Vom Schreiben leben
Autorenleben Persönliches Freud und Leid der Selbstverleger

Freud und Leid der Selbstverleger

 

Zugegeben, ich bin noch nicht so lange im Business, dass ich mit großen Erfahrungswerten aufwarten könnte, aber ich möchte euch – und vor allen den interessierten Autoren – gerne meine bisherigen Erfahrungen als Indie-Autorin mitteilen.

Die Vorteile

Natürlich gibt es einige Vorteile, die man als Indie hat – sonst würde es wohl kaum einer machen. Ich habe festgestellt, dass ich es genieße, alles selbst in der Hand zu haben: Vom Textinhalt über die Textgestaltung bis hin zur Entscheidung über das Cover und der Vermarktung. Ich kann meine Werbemaßnahmen gut messen, weil ich über alles die Kontrolle habe. Ich weiß, wen ich weshalb anschreibe, wie viele Absagen ich ernte oder wo mein Buch hingeschickt wird, um eine Rezension zu erhalten. Das heißt ja nicht, dass ich alles selbst machen muss: Ich habe für „Auf die Freundschaft!“ eine Lektorin und eine Coverdesignerin engagiert. Aber es war meine Entscheidung, an wen ich den Auftrag vergebe!
Hinzu kommt, dass ich entscheiden kann, wo das Buch verkauft wird: Nur Amazon? Taschenbuchversion ja oder nein? Gehe ich über einen Distributoren wie neobooks oder bookrix?

Wenn sich das eigene Buch ganz gut verkauft, ist das Balsam für das eigene Selbstbewusstsein. Es bleibt das Gefühl von „Das habe ICH gemacht!“. Wenn eine Aktion gut ankommt, wenn sich das Buch verkauft, wenn es sogar Fanpost gibt, dann schreibe ich mir das alles auf die eigene Kappe. Gleichzeitig kann ich auf der anderen Seite niemandem die Schuld in die Schuhe schieben. Die Fähigkeit, Kritik anzunehmen, wird also kontinuierlich geschult, was im Grunde auch ein Vorteil ist.

Nicht zu vergessen ist natürlich der finanzielle Aspekt: Du verdienst mehr als Indie-Autor, jedenfalls was den Pro-Buch-Gewinn angeht. Wo Verlagsautoren pro Buch vielleicht 30 Cent erhalten, kann ein Indie mit 1,50 EUR pro Buch glänzen. Gerade im Bereich der E-Books ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil! Viele Verlage konzentrieren sich noch immer auf das Kerngeschäft der Paperbacks und bieten die E-Book-Versionen nur an, um modern zu erscheinen. Wenn ich aber ein Taschenbuch für 9,90 haben kann und für das E-Book 8,90 zahlen soll, fehlt mir das Verständnis. Schließlich gibt es beim E-Book keine Materialkosten oder Druckkosten! Aber ich schweife ab. Wenn man es als Indie gut anstellt und das Marketing läuft, verdient man pro verkauftem Buch mehr. Punkt.

Als Indie-Autor bist du nicht an die Vorgaben eines Verlages gebunden. Das heißt, es gibt mehr Freiheiten, beispielsweise kann ein Indie-Autor so viele Werke wie er will im Jahr veröffentlichen, falls er einige Werke in petto hat. Bei Verlagen ist es häufig so, dass ein Autor ein Buch im Jahr produzieren „darf“, wobei sich das wohl auch so langsam ändert.

Es gibt aber auch Nachteile:

Grund für diesen Artikel ist nämlich genau einer dieser Nachteile: Mangelnde Anerkennung.
„Du hast ein Buch geschrieben? Cool! Und bei welchem Verlag? Wie, kein Verlag?? Ach so…“
So oder so ähnlich sind viele Reaktionen, wenn ich von meiner Tätigkeit erzähle. In meinem direkten Umfeld ist das Interesse zwar ungebrochen, aber insbesondere wenn man sich offiziell irgendwo vorstellen möchte (beispielsweise in Zeitungen), habe ich oft die Rückmeldung erhalten, „Bücher im Eigenverlag besprechen wir nicht“. Kategorische Ablehnung. Mit einer Redakteurin habe ich daraufhin gesprochen und sie gibt zu, dass bei vielen Zeitungen die Meinung vorherrscht, Bücher von Selbstverlegern seien qualitativ minderwertiger als Verlagsbücher. Ich will ja gar nicht behaupten, dass das im Einzelfall nicht so sein kann! Es gibt viele Bücher von Indie-Autoren, die von der Aufmachung her amateurhaft wirken, auch wenn sie eine tolle Geschichte haben. Und jeder von uns hat doch schon mehr als ein Mal ein Verlagsbuch gelesen, das entweder viele Fehler hatte oder eine derart langweilige Geschichte, dass man das Buch nicht zu Ende gelesen hat. Trotzdem: Das Image der Indie-Autoren ist vorurteilsbehaftet und verschließt einem so manche Tür.

Auch wenn man mehr Tantiemen bekommt: Vor dem Gewinn steht die Investition. Der Indie-Autor muss Vorschuss leisten, ohne zu wissen, ob es sich rentieren wird. Er muss viel Geld bezahlen, um einen professionellen Lektor zu engagieren (ja, das MUSS er! Verzichtet niemals auf ein Lektorat, liebe Autoren!) und einige weitere Euros für sowas wie das Cover, wenn er es nicht selbst kann. Die meisten Werbeeinnahmen kriegt man umsonst hin, aber es entstehen dennoch Kosten für den Webseitennamen, eine Erwähnung auf xtme.de kostet ebenfalls und wenn Flyer, Visitenkarten, Postkarten oder andere Dinge gedruckt werden sollen, bezahlt das der Autor (meistens im Voraus, bevor er für sein Buch bezahlt wurde). Nicht zu vergessen: Jedes Buch, das der Autor beispielsweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung stellt, ist bares Geld, das er verliert. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass es egal ist, ob man sich sogenannte „Autorenexemplare“ bei CreateSpace in den USA bestellt (die kosten etwa die Hälfte des Bruttoverkaufspreises) oder ob man die Exemplare direkt bei Amazon bestellt und sich liefern lässt. Dank der Zolleinfuhrkosten und Transportkosten zahlt ein Indie-Autor für ein Exemplar seines Buches das gleiche wie die Leser. Kommen nun also zehn Leser auf mich zu und bitten um ein signiertes Exemplar, muss ich die zehn Bücher für 79,90 EUR Beo Amazon bestellen und nach und nach das Geld einfordern. Sicherlich gibt es auch andere Methoden. Aber wenn ich zum Beispiel mal eine Lesung geben würde, dann will ich ein paar Exemplare mitnehmen, also muss ich das Geld vorschießen, ohne zu wissen, ob ich es wieder reinbekomme.
Auffälliger ist dies noch bei Großbestellungen, wie nicht über CreateSpace laufen, sondern über andere Anbieter. Hier zahlen Indie-Autoren teilweise mehr als 1.000 Euro im Voraus, um sich ein Bücherlager aufzubauen.

Zeitmangel ist ein weiterer Faktor, damit meine ich: Ein Indie-Autor ist nicht einfach Autor. Er ist zusätzlich auch Webdesigner, Marketeer, Pressesprecher, Coverdesigner, Buchhalter, Setzer, Techniker, Sekretär, Geschäftsführer und so weiter. Oft bleibt für das eigentliche Schreiben nur die Hälfte der eigentlichen Zeit übrig. Wenn ein Verlag also die übrigen Rollen übernimmt, kann der Autor doppelt so viel schreiben wie ein Indie-Autor. Zumindest theoretisch.

 

Soweit meine Erfahrungen zum Thema Selfpublishing. Es ist natürlich nur ein kleiner Abriss. Jeder angehende Autor entscheidet für sich selbst, was ihm wichtig ist: Wer die Ungebundenheit liebt, weiß die Freiheit bei Indies zu schätzen. Wem es davor graut, eine Webseite aufzubauen und Tag und Nacht über Marketingmaßnahmen nachzudenken, der liebäugelt vielleicht eher mit einem Verlag (wobei ich gelesen habe, dass auch hier immer mehr Eigeninitiative vom Autoren verlangt wird).

Die Vorteile beider Methoden vereint natürlich die neu entstehende Spezie „Hybrid-Autor“. Das sind Autoren, die sowohl in einem Verlag veröffentlichen als auch in Eigenregie (natürlich unterschiedliche Bücher, bzw. unterschiedliche Formate). Man wird als „echter Autor“ anerkannt, wenn man sagen kann, man arbeite für einen Verlag, was sich positiv auf die Indie-Tätigkeit auswirken kann. Die Freiheiten, die einem bei seinem Verlagsbuch fehlen, kann man als Indie ausleben, und so weiter. Mein Ziel ist daher im Moment: Ich werde mein neues Projekt trotzdem Verlagen vorstellen. Und wenn mich einer nimmt, heißt das ja nicht, dass ich nie wieder Indie sein will.

So, liebe Autoren: Wie sind eure Erfahrungen mit beiden Veröffentlichungsmöglichkeiten?

 

Annika Bühnemann hat eine Mission: kreative Frauen wie dich dabei zu unterstützen, endlich ihr eigenes Buch zu schreiben. Mehr noch: Sie hilft dir, durch Journaling zu der Person zu werden, die erreicht hat, was du dir wünschst. Annika ist multipassioniert, enthusiastisch und hochmotiviert, mit denjenigen zu arbeiten, die sich von ihr anstecken lassen. Auf dass du mit dem Kopf in den Wolken hängst und fest mit der Erde verwurzelt bleibst!

Comments

  • 12. September 2013

    Liebe Annika,

    ein sehr schöner Bericht. Bringt es auf den Punkt und ich kann das als Indie auch nur unterschreiben. Wirklich alles!

    Dank dir!

    Liebe Grüße, Lana

Post a Comment

t

Laurent Fine dining,
107 Duncan Avenue, New York
914-309-7030,
Open: 09:00 am – 01:00 pm