösewichte geben wird. Trotzdem verschreiben sie sich diesem Ziel und im Schreibhandwerk ist es dann so, dass wir normalerweise im Laufe des Romans eine Situation schaffen, in der unsere Figur genau dieser Herausforderung sich stellen muss. Genau das zu tun, von dem sie vorher dachte, dass es unmöglich wäre.

Gerade beim Lesen genießen wir das auch, wenn Figuren über sich hinauswachsen und neuen Horizont sehen. Und trotzdem ist es bei uns Menschen dann manchmal so, dass wir einfach nach dem Buch dann in unser normales Leben zurückgehen und die Abenteuer den Helden und Heldinnen in den Romanen überlassen. Und selbst gar nicht irgendwie auf die Idee kommen, dass wir ja auch die Helden und Heldinnen unseres Lebens sind und wir auch über uns hinauswachsen können und unsere Komfortzone erweitern können und unseren Horizont erweitern können.

Unerreichbare Ziele im richtigen Leben

Und da kann es halt helfen, sich ein unerreichbares Ziel zu setzen. Denn – jetzt kommen wir auf diese psychologische Komponente zu sprechen – wenn wir uns ein ganz normales Ziel setzen, dann haben wir selbstverständlich den Willen, das auch zu erreichen. Das heißt, angenommen, ich will jetzt ein Buch schreiben. Das ist mein Ziel. Beispielsweise ich jetzt für November: Ich möchte bis November mein Buch schreiben. Das ist ein Ziel. Ich kann mir herunter rechnen, wie viel ich denn so am Tag schreiben muss, um rechtzeitig fertig zu werden. Und dann ist das ein Ziel, das ich einfach umsetzen kann.

So die Theorie. Leider – und das wissen wir ja alle – klappt das in der Realität nicht immer so, dass man sich einfach ein Ziel setzt und das dann umsetzt. Das muss noch nicht mal mit dem Schreiben zu tun haben. Es kann einfach alles sein. Es kann sein, dass ich das Ziel habe, einen gewissen Gewichtsverlust zu haben, z. B. ein paar Kilo abzunehmen oder auf Zucker zu verzichten oder mehr Zeit mit meinen Kindern oder mit meinem Mann, mit meiner Frau zu verbringen oder mehr Freunde zu finden, was auch immer.

Egal, auf welchen Lebensbereich man das jetzt irgendwie überträgt. Man setzt sich ständig Ziele und sobald man ein Ziel gesetzt hat, fallen einem auch Gründe ein, warum man das wohl nicht erreicht. Ich weiß nicht, ob euch das genauso geht, aber ich nehme an, dass ihr da nicht anders seid als ich auch. Wenn man sich ein Ziel setzt, das so ein bisschen … ich sag mal, am Rande der Komfortzone liegt, also ich mir nur das Ziel setze, aufzustehen, und damit normalerweise kein Problem habe, dann ist die ganze Sache keine große Sache.

Aber wenn ich mir ein Ziel setze, wie zum Beispiel einen Roman zu schreiben – in einem realistischen Zeitrahmen – dann fallen mir sofort Gründe ein, warum ich dieses Ziel höchstwahrscheinlich nicht erreichen werde, beispielsweise sofort der Zeitfaktor. Sobald ich mir vornehme, das Buch möchte ich bis November fertig haben, kommt sofort mein Kopf und sagt: „Hmmm, eigentlich hast du dafür aber keine Zeit.“

Das hat unter anderem damit zu tun, dass unser Gehirn als eigenes Ziel hat, möglichst wenig Energie zu vergeuden. Das liegt unter anderem an unserem Erbe, einfach von damals aus der Steinzeit, dass es … Energie war super, super wichtig. Als wir damals noch alle ums Feuer gesessen haben, brauchte unser Körper immer eine gewisse Energiereserve, damit, wenn der Säbelzahntiger um die Ecke kommt, alle schnell wegrennen können. Und wer gerade einen Marathon gelaufen war, hatte halt Pech, wenn dann der Säbelzahntiger kam, weil er nicht genug Energie hatte, um wegzurennen. Und deshalb wurde er gefressen.

Also hat sich das Gehirn so entwickelt, dass Energie–Effizienz super, super wichtig ist. Am besten so wenig wie möglich bewegen, so wenig wie möglich arbeiten. Bloß viel an Energie irgendwie einsparen. Das möchte das Gehirn gerne. Und wenn wir uns ein Ziel setzen, dann erfordert das natürlich Aktivität. Manchmal sogar sehr viel. Manchmal körperlich, manchmal mental, manchmal beides und es ist anstrengend. Und wir wissen schon, dass wir aus unserer Komfortzone vielleicht heraus müssen. Und das Gehirn möchte das nicht, sondern sagt: „Hey, ich kann dir ganz viele Gründe geben, warum das schon mal nicht funktioniert.“

Als wäre das alleine nicht schon genug, haben wir zusätzlich auch noch das Problem, dass wir auch noch Glaubenssätze in uns tragen, die zusätzlich auch dagegen gehen, da reinspielen. Wenn ich beispielsweise davon überzeugt bin, dass ich nicht gut schreiben kann und ich nehme mir vor, einen Roman zu schreiben, kommen sofort diese Glaubenssätze hoch, die mir sagen: „Das kannst du doch eh nicht. Wer bist du eigentlich, dass du einen Roman schreiben willst? Hast du das bisher geschafft? Nein. Also schaffst du es zukünftig auch nicht. Wäre doch besser, wenn du einfach die ganze Sache lässt und dich auf das konzentrierst, was bisher gut geklappt hat. Nämlich auf der Couch sitzen und Chips essen, zum Beispiel.“

Diese Glaubenssätze helfen, in dem zu bleiben, wo man schon ist. Viele Glaubenssätze haben sich aus der Vergangenheit entwickelt. Je nachdem, wie wir vielleicht aufgewachsen sind, was für Erfahrungen wir gemacht haben. Und sehr, sehr häufig hinterfragen wir die auch nicht unbedingt, sondern das ist eine Sache, die wir als gegeben hinnehmen: „Ich bin eben faul.“ Zum Beispiel als ganz typische Aussage. „Ich bin eben ein Chaot.“ Oder: „Ich schreibe … ich habe noch nie gut geschrieben.“ Oder was auch immer. Wir finden genug Gründe, die unsere Meinung bestätigen. Denn das ist der Job unseres Gehirns. Unser Gehirn möchte nicht, dass es irgendeine Art von Konflikt in uns gibt, sondern unser Gehirn sucht immer nach der Bestätigung dessen, was wir denken.

Das heißt, deshalb wird auch so häufig empfohlen, sich auf das Positive zu konzentrieren. Denn wenn wir uns auf positive Dinge konzentrieren, findet das Gehirn auch Gründe dafür.

Scheitern ist nichts Schlechtes

Also zurück zum unerreichbaren Ziel. Wenn wir uns ein unerreichbares Ziel setzen, dann springt das Gehirn sofort an und sagt: „Das schaffst du doch sowieso nicht.“ Und das Gute an diesem unerreichbaren Ziel ist, dass wir sagen können: „Ja, das stimmt. Es ist ein unerreichbares Ziel. Natürlich schaffe ich das nicht. Deshalb heißt es ja ‚unerreichbar‘, weil ich es nicht schaffen werde. Aber das macht nichts. Ich weiß schon, dass es nicht funktionieren wird.“

Nun könnte man sich natürlich fragen: „Warum sollte man überhaupt sich ein Ziel setzen, das man sowieso nicht erreichen kann? Ist ja klar, dass man scheitert.“ Und wer scheitert, der fühlt sich ja schlecht. Warum sollte ich mich absichtlich schlecht fühlen? Und ich glaube, das ist zu kurz gegriffen. In ihrem ganzen Denkprozess.

Denn natürlich ist Scheitern per se, solange man das nicht reflektiert hat … erst einmal kann das ein negatives Gefühl hervorrufen, weil man Scheitern häufig persönlich nimmt: Ich nehme mir etwas vor, ich erreiche das nicht. Und je nachdem, was ich dann daraus mache, ergeben sich Gefühle daraus.

Ich nehme ein Beispiel, damit wir es ein bisschen besser verstehen können: Angenommen, ich nehme mir vor, fünf Kilo abzunehmen, innerhalb von – keine Ahnung – zwei Monaten. Und ich versuche das, nehme vielleicht sogar irgendwie zwei, drei Kilo ab, aber schaffe meine fünf Kilo nicht. Und am Ende der zwei Monate sehe ich, dass ich vielleicht – ich sage mal – zwei Kilo abgenommen habe und denke mir „Ganz toll“. Oder wenn es ganz schlecht läuft, habe ich vielleicht sogar noch ein Kilo zugenommen und denke mir „Toll, das hat ja super geklappt. War ja klar, dass das wieder nichts wird. Ich bin eben auch viel zu undiszipliniert. Und ich kann das einfach nicht. Ich weiß nicht, wie andere das schaffen, aber ja, da muss ich mich wohl damit abfinden, dass ich eben mehr wiege, als ich möchte.“ Somit mache ich das Scheitern zu etwas Persönlichem. Ich mache es zum Teil meiner Identität. Ich finde Gründe, warum das Scheitern sozusagen gerechtfertigt war. Warum sowieso klar war, dass das nichts wird. Das ist meiner Meinung nach die Herangehensweise, die sehr, sehr, sehr viele ans Scheitern haben. Scheitern ist etwas Schlechtes. Scheitern zeigt nur negative Elemente meiner Identität, meiner Persönlichkeit. Und Scheitern ist etwas Negatives.

Ich möchte euch einladen, mal diesen Gedanken des Scheiterns anders zu sehen und Scheitern als eine Chance zu sehen. Jeder, der Erfinder ist. Jeder, der kreativ ist. Jeder, der eine neue Fähigkeit versucht zu lernen. Jeder, der Sprechen und Lesen, Schreiben, Fahrradfahren, Schwimmen – was auch immer – lernen will, hat mit dem Scheitern zu tun.

Denn eigentlich ist es ja immer so – rational wissen wir das auch – immer, wenn man eine neue Sache probiert, kann man sie nicht sofort perfekt. Ja, manchmal haben wir so einen Anspruch, dass man eine Sache zum ersten Mal probiert und sie gleich perfekt sein muss. Weil wir Angst vorm Scheitern haben. Lass uns aber mal ausprobieren, wie es wäre, wenn Scheitern etwas Positives wäre und Scheitern nichts mit unserer Identität zu tun hätte, sondern einfach nur ganz normaler Teil auf dem Weg ist.

Ein ganz normaler Prozess bis zu dem Ziel. Scheitern gehört einfach zum Wachstum dazu. Wir probieren etwas aus, z. B. eine neue Idee. Und vielleicht funktioniert sie nicht. Dann können wir analysieren, warum sie jetzt nicht funktioniert hat. In der Regel finden wir das irgendwie heraus. Daraus ziehen wir Ergebnisse. Die verwandeln wir in eine neue Idee, in eine neue Strategie. Probieren die aus und kommen vielleicht schon einen Schritt weiter, bis es wieder hakt. Und dann finden wir heraus, warum es da an der Stelle gehakt hat, ändern das wieder ab, erfinden eine neue Idee, ändern die Strategie. Probieren es noch mal und kommen wieder einen Schritt weiter. Und das – mehr ist es eigentlich nicht – das ist Scheitern. Scheitern ist Wachstum. Einfach, indem wir verschiedene Dinge ausprobieren und herausfinden, wo es gut funktioniert und wo es nicht so gut funktioniert. Und dann das machen – das ist übrigens ein alter Marketingspruch auch: Das machen, was gut läuft und das lassen, was nicht so gut läuft. Ja, mehr von dem machen, was funktioniert, weniger von dem, was nicht funktioniert.

Ein Lernprozess

Genau das ist Lernen. Das ist ein Lernprozess. Und ihr kennt das. Ob ihr nun Bücher schreibt oder Musik macht oder bastelt oder malt oder wie auch immer ihr kreativ seid, ihr lernt, indem ihr herausfindet, wo es hakt und diesen Haken auflöst, um es dann beim nächsten Versuch anders zu machen. Und das wird interpretiert als Scheitern – wenn man es negativ sieht. Man könnte jetzt, wenn ich – jetzt angenommen – ich schreibe zehn Romane und neun davon finden keinen Verlag. Aber der zehnte findet einen Verlag.

Man kann das auch mit Bewerbungen gleichsetzen: Ich schreibe Bewerbungen und werde neunmal abgelehnt. Und beim zehnten Mal gibt’s eine Zusage. Warum? Warum wurde ich neunmal abgelehnt? Ist das ein Scheitern? Bin ich jetzt neunmal abgelehnt worden? Nicht unbedingt, wenn ich herausfinden kann, warum das so ist, indem z. B. meine Bewerbung mal von einem Profi unter die Lupe genommen wird. Kann ich dann sehen, wo ich mich verbessern könnte.

Das heißt, nach der ersten Absage kann ich schon anfangen, meine Bewerbung gegenchecken zu lassen und dann mache ich eine neue Bewerbung und verbessere sozusagen meinen ganzen Bewerbungsprozess.

Oder für Romane: Mache vielleicht noch das Buch dahinter – oder was auch immer das jetzt für eine Bewerbung ist – und bilde mich fort und lerne mehr dazu und entwickle mich weiter, bis ich letztlich dort angekommen bin, wo ich hinwill, nämlich z. B. zum Unternehmen XY oder zu einem Verlag, zu einer Agentur, zu einer Veröffentlichung, was es auch immer sein mag.

Wenn ich das positiv sehe, würde ich sagen, ich habe mich die ganze Zeit weiterentwickelt und bin nun an dem Punkt, wo es einfach zu meinem Ziel passt. Wenn ich es negativ sehe, sage ich „Ich bin die ganze Zeit gescheitert.“ Und – wie ich gerade schon sagte – Scheitern per se ist eigentlich neutral. Wenn ich das mal aufs Umgangsprinzip anwende, ist ein Scheitern ja nur ein nicht Erreichen eines Ziels. Also so was wie: Ich habe mich bei Verlag X beworben und mir wurde abgesagt.

Das ist der Umstand. Und ich mache daraus, ich interpretiere – in diesen Umstand, diese Situation – interpretiere ich ein Scheitern hinein, wobei ich Scheitern als negativ empfinde. So geht es den meisten, dass sie sagen: „Dort wurde mir abgesagt, deshalb bin ich gescheitert.“ Und das machen sie zu einem negativen Gedanken, weil sie sagen: „Scheitern ist schlecht. Scheitern bedeutet, dass ich nicht genug bin, zum Beispiel – oder was auch immer – nicht erfahren genug bin.“

Und daraus resultiert dann ein negatives Gefühl, nämlich ein Gefühl des Mangels, dass man nicht genug ist. Wenn es ganz schlecht läuft, dann nimmt man es wirklich persönlich und das knabbert am Selbstwert. Und man hat wirklich das Gefühl, dass man als Mensch ungenügend ist, nur weil man jetzt mit seinem Buch irgendwo nicht angenommen wurde. Ja, man macht das zu einer persönlichen Sache. Und da möchte ich wirklich vor warnen, weil ich glaube, dass das sehr destruktive Gedanken sein können, wenn man die ungefiltert einfach so zulässt.

Ich lade euch herzlich ein, da wirklich „Stopp“ zu sagen und zu sagen „Hey, ich wurde hier abgesagt oder mir wurde hier abgesagt. Ich habe eine Absage erhalten. Was bedeutet das denn eigentlich? Was denke ich über die Situation? Wie bewerte ich diese Situation?“ Statt zu denken: „Ich bin wohl nicht gut genug“, könnte man auch denken: „Vielleicht passt der Verlag nicht gut zu mir oder ich zum Verlag. Vielleicht waren schon alle Plätze voll.“

Manchmal – es gibt ja auch Programmplätze, und wenn die voll sind, müssen die dann absagen. „Vielleicht verlegt dieser Verlag auch gar nicht den Roman. Die Roman-Art, das Genre, für das ich hier stehen will. Vielleicht war meine Recherche nicht so, wie sie sein könnte.“ Wie auch immer ich über die Situation denke, wenn ich mir wissentlich überlege, was es bedeutet, dass hier eine Absage kommt und das nicht persönlich nehme, dann kann da sogar ein positives Gefühl daraus entstehen, nämlich: „Beim nächsten Mal wird es vielleicht klappen.“ Oder: „Dann mache ich eben weiter.“ Das sind so Konsequenzen, die aus dem ganzen Denkprozess rauskommen und die helfen, weiterzumachen.

Wenn man sich nun also ein unerreichbares Ziel setzt z. B. 50 Kilo abnehmen oder 100.000 Euro verdienen oder zu einem Publikumsverlag zu kommen oder – was weiß ich – 10.000 Tickets zu verkaufen – oder was es auch immer sein kann – dann sagt sofort der Kopf: „Das ist eh unmöglich.“ Und wir bestätigen das und sagen: „Ja, ich weiß.“ Wir machen es trotzdem. Das ist kein Problem. Ich weiß ja schon, dass ich das nicht erreichen werde. Macht also nix, wenn ich das nicht erreiche. Ich probier’s einfach trotzdem und guck mal, wo ich dabei rauskomme. Und das ist dann die Geisteshaltung, die übrigens viele Unternehmer*innen haben, die dann sagen: „Ich weiß zwar noch nicht genau, wie ich mein Ziel erreiche, aber ich gehe erst mal los und auf dem Weg werde ich das schon irgendwie herausfinden.“ Das ist so ähnlich, wie wenn man mit einem Auto im absoluten Nebel oder in absoluter Dunkelheit fährt und die Scheinwerfer anhat.

Dann sieht man immer nur ein Stück weit. Man weiß zwar, dass man jetzt die Strecke von Hamburg nach München fährt. Aber man sieht ja nicht die ganze Strecke vor sich, sondern immer nur einen kleinen Abschnitt von 50 Metern oder 100 Metern. Und man kann immer nur den nächsten Schritt sehen. Und wenn man den Schritt gemacht hat, dann ergibt sich der nächste Schritt. Und irgendwo kommt vielleicht mal eine Abzweigung, dann muss man sich entscheiden. Und dann, wenn ich dann weiß, dass ich nach München möchte, dann weiß ich auch, wo Süden ist und weiß bei einer Abzweigung: „Diese Abzweigung bringt mich nach Süden und die andere nach Westen.“

Also fahre ich nach Süden. Dann kann ich entsprechend meine Entscheidungen treffen. Nichts anderes ist das auf dem Weg zu eurem unerreichbaren Ziel. Ihr geht einfach mal los, einen Schritt nach dem anderen. Und es kommt häufig vor, dass man dann feststellt: „Okay, irgendwie bin ich hier in einer Sackgasse gelandet. Also das war jetzt irgendwie nicht so die richtige Abzweigung.“ Ich gehe noch mal zurück und ich nehme mal die andere Abzweigung oder ich entscheide eben etwas anderes. Man stolpert so seinen Weg zum Ziel hin und es ist gar nicht schlimm, weil das der Lernprozess ist.

So lernen wir, unsere Flügel auszubreiten – um mal metaphorisch zu werden – und zu fliegen, indem man immer wieder los hopst, die Flügel bewegt und immer höher springt und irgendwann schafft man es, zu fliegen – metaphorisch, bitte. Bitte versucht nicht, aus dem Fenster zu springen und zu fliegen, sondern benutzt eure metaphorischen Flügel, hopst damit herum, werdet immer größer, springt weiter, macht kleinere Sprünge, größere Sprünge, bis ihr irgendwann das Gefühl habt: „So, jetzt weiß ich, wie ich fliege. Jetzt geht’s los.“

Fazit

Also zusammengefasst: Ein großes, unerreichbares Ziel hilft dieser Gedankenstimme in unserem Kopf, die an allem zweifelt, Paroli zu bieten und zu sagen: „Ja, ich weiß, dass ich es nicht erreiche. Das ist kein Problem, das ist mit eingeplant. Bei diesem Ziel ist mit eingeplant, dass ich es nicht erreichen werde.“ Trotzdem versucht man, in die Richtung zu gehen und man versucht, sich hineinzudenken in die Zukunft. Was müsste ich denn tun? Was müsste ich machen? Mit wem müsste ich sprechen, wenn ich dieses Ziel tatsächlich erreichen wollen würde? Auch das hat einen ganz großen psychologischen Effekt. Einfach mal dieses völlig unerreichbare Ziel als Möglichkeit zu sehen, obwohl man weiß, dass man es nicht erreichen kann. Aber was wäre, wenn? Wenn jetzt hier die gute Fee käme und mir sagen würde: „Hey, du kannst nicht scheitern. Du wirst das auf jeden Fall erreichen.“ Was müsste ich dann tun? Wie könnte ich das theoretisch erreichen? Auch wenn ich in mir drin weiß, dass ich es höchstwahrscheinlich nicht erreichen werde und dass das nicht schlimm ist. Das Schlimmste, was auf dem Weg zu diesem Ziel passieren kann, ist, dass ich mich vielleicht mal schlecht fühle. Das ist das Allerschlimmste. Wenn wir das … wenn das das Risiko ist, was ihr eingehen wollt, dann seid ihr auf dem besten Weg. Wenn man dann dieses Ziel sich aufgeschrieben hat, dann sich ruhig bewusst sein, dass man auf dem Weg viel scheitern wird und dass gar kein Problem ist und kein Ding.

Coaching-Angebot

Und man plant dieses Scheitern einfach mit ein auf seinem Weg. Und als Nächstes kann man tatsächlich eine Strategie entwickeln, wie man denn theoretisch dieses Ziel erreichen könnte. Und da möchte ich jetzt anknüpfen, wo ich am Anfang schon darauf hingewiesen habe. Ich möchte nämlich sehr gerne mit euch, die ihr daran Interesse habt, einen halben Seminar Tag – also drei Stunden sind das – verbringen, um mit euch zusammen so ein unerreichbares Ziel festzulegen und auch den Weg dorthin festzulegen und auch, um euch zu coachen, also euch zu begleiten bei den aufkommenden Zweifeln, die fast alle von uns haben, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Wer also Lust hat, das mit mir gemeinsam virtuell zu machen, in einer kleinen Gruppe, der ist herzlich eingeladen, am 30. Juli das zu machen – mit mir. Und ich werde euch in den Shownotes oder in der Beschreibung dann den entsprechenden Link reintun, wo ihr alle Informationen dazu sehen könnt. Zu Zeiten, Kosten natürlich auch und alle Details, die euch halt einfach interessieren, wenn ihr Lust habt mitzumachen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn sich ganz viele anmelden, weil ich das aus der Gruppendynamik kenne, dass so ein halber intensiv–Tag schon ausreicht, um einen Großteil des Lebens zu verändern. Wenn man gewillt ist, sich auf neue Gedanken einzulassen. Wer Lust hat, sein unerreichbares Ziel wirklich mal für das zweite Halbjahr jetzt mit aufzunehmen und zu versuchen, zu erreichen, der ist herzlich eingeladen mit mir Ende des Monats zusammenzuarbeiten. Und ich hoffe, dass euch diese Episode helfen konnte, eure Gedanken noch mal vielleicht neu zu ordnen oder überhaupt mal aktiv auf die Idee zu kommen, ein völlig unerreichbares Ziel auszurufen und dann eine Strategie dazu zu entwickeln.

Abschlussworte

Ich wünsche euch ganz viel Spaß dabei. Es macht nämlich super viel Spaß, einfach mal total verrückt zu werden und Ziele zu setzen, die total abstrus sind, um dann zu überlegen: „Ach, theoretisch wie würde man … wie würde jemand anderes das denn erreichen? Jemand, der schon das hat, was ich haben möchte. Wie würde der denn vorgehen?“ Macht euch mal einen Spaß und überlegt euch das wirklich. Und wir sehen uns dann hoffentlich am 30. Juli oder in einen anderen Podcast Episode wieder.

Vielen Dank fürs Zuhören und bis bald.

Outro

Ich danke dir, dass du deine Zeit mit mir verbracht hast. Es würde mir sehr helfen, wenn du diesem Podcast eine Bewertung geben würdest, damit er auch von anderen kreativen Menschen gefunden werden kann. Schreib doch bitte eine kurze Rezension auf dem Portal, wo auch immer du diese Folge gerade gehört hast. Wenn du mehr zur „frei&wunderbar“-Akademie erfahren willst, dann komm rüber zu www.freiundwunderbar.de