Titelbild

Es gibt sie, diese Bücher, die einen packen und nicht mehr loslassen. Ob es ein Liebesroman ist, bei dem man ein Taschentuch nach dem anderen verbraucht, oder ein Thriller, der einem den Atem raubt: Autor_innen, die es schaffen, Emotionen und Gefühle vom Buch auf die Leser_innen zu übertragen, schaffen denkwürdige Romane, die man gerne mehrfach liest.

Was können wir von ihnen lernen? Wie erzeugt man Emotionen?

Im Folgenden gebe ich dir 10 Tipps auf den Weg. Der Trick: Benutze alle davon, nicht nur zwei oder drei.

Gefühl oder Emotion?

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Gefühlen und Emotionen?

Das zu differenzieren ist nicht ganz einfach, denn da draußen gibt es dutzende sich widersprechender Erklärungen.

  • die einen sagen, Gefühle sind selbst erzeugt, Emotionen nur Reaktionen auf äußere Umstände
  • andere sagen, Gefühle sind Reaktionen auf Reize wie Hunger, Kälte, Druck etc., während Emotionen Produkte des Fühlens sind, die erst nach mentalen Vorgängen (Gedanken, Reflexion, Wünschen) erzeugt werden.

Je nach dem, was jemand erklären will, gibt es anscheinend eine andere Erklärung für die Unterschiede.

Um es nicht unnötig kompliziert zu machen, einigen wir uns für diesen Artikel und fürs Schreiben auf das Folgende:

  • Gefühle sind Reaktionen auf physische Reize
  • Emotionen sind Reaktionen psychischer Art
  • Oft spielen beide ineinander.

Emotionen bei Autor_in, Figur und Leser_in

Bevor ich diesen Artikel geschrieben habe, habe ich bei Instagram gefragt, ob ich einen Artikel darüber schreiben soll, wie man Gefühle beim Leser erweckt oder einen, wie man Gefühle bei Figuren beschreibt.

In Wahrheit lässt sich das gar nicht so strikt trennen.

Wenn ich es als Autorin nicht schaffe, meine Figur authentisch etwas fühlen zu lassen, dann wird der Funke auch bei meinen Leserinnen kaum überspringen.

Das heißt: Der/Die Autor_in hat eine Emotion, diese wird von der Figur gespiegelt und das löst wiederum eine Emotion bei dem/der Leser_in aus.

„Man kann nur über etwas schreiben, das man selbst erlebt hat“, habe ich mal irgendwo gehört oder gelesen. Das sehe ich natürlich anders, denn kaum eine schreibende Person hat jemals einen Mord begangen, jemanden gefoltert oder ist mit Elfen in den Krieg gezogen.

Ich würde es so formulieren:

Man kann nur über das schreiben, in das man sich hineinversetzen kann.

Auch wenn ich selbst noch nie mit einer Waffe bedroht wurde, kann ich die Situation in meiner Fantasie durchspielen. Hier unterscheiden sich dann tatsächlich die Texte voneinander: Wer eine besonders blühende Fantasie hat – sich also sehr gut in eine fiktive Situation begeben kann – dem werden Details auffallen, die anderen entgehen, beispielsweise das Zittern der Finger am Abzug, die körperliche Reaktion auf den Stress (Schweißausbruch, Herzklopfen, leere im Kopf), die plötzlich als unendlich gedehnt wahrgenommene Zeit, die bis zum Zerreißen angespannten Nerven, …

Wenn dir das schwer fällt: Man kann es üben. Einfach mal hinsetzen, eine abstruse Situation konstruieren und überlegen, wie du sie beschreiben würdest.

Gut, nachdem wir das geklärt haben, lass uns mal schauen, wie du als Autor_in Gefühle und Emotionen bei Leser_innen auslösen kannst:

Tipp 1: Mache dir klar, welche Emotionen du auslösen willst

Du schreibst einen Liebesroman, aber auf dem Höhepunkt der Geschichte hat deine Figur einfach nur Angst?

Du schreibst einen Krimi, aber auf dem Höhepunkt der Geschichte verliebt sich der Detektiv Hals über Kopf in seine Kollegin?

Selbstverständlich gibt es eine große Bandbreite an Emotionen, die in deinem Roman vorkommen können (und sollten), aber es ist ratsam, schon zu Beginn zu wissen, auf welche (Haupt-)Emotion du hinarbeiten willst.

Normalerweise nutzt du ja ungefähr die erste Hälfte des Romans, um Spannung, Figuren, Setting und alles andere aufzubauen, was sich dann in einem Höhe- oder Tiefpunkt entlädt, zu einer Veränderung der Hauptfigur und/oder der Umstände führt und in der zweiten Hälfte mit anderer Ausgangslage weitergeführt und beendet wird.

Mache dir klar, welche Emotionen du bei/m Leser_in auslösen willst. Oft deckt sich das mit den Emotionen der Figuren, aber nicht immer (beispielsweise kann der Leser einen Wissensvorsprung haben und weiß, dass die Hauptfigur in eine Falle gerät, wenn sie weiterhin durch den dunklen Wald spaziert, fröhlich pfeifend und tanzend. Der/Die Leser_in empfindet dann Spannung und Aufregung, die Figur hingegen Freude).

Was für ein Buch willst du also schreiben? Was sollen die Leser_innen grundsätzlich beim Lesen als hauptsächliches Gefühl empfinden?

Tipp 2: Erschaffe emotionale Figuren

Über die Wichtigkeit „dreidimensionaler Figuren“ brauche ich hoffentlich nichts mehr zu sagen.

Wenn du einen Roman zu lesen anfängst, gehst du ja erst einmal relativ unvoreingenommen in die Geschichte rein. Du lernst die Hauptfiguren kennen und entscheidest unbewusst, ob dich interessiert, was sie erleben, oder nicht.

Eine sympathische Protagonistin, die gleich am Anfang Unrecht erlebt, erzeugt bei dir als Leser_in Mitgefühl, denn wenn jemand, den man nett findet, Ungerechtigkeit erleben muss, finden wir Menschen das gemein (und das ist ja bereits eine Emotion).

Eine Möglichkeit, Leser_innen emotional mitzunehmen, ist also, die Hauptfigur (zunächst) sympathisch anzulegen. Je näher sich der/die Leser_in der Figur fühlt (Stichwort: Identifikation), desto eher wird er/sie/es sich auch emotional auf diese Figur einlassen.

Figuren eignen sich auch zum Hassen

Oh, wie sehr habe ich mich während des Lesens schon geärgert, war empört oder einfach fassungslos über so viel Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit!

Genau das wollen wir als Autor_innen ja auch erreichen: Sowohl positive als auch negative Emotionen.

Hier habe ich mal beschrieben, wie du dein Fieslinge noch fieser machen kannst.

Tipp 3: Nutze überraschende Momente

Überraschung ist eine unglaublich kraftvolle Emotion, die natürlich etwas sparsam benutzt werden sollte, um ihren vollen Effekt zu offenbaren.

Sowohl der Plot als solcher kann überraschende Wendungen haben (Twists) als auch die Figuren.

Beispiel: Ein Junge läuft den Bürgersteig entlang und entdeckt im Gebüsch eine verwundete Katze. Er grinst, nimmt einen Stock und stochert an dem verletzten Tier herum. Dabei lacht er, verpasst ihr einen Tritt und geht weiter.

Diese Emotion des Jungen (Schadenfreude), gepaart mit einer für die meisten Leser_innen nicht nachvollziehbaren Handlung, wirkt überraschend. Die zu erwartende Emotion der Leser_innen ist negativ: Sie empfinden zuerst Mitleid mit der Katze, dann vielleicht Ekel, Unverständnis und definitiv Antipathie mit dem Jungen.

Durchbrich also ruhig ab und zu die Erwartungshaltung der Leser_innen, indem du eine Figur (immer im Einklang mit ihrer Charakterisierung!) überraschend handeln lässt.

Zur Erklärung mit dem Jungen: Hintergrund seines fehlenden Mitgefühls könnte sein, dass er in seinen jungen Jahren bereits gelernt hat, dass jeder sich selbst der Nächste ist. Wer Schwäche zeigt, wird ausgenutzt – und wer die Schwäche anderer nicht ausnutzt, der droht, selbst zum Opfer zu werden! In seinen Augen ist die Katze selbst Schuld an ihren Verletzungen und hat es nicht anders verdient als gepiesackt zu werden. Sie muss (in seinen Augen) lernen, besser auf sich aufzupassen und Menschen aus dem Weg zu gehen.

Tipp 4: Zeige, statt zu erzählen

Der Lieblingstipp vieler Schriftsteller_innen: Show, don’t tell!

Auch wenn du es nicht mehr hören kannst, aber die Herangehensweise, in einer Szene Emotionen zu zeigen, statt sie zu erzählen, wird deinen Roman auf eine ganz andere Ebene heben.

Sehen wir uns ein Beispiel an:

Angenommen, wir wollen beschreiben, wie unsere Protagonistin – eine noch unerfahrene Jugendliche – allen Mut zusammennimmt und ihren Schwarm verführen will.

Als Anfänger beschreibt man das häufig erzählend:

Langsam öffne ich den Reißverschluss des Zeltes. Noch ist alles still. Unbeholfen kraxele ich auf allen Vieren hinein, wobei X aufwacht.
„Ich bin es nur“, flüstere ich.
„Was ist los?“, fragt er.
Ich weiß nicht, was ich darauf antworten soll. Langsam und ohne ein weiteres Wort ziehe ich mir mein Nachthemd über den Kopf und halte es mir vor die Brust.

Zwar kann diese Szene durchaus von dem einen oder anderen als „spannend“ empfunden werden – immerhin wissen wir, dass es hier um Intimität geht und wir können uns als Leser_innen in die Zeit zurückversetzen, als das alles für uns auch noch mega aufregend war (Nebenbemerkung: auch Jahre später gibt es natürlich noch ähnlich aufregende Situationen 😉 ) – aber so richtig viel Emotion kommt eigentlich nicht rüber.

Ich habe diese Situation aus Anne Freytags „Mein bester letzter Sommer„* und natürlich beschreibt die Autorin diese Szene in echt viel emotionaler. Schauen wir uns das mal an. Ich habe die „Show“-Stellen fett markiert:

Erst als ich auf allen vieren unbeholfen ins Zelt krieche, schreckt er hoch.
„Ich bin es nur“, flüstere ich, als er sich das Haar aus der Stirn wischt und mich panisch ansieht.
„Was ist los?“, fragt er und seine Stimme klingt ungewohnt rau.
Ich sehe ihn nur an, aber ich kann nicht sprechen. Die Nervosität schnürt mir die Kehle zu.
„Geht es dir gut?“
Ich nicke kurz.
„Sicher? Ich meine …“
Ich strecke meine zitternden Finger aus und lege sie auf seine Lippen. Mir wird erst jetzt klar, wie unglaublich kalt sie sind, als sie auf seine Wärme treffen.
X sieht mich an. Erwartungsvoll. Und vielleicht etwas unsicher.
Ich atme einmal tief ein und schließe kurz die Augen, dann ziehe ich mir langsam das Nachthemd über den Kopf, halte es mir aber verunsichert vor die Brust.

Die Autorin benutzt hier mehrere Stilmittel, um eine gewisse Stimmung und damit verbunden auch bestimmte Emotionen zu erzeugen: Sie spricht diverse Sinne an (mehr dazu gleich), mischt Beschreibungen, Erzählung (tell) und „Show“, und schafft es durch die Handlung der Ich-Erzählerin, uns das Grundgefühl „Nervosität“ zu übermitteln.

Tipp 5: Foreshadowing

Ein effektives Mittel, das du aber wirklich, wirklich, wirklich nur sehr dosiert einsetzen solltest, ist das so genannte „Foreshadowing“, also die Andeutung, dass sich zukünftig noch etwas Schlimmes (oder Gutes) ereignen wird.

Typischerweise lautet ein solcher Satz: „Hanna ahnte noch nichts von den Qualen, die sie wenige Stunden später erleiden sollte, als sie an diesem Morgen unbekümmert den Teelöffel in ihrer Tasse kreisen ließ.“

Als Leser_innen sind wir auch bereits darauf trainiert, Unheil zu erwarten, wenn eine Situation „zu schön ist, um wahr zu sein“. Wenn also für deine Figur gerade alles super läuft, ahnt der/die Leser_in bereits, dass demnächst etwas passieren wird, was diese Idylle trübt. Das erzeugt dann ein Gefühl von Spannung.

Tipp 6: Erhöhe die Fallhöhe

Ich habe bereits ausführlich in diesem Podcast darüber gesprochen, wie du die Fallhöhe deiner Figuren mit der Zeit ausbauen kannst.

Je mehr für deine Figur auf dem Spiel steht, desto spannender ist es und desto mehr fiebert man als Leser_in mit.

Voraussetzung dabei ist, dass wir Leser_innen uns bereits emotional mit den Hauptfiguren verbunden haben, denn sonst ist es uns ziemlich egal, was Schlimmes passiert. Je größer unsere Verbundenheit mit der Figur ist, desto mehr leiden, fiebern und freuen wir uns mit ihr.

Tipp 7: Erschaffe Dilemmata

Was Menschen emotional richtig in Bedrängnis bringen kann, ist die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Wir versuchen ja, in unseren Leben immer „richtig“ zu entscheiden (was natürlich für jeden was anderes bedeutet). Niemand entscheidet sich gerne zwischen zwei schlechten Alternativen.

Wenn wir eine Geschichte lesen, erleben wir das Geschriebene mit. Wir lassen uns auf die Welt ein, die die Autor_innen erschaffen haben und die Hauptfiguren treffen an unserer Stelle Entscheidungen.

Ein Dilemma ist deshalb so emotional behaftet, weil es kein „Richtig“ und „Falsch“ gibt. Ist eine Figur einem Dilemma ausgesetzt, fragen wir uns gespannt, wie sie sich entscheiden wird – und hoffen auch insgeheim, eine Entscheidungsgrundlage für uns daraus mitnehmen zu können, falls wir mal in ein Dilemma geraten.

Beliebtes Beispiel für ein Dilemma:

Tom ist Weichensteller bei der Bahn. Er sieht, dass eine Lok auf eine Gruppe von fünf Bahnarbeitern zurast, die sterben werden, wenn Tom nichts unternimmt.
Er kann die Weichen umstellen und den Zug so lenken, dass er eine andere Richtung nimmt, aber auf dem anderen Gleis arbeitet ebenfalls jemand.
Darf er den Tod einer Kauf Person in Kauf nehmen, um fünf zu retten?

Dieses Dilemma gibt es in zigfacher Variation und du kannst es dir beim Schreiben ebenfalls zu Nutze machen. Wie kannst du eine Situation konstruieren, in der sich deine Figur zwischen zwei falschen Dingen entscheiden muss?

Tipp 8: Symbolik und Setting beachten

Eigentlich ist dieser Tipp noch ein Teil von „Show, don’t tell“, aber mit einem etwas anderen Schwerpunkt. Dieser Tipp stammt von Autorin und Lektorin Anke Müller, die auf ihrem Blog auch tolle Beiträge zum Schreiben hat.

Wenn du eine Szene beschreibst, dann vergiss nicht, auch den Ort des Geschehens zu „zeigen“. Einerseits ist das gut, um sich als Leser_in zu orientieren (die Atmosphäre in einer 150 Jahre alten Bibliothek ist eine andere als in der Uni-Bibliothek, die letztes Jahr gebaut wurde; und Atmosphäre beeinflusst Emotionen), andererseits kannst du das Setting auch für Symbolik verwenden.

Stell dir beispielsweise vor, wir haben einen Raum, in dem eine kleine Kette mit einem goldenen Herz auf dem alten Nachttisch liegt. In dem Anhänger ist ein altes Foto einer lachenden Frau. Wir lernen in der Szene, dass die Frau die verstorbene Mutter des Protagonisten ist und diese Kette das Einzige, was er von ihr noch hat.
Wenn im Laufe der Geschichte diese Kette verschwindet oder zerstört wird, löst das bei Figuren und Leser_innen Emotionen aus, weil wir mit der Kette mehr verbinden als ein schnödes Schmuckstück. Es repräsentiert Erinnerungen, Mutterliebe, Verlust, Schmerz und Vertrauen in einem. Man sagt, der Gegenstand ist „emotional aufgeladen“.

Tipp 9: Verändere die Emotionen

Wenn du dich bereits damit beschäftigt hast, wie man Szenen spannend gestalten kann, dann ist dir dieser Tipp womöglich bekannt.

Jede Szene sollte irgendeine Art von Veränderung mit sich bringen.

Laut Robert McKee in „Story„* gibt es drei Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um in einer Szene Emotionen zu erzeugen:

  1. Leser_innen müssen eine Verbindung zum Protagonisten haben
  2. Wir müssen wissen, was die Figur will (Ziel/Absicht)
  3. Wir müssen die Werte kennen, die der Figur wichtig sind

Emotionen sind kurzweilig. Wenn wir eine Figur dabei begleiten, wie sie vom „Tellerwäscher zum Millionär“ wird, und auf dem Höhepunkt der Geschichte alles erreicht hat, was sie sich immer erträumt hat, fragen wir uns als Leser_innen: „Und nun?“ Wir wollen, dass die Geschichte weitergeht, wir wollen mehr Emotionen haben.

Wenn die Geschichte zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Höhepunkt positiver Emotionen ist, gibt es nur einen Weg: Abwärts. Und zwar tiefer als zu Beginn der Geschichte.

Das ist mit „Veränderungen der Emotionen“ gemeint. Am Anfang fiebert man mit dem armen Typen mit, der so gerne ein schönes Leben führen würde, aber nicht die Mittel hat. Er wird reicher, wir freuen uns mit ihm, und irgendwann hat er sein Ziel erreicht. Ein emotionaler Roman schafft es, auf diesem Weg viele positive und negative Emotionen hervorzurufen: Vielleicht geschieht ihm anfangs viel Ungerechtigkeit, dann hat er mal Glück, das aber zu einem neuen Unglück führt. Er arbeitet sich hoch, bekommt den verdienten Lohn, der ihm dann aber geraubt wird. Er lernt jemanden kennen, verliebt sich, bekommt einen neuen Job und alles wirkt harmonisch (= er hat seine Ziele erreicht, nun muss was Schlimmes passieren), doch dann stellt sich heraus, dass seine neue Flamme eine Betrügerin ist, die ihm alles Geld abnimmt und Schulden hinterlässt. Statt in einer armen Familie, wie am Anfang, muss unser Typ nun auf der Straße leben. Aber er gibt nicht auf. Er besinnt sich auf seine Motivation und seine Träume, findet einen Ausweg aus seiner Situation, wird ein ehrlicher Geschäftsmann und kämpft sich zurück ins Leben. Letztlich wird er glücklich und wir als Leser_innen gönnen ihm das von Herzen und lassen ihn seiner Wege ziehen.

Dieses „Auf und Ab“ der Emotionen ist wichtig, um Leser_innen zum Weiterlesen zu animieren. Letztlich kannst du jede Szene so aufbauen, dass sie mit einer positiv oder negativ aufgeladenen Emotion beginnt und mit einer gegenteiligen Emotion endet – oder wenigstens zwischendrin eine entsprechende Veränderung vorgenommen wird.

Tipp 10: Lasse deinen Erfahrungsschatz einfließen

Eingangs habe ich gesagt, dass man sehr wohl über Dinge schreiben kann, die man so nicht selbst erlebt hat. Wie geht das?

Einerseits, indem du deine Fantasie arbeiten lässt, aber andererseits auch, indem du Emotionen aus Situationen, du du wahrhaftig erlebt hast, auf neue Situationen überträgst.

Beispiel:

Nehmen wir an, du hast in deinem Leben schon einmal so richtig heftigen Liebeskummer erlebt. Nicht einfach nur Trauer darüber, dass eine Beziehung auseinandergegangen ist, sondern dieses Gefühl, dass du ohne den anderen nicht leben kannst und die Welt ihr Licht verloren hat, seit du verlassen wurdest. Dieses Gefühl, als hättest du kein Herz mehr, sondern nur noch ein klaffendes schwarzes Loch in der Brust, das bis zum Rand mit Wehmut, Trauer und Aussichtslosigkeit gefüllt ist.

Wenn du jetzt in deinem Roman eine traurige Szene über Abschied (Liebeskummer, Tod) schreiben musst, kannst du dich in die Zeit deines Liebeskummers zurückversetzen (was weh tun wird) und die aufkommenden Emotionen aufschreiben.

Du kannst mit diesen Erfahrungen beschreiben, wie sich die Protagonistin fühlt, nachdem ihr Vater gestorben ist. Zwar hast du als Autor_in diesen Verlust (hoffentlich) nicht selbst erlebt, aber du weißt, wie es sich anfühlt, einen geliebten Menschen nicht mehr im Leben zu haben. Diese Erfahrung überträgst du.

Anderes Beispiel:

Dein Protagonist ist der Zwerg Halmel, der mit seinem Volk in die Schlacht gegen einen Drachen ziehen soll.
Welche Emotionen erlebt er hierbei wohl?

Vielleicht hast du selbst mal erlebt, dass du in eine sehr unangenehme Situation gehen musstest, sei es eine Gehaltsverhandlung, ein Gerichtstermin, ein Auftritt auf einer Bühne oder etwas anderes. Was waren deine Ängste und wie lässt sich das auf Halmel übertragen?
Wie wird die Atmosphäre sein, wenn eine bedeutende Schlacht ansteht? Worüber sprechen die Zwerge untereinander, wie bereiten sie sich und ihre Waffen vor?

Überlege, ob es Situationen aus deinem Leben gibt, bei denen du ähnliche Gefühle/Emotionen hattest wie deine Figuren in ihrer Situation. Versetze dich zurück in die Gefühle von damals und übertrage das auf die fiktive Szene.

Alle Punkte sind wichtig

Das waren 10 Möglichkeiten, um Emotionen beim Lesen auszulösen. Wie du siehst, ist immer das Zusammenspiel von Autor_in, Figuren und Leser_innen betroffen, man kann es nicht voneinander trennen. 

Je mehr du alle diese Dinge in deinem Buch berücksichtigst, desto höher ist die Chance, die gewünschten Gefühle zu erwecken.

Jetzt hätte ich von dir gerne mal gewusst, bei welchem Roman du besonders viele oder tiefgehende Emotionen hattest. Beim Lesen welches Buches musstest du weinen, und welche Buch hast du vor Ärger in die Ecke gepfeffert? Ich bin gespannt auf deine Empfehlungen!