Bei meinem Gastauftritt bei den Schreibdilettanten haben wir darüber gesprochen, wie wichtig es ist, dass sich Autoren über ihr Schreiben austauschen und sich mit Menschen vernetzen, die bereits dort sind, wo sie hinwollen. Die beiden Videos verlinke ich dir am Ende des Beitrags. Heute möchte ich die Frage aufnehmen, die mir @Frau_Mura auf Twitter gestellt hat:

Networking

 

Gute Frage! Wo findet man Menschen, die einem einen Schritt voraus zu sein scheinen und wie tritt man mit ihnen in Kontakt?

 

Die neue Macht der sozialen Medien

 

Vor dem Internetzeitalter war es meiner Meinung nach sehr viel schwieriger, Kontakt zu Personen aufzubauen, die man bewundert oder die einem helfen können. Die Grundprinzipien sind jedoch nach wie vor gleich geblieben, nur die Umsetzung hat sich verändert. Heutzutage kannst du mit Hilfe der sozialen Netzwerke sehr einfach mit Autoren, Lesern oder Bloggern Kontakt aufnehmen, auch zu denjenigen, die sehr viel mehr verkauft haben, eine viel größere Reichweite haben oder aus anderen Gründen von dir in die Kategorie „Ist mir einen Schritt voraus“ gesteckt wurden.

Ich werde dabei nicht auf jedes Netzwerk im Einzelnen eingehen, da sich die Prinzipien übertragen lassen. Viel wichtiger ist mir, dass deine Einstellung zu dieser Sache die richtige ist und du nicht in häufige Fettnäpfchen trittst. Hier also das Einmaleins des Networkings:

 

1 .  Wen suchst du?

 

Bevor du wie wild irgendwelche Autoren, Blogger oder andere Menschen anschreibst, dich auf sozialen Netzwerken anmeldest und plötzlich keine Zeit mehr hast, um Bücher zu schreiben, nimm dir eine halbe Stunde Zeit und überlege, wen du überhaupt suchst.

Möchtest du dich mit Gleichgesinnten austauschen?
Möchtest du mehr Kontakt zu Autoren? Auch hier: Suchst du als Debütant andere Debütanten, um Erfahrungen auszutauschen, oder suchst du nach Autoren, die bereits veröffentlicht haben? WARUM möchtest du dich mit ihnen vernetzen?
Möchtest du mehr Leser auf dich aufmerksam machen?
Möchtest du Kontakt zu Bloggern, Verlagen oder Agenturen aufbauen?

Natürlich kannst du auch all diese aufgezählten Dinge als Ziel setzen, aber lass dir gesagt sein, dass es einen hohen Zeiteinsatz fordert. Ich empfehle dir daher, sich zunächst ein Ziel vorzunehmen (zum Beispiel, Kontakt zu Autoren aufzunehmen, die bereits veröffentlicht haben).

 

2 . Finde passende Menschen

 

Nun kommt der aufwändige Teil: Die passenden Menschen auch finden. Am einfachsten finde ich das über Instagram, da du hier einfach über die jeweiligen Hashtags Accounts findest, die zu deinen Interessen passen (ich werde im Rahmen der Instagram-Challenge #wirsindtraumfaenger darüber schreiben, stelle also sicher, dass du dich in den Verteiler für die 31 Tipps einträgst!)

Auch bei Twitter lassen sich Menschen über Hashtags finden, oder über gemeinsame Bekannte. Wenn du bereits auf Twitter, Facebook oder einem anderen Netzwerk unterwegs bist, schaue dir an, mit wem deine „Freunde“ befreundet sind, mit wem sie interagieren und ob es eine Überschneidung gibt.

Beispiel: Wenn du mit mir auf Facebook befreundet bist, kannst du durch einen Klick auf meine Freundesliste sehen, dass ich beispielsweise auch mit Autorinnen A und B befreundet bin. Diese wiederum scheinen aktiv zu sein, haben schon Bücher veröffentlicht und die Interaktion auf ihre Beiträge ist sehr rege. Außerdem schreiben sie im gleichen Genre. Wenn du dir also vorgenommen hast, Kontakte zu anderen Autoren aufzubauen, könntest du diese beiden Autorinnen im Auge behalten. Ich würde ihnen nicht gleich eine Freundschaftsanfrage schicken, dazu gleich mehr.

Kontakte über Gruppen

Gerade auf Facebook gibt es außerdem die Möglichkeit, sich Gruppen zu suchen, die auf den Austausch spezialisiert sind, beispielsweise die Gruppe „Autoren und solche, die es werden wollen„. Dort tummeln sich sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene. Wenn du keine Ahnung hast, welche Gruppen passend sein könnten, schau doch mal das Profil eines Autors durch, der gut vernetzt zu sein scheint: Auf dem Profil unter dem Button „Mehr“ kannst du bei vielen Menschen den Punkt „Gruppen“ aufrufen und so sehen, in welchen öffentlichen Gruppen sie Mitglied sind.

Persönliche Empfehlung

Wenn du schon mit Menschen in Kontakt bist, frage sie, ob sie Empfehlungen haben, wen man unbedingt kennen sollte. Das gilt besonders für Blogger: Viele Autoren haben bereits Erfahrungen mit diesem und jenem Blogger, es existieren mit Sicherheit hunderte Listen in den Schreibtischen dieser Welt, auf denen Blogs aufgelistet wurden, zu denen man Kontakt aufbauen sollte. Als Faustregel empfehle ich dir: Von klein nach groß. Was heißt das?

 

3 . Wäge ab, wen du ansprichst

 

Angenommen, du möchtest dich gerne mit 20 neuen Autoren verbinden, die alle im Gegensatz zu dir schon Bücher veröffentlicht haben. Du hast das Netzwerk deiner Wahl durchforstet und stellst fest, dass ziemlich viele Menschen deinen Kriterien entsprechen. Zuerst findest du Dauerbestseller-Autorinnen, in ein paar Gruppen gibt es auch Autoren, die zwar nicht viel zu verkaufen scheinen, aber wenigstens schon Bücher draußen haben. Auf jeder „Fortschrittsstufe“ findest du passende Menschen.

Ich empfehle dir, nicht sofort die Bestsellerautoren anzuschreiben. Suche dir zunächst Kolleginnen und Kollegen, die einen oder zwei Schritte voraus sind, nicht fünfundzwanzig. Das hat mehrere Vorteile:

  • du bist selbstsicherer, weil dein Respekt vor jemandem, der nur einen Schritt weiter ist, nicht so übermannend ist wie bei denen, die bereits fünfundzwanzig Schritte weiter sind
  • die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kontakt entsteht, ist sehr viel höher, da die Bestseller-Autoren in der Regel jeden Tag hunderte Anfragen und Nachrichten bekommen und du schnell übersehen wirst
  • du kannst im Kleinen üben, deine Kontakte und Reichweite ausbauen und so Stück für Stück den Kreis erweitern

 

4 . Erst helfen, dann kontaktieren

 Wenn ich Facebook öffne, werden mir jedes Mal neue Freundschaftsanfragen angezeigt. Rund 660 Anfragen sind es jetzt und ich habe nicht vor, auf sie einzugehen. Warum nicht? Weil ich diese Menschen alle nicht kenne (okay, also falls ich dich doch kenne und deine Anfrage noch nicht angenommen habe, schreib mir eine FB-Nachricht, ja?).

Was ich damit sagen will: Warum sollte ich mich mit jemandem austauschen wollen, bei dem ich keine Ahnung habe, wer er ist, was er macht oder warum ich mit ihm sprechen sollte? Das mag überheblich klingen, aber diese Kriterien wandern automatisch durch meinen Kopf, wenn ich eine Freundschaftsanfrage bekomme. Wenn du bisher noch nie für mich in Erscheinung getreten bist, warum sollte ich deine Anfrage jetzt annehmen?

Daher mein Praxistipp, den ich auch selbst auslebe, und zwar, weil ich es zu 120 % genau so meine:

Sei hilfsbereit. Unterstütze. Teile. Lerne den anderen kennen.

Es gibt einige Autoren, Leser oder Blogger, die ich im wahren Leben zwar noch nie getroffen habe, die mir aber durchaus bekannt sind, weil sie meine Beiträge kommentieren, teilen, mich unterstützen und mir in meinen Projekten helfen.

Ich wiederum unterstütze andere Menschen auch, biete meine Hilfe an und verfolge einige Personen online, die ich für verschiedene Gründe bewundere. Wenn dann mal irgendwann eine Freundschaftsanfrage oder eine Nachricht von mir kommt, wissen sie schon, dass es mich gibt.

Schwierig ist hierbei, den Grat zwischen „hilfsbereit“ und „nervig“ zu wahren. Es gibt nämlich durchaus Menschen, die sich geradezu aufdrängen und nahe an die Grenze „nervtötend“ geraten, weil sie jeden Pups kommentieren, liken und teilen.

Schalte deinen Verstand ein, sei ein ganz normaler Mensch (haha, als ob das bei Schriftstellern möglich wäre 😂) und kommuniziere auf erwachsener, respektvoller Ebene.

Hab Geduld.

5 . Kontaktieren

 

Wenn du das Gefühl hast, dass dich der andere Autor schon kennt, kannst du Kontakt aufnehmen und zB eine Nachricht schreiben. Gerade bei Facebook würde ich immer eine Nachricht mit einer Freundschaftsanfrage mitschicken, in der so etwas stehen kann wie „Hey XY, ich verfolge schon eine Weile deine Beiträge und finde es toll, wie du deinen Traum wahrgemacht hast. Ich würde mich freuen, wenn du meine Freundschaftsanfrage annimmst!“

Der andere wird sich dann dein Profil ansehen und die Anfrage entweder annehmen oder eben nicht. Wenn dir ernsthaft etwas an der anderen Person liegt, wird dich eine Absage aber nicht entmutigen. Schließlich folgst du ihm nicht aus Eigennutz, sondern weil er Dinge kann, die du noch lernen willst. Auch ohne direkten Kontakt kannst du aus seinen Beiträgen, Büchern, Bildern oder Texten lernen.

6 . Weiterhin helfen und geben

 

Ich glaube, es war Gary Vaynerchuk, der sinngemäß die Formel „Jab, jab, jab, right hook“ geprägt hat. Es ist eine Metapher dafür, dass man im Social Media Marketing immer zuerst viel geben sollte, ehe man selbst etwas einfordert. Persönlich mag ich den Gedanken eines „right hooks“ gar nicht, denn ich will niemanden niederschlagen 😉 aber du weißt hoffentlich, was gemeint ist: Wenn jemand deine Kontaktanfrage annimmt, heißt das nicht, dass du ihn jetzt zum Liken deiner Seite aufrufen kannst oder dass du ihm dein aktuelles Buch unter die Nase halten solltest.

Bitte nicht. Das ist so nervig! Menschen, die sich so benehmen, werden gleich wieder entfreundet.

Nein, sei einfach weiterhin so, wie du auch vorher warst: Hilfsbereit, ein guter Zuhörer, ein Unterstützer. Glaube mir, das ist der Schlüssel zu einer langanhaltenden Beziehung zu Menschen aus deiner Branche. Wer sich tatsächlich für den anderen interessiert, ohne eigene Belange in den Vordergrund zu stellen, hat die Nase vorn.

 

7 . Um Unterstützung bitten

 

Es kann Monate dauern, ehe du dich traust, einen deiner Autoren, die du dir „ausgesucht“ hast, um einen Gefallen zu bitten. Oft ist es sogar so, dass du von dir aus gar nichts mehr in die Wege leiten musst, weil der Autor dich schon von sich aus unterstützt. Ist das nicht der Fall, kannst du jetzt auch um Kooperationen bitten: Ein Interview auf deiner Webseite, ein gemeinsames Video, eine Rezension, ein so genanntes Shoutout, … was auch immer dein Ziel ist, überlege dir, wie die Person deiner Wahl dir helfen kann, nachdem du sie über lange Zeit zuvor unterstützt hast.

 

Tipp: Nutze die Buchmessen!

 

Ein Tipp noch bevor wir zu den Dingen kommen, die du auf keinen Fall machen solltest: Die Buchmessen sind perfekt, um Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich dir sagen, dass ich mich auf Messen zu 99 % mit Menschen treffe, die ich seit Monaten oder Jahren vorher online kennengelernt habe. Manche treffe ich jedes Mal und wir vertiefen unsere Beziehungen, andere sehe ich zum ersten Mal live.

Und eines habe ich ganz deutlich gemerkt: Wenn ich mich mit jemandem auf einer Buchmesse unterhalten habe, fällt er mir später im Netz viel schneller auf. Idealerweise verabredest du dich für die Messe mit einer Person, die schon andere Autoren kennt und du lässt sich auf der Messe anderen vorstellen. Es geht nichts über ein Treffen von Angesicht zu Angesicht!

 

3 Dinge, die du vermeiden solltest

 

  1. Anonyme MassennachrichtenNiemand mag das Gefühl, einer von vielen zu sein. Nimm dir die Zeit und schreibe jeden Menschen einzeln mit einer individuellen Nachricht an, wenn du einmal soweit bist, Kontakt aufzunehmen.
  2. Nur aus Eigennutz agieren
    Behalte stets im Hinterkopf, dass am anderen Ende des Bildschirms in 78 % der Fälle kein Idiot sitzt. Wenn mich ein Debütautor anschreibt und Kontakt aufbauen will, gehe ich erst einmal davon aus, dass ich ihn irgendwie unterstützen soll. Es erfreut mich, wenn ich dann eines Besseren belehrt werde und sehe, dass mein Gegenüber sich WIRKLICH für mich und meine Arbeit interessiert und in mir nicht nur jemanden sieht, der ihm helfen kann.
    Übrigens: Wenn ich wirklich einfach nur schnelle Hilfe in einem Bereich will, suche ich mir einen Experten auf diesem Gebiet und bezahle ihn dafür, dass er mir das beibringt.
  3. Nichts geben
    Ich kenne einige Menschen, die Anfragen stellen und sogleich versuchen, ihr Buch zu verkaufen. Mach. Das. Niemals.

 

Die Schreibdilettanten bei mir und ich bei ihnen

 

Jetzt noch wie angekündigt hier die beiden Video mit den Schreibdilettanten. Ihr kennt sie bestimmt. Marcus und Axel machen seit einigen Jahren sehr erfolgreich einen deutschsprachigen Podcast für Autoren und sind seit langem auch auf YouTube unterwegs.

 

 

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